Gesundheit

Handywecker ist schuld: Warum geht es mir nach dem Aufstehen immer so schlecht?

Dass Sie sich ständig nach dem Aufwachen noch immer müde fühlen, könnte an Ihrem Wecker liegen. Bild: AdobeStock / Gorodenkoff

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  • Schrille Wecker sorgen dafür, dass wir nach dem Aufstehen müde sind
  • Grund dafür ist die sogenannte Schlafträgheit, die bei unnatürlichem Aufwachen entsteht
  • Klingeltöne, die uns langsam wacher machen, helfen, diesen Effekt zu reduzieren

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Viele kennen es: Eben hat man noch seelenruhig geschlummert, dann setzt der schrille Klingelton des Handyweckers ein - und auf einmal feuert das Gehirn Stresssignale durch den ganzen Körper. Statt erholt und mit neuer Energie aufzuwachen, fühlt man sich bloß endlos gestresst und ausgelaugt. Wissenschaftliche Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Wahl Ihres Klingeltons schuld sein könnte.

Darum fühlen wir uns morgens so fertig nach dem Aufstehen

Was genau passiert im Körper, wenn der Wecker klingelt? Sehr plötzliche, laute Geräusche lösen eine sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion aus. Diese ist evolutionär vorprogrammiert und diente ursprünglich dazu, vor Gefahren wie Raubtieren zu schützen. Dabei steigt die Herzfrequenz, der Blutdruck steigt und Adrenalin fließt in das Nervensystem - all das, bevor man überhaupt seine Augen geöffnet hat.

Das Problem: Diese Reaktion passiert nicht nur in Einzelfällen, sondern jeden Morgen zur gleichen Zeit. So wird der Körper darauf trainiert, jeden Morgen eine "Bedrohung" zu erwarten. Wiederholt sich dies, führt das zu einem schnellen Anstieg des Cortisolspiegels. Ein langfristig erhöhter Cortisolspiegel wird in der Forschung zudem mit Symptomen wie depressiven Verstimmungen, Stress, hohem Blutdruck, Insulinresistenz (Cortisol lässt auch den Blutzuckerspiegel rapide ansteigen) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert.

Nach dem Schreckmoment kommt die Schlafträgheit

Kurzum: Ständig von einem nervtötenden Alarm aus dem Schlaf gerissen zu werden, ist einfach ungesund. Zudem führt ein schriller Alarm oft zu dem Gegenteil davon, was er eigentlich bezwecken soll. Statt richtig wach zu werden, verfällt der Körper in die sogenannte Schlafträgheit. In diesem Zustand fühlen wir uns leicht benommen, gereizt und geistig langsamer als sonst.Etwa 15,2 Prozent der Erwachsenen leiden unter einer besonders starken, lang anhaltenden Schlafträgheit.

Untersuchungen weisen zudem darauf hin, dass die Effekte denen einer leichten Trunkenheit gleichen und bis zu insgesamt vier Stunden lang anhalten können - insbesondere dann, wenn eine Tiefschlafphase unterbrochen wurde. Je stressiger man geweckt wird, desto schlimmer ist die Schlafträgheit. Ein graduelles, langsames Erwachen kann helfen, die Effekte weitgehend abzumildern.

Darum macht die Wahl des Wecker-Sounds einen Unterschied

Wecktöne, die das Gehirn sanft in den Wachzustand begleiten, sind daher ideal. In Studien schnitten insbesondere Melodien mit einer klaren, eingängigen Struktur, einer Frequenz von um die 500 Hertz und einem Tempo von 100 bis 120 bpm besonders gut ab.

Unter den empfehlenswerten Tönen bei iPhones sind Töne wie "Sencha", "Am Meer", "Stufen" und "Aufschwung". Bei Samsung-Geräten sind wiederum Wecktöne wie "Roller Disco" und "Synth Bell" zu empfehlen.

Am besten klappt das Aufwachen allerdings unter natürlichen Bedingungen - oder künstlichen, die natürliche Umstände nachahmen können. So erhellen beispielsweise Sonnenaufgangs-Wecker den Raum zunehmend wie bei einem echten Sonnenaufgang. Dadurch wird dem Gehirn signalisiert, dass es Zeit zum Aufstehen ist und die Melatonin-Produktion wird langsam gestoppt. Dadurch wechselt der Körper ohne Kampf-oder-Flucht-Reaktion in den Wachzustand, was die Schlafträgheit verhindert.

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/ife/news.de

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