Cholesterinsenker-Infusion: Neue Cholesterin-Therapie in Sicht – doch Statine bleiben wichtig
Mittels einer Infusion soll ein Risiko-Gen in der Leber deaktiviert werden. Bild: AdobeStock / Pitchy
Von news.de-Redakteur Felix Schneider
29.05.2026 11.51
- Neue Gentherapie soll LDL-Cholesterin mit nur einer Infusion langfristig senken
- Wirkprinzip existiert bereits - entscheidend könnte diesmal die dauerhafte Wirkung sein
- Das Medikament hat Potenzial, muss im Hinblick auf Sicherheit und Nutzen noch geprüft werden
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Nur eine Infusion ist nötig – dann sinkt das "schlechte" LDL-Cholesterin, das zu Herzinfarkten führen kann, deutlich. Der US-Pharmakonzern Eli Lilly hat nun neue Daten zu einer experimentellen Therapie veröffentlicht, welche ein "Risiko-Gen" in der Leber abschalten soll. Das Prinzip ist nicht neu – trotzdem könnte es die Herzmedizin revolutionieren.
Was bringt die experimentelle Gentherapie gegen Cholesterin?
Das Mittel – VERVE-102 genannt – blockiert das PCSK9-Gen. Das Protein PCSK9 beeinflusst, wie stark die Leber LDL-Cholesterin aus dem Blut entfernt. Das läuft vereinfacht so: Die Leber besitzt LDL-Rezeptoren, die man sich etwa als kleine "Fangarme" vorstellen kann. Das LDL-Cholesterin wird von den Rezeptoren aus dem Blut geholt. PCSK9 zerstört einen Teil der Rezeptoren, indem es sich an sie bindet und dafür sorgt, dass diese nach Gebrauch abgebaut werden. Mehr PCSK9 bedeutet wiederum mehr LDL im Blut. VERVE-102 sorgt dafür, dass das Gen, welches für die PCSK9-Produktion zuständig ist, deaktiviert wird.
Nach dem gleichen Prinzip funktionieren bereits jetzt vorhandene Medikamente wie Evolocumab, Alirocumab und Inclisiran. Das Spannende an der neuen Therapie ist jedoch nicht die Wirkweise selbst, sondern die Wirkdauer: Das Gen in der Leber soll dauerhaft deaktiviert bleiben - die Therapie könnte also nicht nur für kurze Zeit, sondern möglicherweise jahrzehntelang wirken. Laut Pressemitteilung von Eli Lilly konnte das Medikament das Leber-Protein PCSK9 um bis zu 88 Prozent und den LDL-Cholesterinspiegel um satte 62 Prozent reduzieren. Bei einigen Patienten hielt der Effekt schon jetzt bis zu 18 Monate lang an.
Macht die neue Therapie Statine unnötig?
Die Frage, die vor allem Betroffene brennend interessieren dürfte: Macht die neue Therapie nun Statine komplett unnötig? Die klare Antwort: Nein – denn Statine wirken jetzt schon bereits sehr gut. Medikamente wie Simvastatin, Atorvastatin oder Rosuvastatin senken den LDL-Spiegel um 30 bis 60 Prozent und haben starke Daten – sie verringern das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich und steigern die Lebenserwartung bei Cholesterinpatienten.
Zudem zeigt die neue Therapie bislang nur Surrogatdaten - zwar senkt sie den LDL-Spiegel und die Menge an PCSK9, doch ob sie Herzinfarkte und Sterblichkeit wirklich verringern kann, muss sich noch zeigen. Zudem ist die Geneditierung irreversibel. Statine lassen sich absetzen oder in der Dosis verringern, doch eine Genveränderung in der Leber ist potenziell dauerhaft. Daher sind auch die Sicherheitsanforderungen enorm hoch. Spätfolgen und gefährliche Reaktionen könnten zu späteren Zeitpunkten noch eintreten.
Sinnvoll wird die neue Therapie daher vor allem als Zusatz für Hochrisikopatienten sein, die beispielsweise unter einer familiär bedingten Hypercholesterinämie oder trotz maximal möglicher Therapie weiterhin unter einem hohen Risiko leiden. Zudem bleibt die Frage nach den Behandlungskosten - solche Gentherapien kosten anfangs oft noch hunderttausende Euro pro Behandlung, während Statine teils sogar nur wenige Cent pro Tag kosten.
Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.
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