Gefahr für Darmflora: Antibiotika-Spätfolge kann bis zu 8 Jahre anhalten
Antibiotika sind wichtig im Kampf gegen bakterielle Infektionen - doch ihre Nebenwirkungen haben es in sich. Bild: picture alliance/dpa | Monika Skolimowska
Von news.de-Redakteur Felix Schneider
17.03.2026 14.38
- Antibiotika können potenziell lebensrettende Medikamente sein
- Das Problem: Die Darmflora wird von ihnen auch langfristig beeinflusst
- Schwedische Forscher fanden heraus, dass die Nachwirkungen bis zu acht Jahre lang anhalten
Mehr über Medikamente und Nebenwirkungen finden Sie am Ende dieses Beitrags.
Unzählige Menschen haben seit ihrer Erfindung von der antibakteriellen Wirkung von Antibiotika profitiert. Doch wie eine aktuelle Studie zeigt, bringen die Medikamente Nebenwirkungen mit sich, die in einigen Fällen auch noch Jahre nach der ursprünglichen Einnahme für Beschwerden sorgen können.
Warum die Darmflora so bedeutend ist
Die Darmflora erfüllt im Körper mehrere Aufgaben. Sie hilft unter anderem bei der Verdauung, hat Einfluss auf das Immunsystem und kann Auswirkungen auf Stoffwechsel und Appetit haben. Bereits seit längerem vermuten Forscher zudem, dass Krankheiten wie Diabetes, Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ebenfalls in Zusammenhang mit der Darmflora stehen.
So wird auch von der sogenannten "Darm-Hirn-Achse" gesprochen: Gemeint ist eine Verbindung zwischen Darm und Hirn auf mehreren unterschiedlichen Ebenen. Das Mikrobiom im Darm produziert etwa Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Acetylcholin und kurzkettige Fettsäuren, die die Gehirnfunktion, Stimmung und Stressreaktionen beeinflussen.
Antibiotika reduzieren Bakterienvielfalt langfristig
Die Ergebnisse der in der Fachzeitschrift "Nature Medicine" erschienenen Studie der schwedischen Universität Uppsala zeigen: Die Darmflora braucht deutlich länger als bislang gedacht, um sich wieder richtig von der Wirkung von Antibiotika zu erholen. Für ihre Studie untersuchten die Forscher Daten von fast 15.000 Erwachsenen in Schweden sowie Stuhlproben der Teilnehmer, um die Zusammensetzung der Darmflora näher bestimmen zu können.
So zeigten die Analysen, dass es deutlich erkennbar war, wenn die Teilnehmer innerhalb eines Jahres vor der Probe Antibiotika eingenommen hatten. Die Vielfalt der Bakterien war bei diesen Probanden messbar reduziert. Eine bedeutende Erkenntnis war außerdem, dass selbst bei Menschen, bei denen eine Antibiotikabehandlung acht Jahre zurücklag, Veränderungen erkennbar waren. Etwa 10 bis 15 Prozent der Bakterienarten im Darm waren in ihrer Häufigkeit reduziert.
Welche Antibiotika greifen die Darmflora besonders stark an?
Die Forscher hatten zudem auch nach unterschiedlichen Präparaten unterschieden. Zu den besonders häufig eingesetzten Antibiotika mit wenigen Nebenwirkungen gehörten:
- Penicillin V
- Amoxicillin
- Sulfamethoxazol
- Trimethoprim
Indes beobachteten die Wissenschaftler stärkere und länger anhaltende Effekte bei folgenden Wirkstoffen:
- Clindamycin
- Flucloxacillin
- Fluorchinolone
In etwas geringerem Maß zeigte auch das Medikament Tetracyclin noch messbare Nachwirkungen. Warum einige der Wirkstoffe die Darmflora stärker angriffen als andere, ist aktuell noch nicht klar. Sicher ist: Die Veränderungen des Mikrobioms können langfristige Folgen haben. So steht eine der betroffenen Bakteriengruppen in Zusammenhang mit Übergewicht, erhöhten Cholesterinwerten, entzündlichen Darmerkrankungen oder Typ-2-Diabetes.
Dennoch betonen die Forscher, dass Antibiotika weiterhin ein unverzichtbares Werkzeug im Arsenal von Fachmedizinern bleiben, um bakterielle Infektionen zu bekämpfen. Die Erkenntnisse der Studie zeigen lediglich, dass im Umgang mit Antibiotika zu mehr Vorsicht zu raten ist.
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