Mehr als nur Karies: Warum Zähneputzen den ganzen Körper vor Erkrankungen schützt
Wie die Forschung zeigt, sorgt tägliches Zähneputzen nicht nur für ein gesundes Lächeln. Bild: AdobeStock / Prostock-studio
Von news.de-Redakteur Felix Schneider
05.05.2026 09.52
- Zahnfleischentzündungen können Ursache für viele Erkrankungen sein
- Mehrere Herzerkrankungen werden durch die Entzündungen ausgelöst
- Auch bei Schwangerschaften können möglicherweise Komplikationen auftreten
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Schon wenige Minuten am Morgen können viel für die Gesundheit tun - das zeigen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Rede ist dabei vom Zähneputzen: Wer die Zahnzwischenräume ordentlich reinigt, senkt nicht nur das Risiko für Karies, sondern auch für eine Vielzahl anderer Erkrankungen im gesamten Körper.
Wie beeinflussen Zahnfleischentzündungen die Herzgesundheit?
Bevor Sie sich nun stündlich die Zähne putzen: Natürlich wirkt das Zähneputzen eher indirekt als Schutz vor Krankheiten. Das eigentliche Risiko geht von Parodontitis - also einer chronischen Entzündung des Zahnfleischs - aus. Diese entsteht, wenn sich Zahnbelag bildet und dieser nicht gründlich durch Putzen entfernt wird. Insbesondere in den Zahnzwischenräumen bilden sich häufig unbemerkt über mehrere Jahre bakterielle Infektionen unter dem Zahnfleischrand.
Beim Kauen, Zähneputzen oder bei Entzündungen können diese Bakterien in die Blutbahn eindringen. Sie wurden in Untersuchungen bereits in Gefäßwänden und Plaques nachgewiesen. Die Bakterien können zur Arteriosklerose, also der Verengung von Arterien, beitragen. Zudem erhöhen sie Entzündungsmarker im Blut und fördern chronische Gefäßentzündung. Diese gilt als Grundlage für viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Wie entsteht Typ-2-Diabetes durch schlechte Mundhygiene?
Weiterhin belegen Studien einen weitgehend unbeachteten, aber wichtigen Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und Zahnfleischproblemen. Diese stehen in einer konstanten Wechselwirkung: Ist der Blutzucker dauerhaft erhöht, arbeitet das Immunsystem schlechter, was dazu führt, dass Bakterien sich leichter vermehren und Wunden schlechter heilen können. Kurzum: Das Risiko für Parodontitis ist deutlich erhöht.
Gleichzeitig wirkt die Entzündung sich auf den gesamten Körper aus: Die erhöhten Entzündungsbotenstoffe im Blut und die chronische Entzündung fördern die Insulinresistenz. Dadurch reagieren die Zellen schlechter auf Insulin, was wiederum zu einem Anstieg des Blutzuckers führt. So entsteht ein Kreislauf:
- aus hohem Blutzucker,
- der zu mehr Entzündungen führt,
- welche die Insulinresistenz fördern,
- was wiederum für einen erhöhten Blutzucker sorgt.
Gute Mundhygiene unterbricht diesen Kreislauf, indem die bakterielle Grundlage reduziert wird, Parodontitis verhindert oder gemildert wird und die systemische Entzündung gesenkt wird. Eine Behandlung der Parodontitis kann die Blutzuckerwerte messbar verbessern - ersetzt allerdings noch keine Diabetes-Therapie.
Wie das Zahnfleisch Schwangerschaften und Arthritis beeinflusst
Ein weiteres Problem, bei dem es Hinweise auf einen Zusammenhang mit Parodontitis gibt, sind Komplikationen in der Schwangerschaft. Beobachtungsstudien finden häufiger Frühgeburten und Kinder mit einem niedrigen Geburtsgewicht bei Frauen mit Parodontitis. Eine mögliche Erklärung ist, dass Entzündungsstoffe, die durch die Zahnfleischentzündung in den Blutkreislauf gelangen, die Wehen frühzeitig auslösen. Bislang gibt es jedoch noch keine gesicherte Erklärung für diese Beobachtung.
Auch gibt es Hinweise darauf, dass Zahnfleischentzündungen möglicherweise rheumatoide Arthritis auslösen können. Beide Erkrankungen sind chronisch entzündlich und bestimmte Mundbakterien können Autoimmunreaktionen fördern. Zudem wurde beobachtet, dass Menschen mit Parodontitis häufiger Rheumatoide Arthritis haben und die Behandlung des entzündeten Zahnfleischs die Entzündungswerte leicht verbessern kann.
Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.
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