Betablocker : Arzt klärt auf - auf diese Nebenwirkung sollten Sie achten
Betablocker werden nach einem Herzinfarkt und bei chronischer Herzinsuffizienz empfohlen (Symbolfoto). Bild: Adobe Stock/ SockaGPhoto
Erstellt von Sabrina Böhme
16.02.2026 18.05
- Bei der Einnahme von Betablockern kann es zu Nebenwirkungen kommen.
- Depressionen durch Herzmedikament? Arzt macht auf ein anderes Risiko aufmerksam.
- Betablocker bei Bluthochdruck nicht die erste Wahl.
- Patienten sollten auf Wechselwirkungen achten.
Nach einem Herzinfarkt verschreiben Ärzte Medikamente wie Metoprolol. Betablocker gehören zu den verträglichen Medikamenten. Dennoch können Nebenwirkungen wie Depressionen auftreten. Wie häufig tritt die psychische Erkrankung wirklich auf?
Was sind Betablocker?
Der Name verrät bereits ihre Funktion: Betablocker binden sich an die Beta-Adrenozeptoren und hemmen sie. Dadurch bremsen sie die Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Dadurch senken sie den Herzschlag, den Blutdruck und entlasten den Herzmuskel. Die Rezeptoren befinden sich an anderen Stellen im Körper, zum Beispiel in den Bronchien oder im Uterus. Dort entspannen sie die Muskulatur.
Nebenwirkungen durch Betablocker
Die Arzneimittel wirken, wie bereits erwähnt, nicht nur im Herzen, sondern auch in anderen Organen. Deshalb können Nebenwirkungen in verschiedenen Bereichen des Körpers auftreten. Der Wirkstoff kann den Stoffwechsel verlangsamen. Laut der Deutschen Herzstiftung kann nicht nur der Puls sinken. Folgende Begleiterscheinungen sind möglich:
- Durchblutungsstörungen der Extremitäten, was zu kalten Händen oder Füßen führen kann.
- Asthmaanfälle
- Potenzprobleme
- Depressionen
Studie: Depressionen durch Betablocker?
Alle die genannten Nebenwirkungen können auf andere Ursachen, unter anderem einen Herzinfarkt (kalte Extremitäten, vor allem bei Frauen, Anmerkung der Redaktion) hinweisen. Dennoch zeigten schwedische Wissenschaftler Ende 2024, wie sich die Arzneimittel auf die psychische Gesundheit auswirken. In der im "European Heart Journal" erschienenen Studie, zeigte sich, dass sich das Risiko für Depressionen durch Betablocker erhöhte. Die Daten basieren auf einer zuvor veröffentlichten Studie. Forscher untersuchten Herzinfarktpatienten, die Betablocker einnahmen. In der Unterstudie untersuchte das Forscherteam 806 Herzinfarkt-Patienten. Die Patienten wurden aufgeteilt. Eine Gruppe nahm Betablocker, andere nicht. Davon nahmen 100 Patienten mit schweren Depressionen bereits Betablocker.
Arzt mahnt: Übergewicht ist ein größeres Risiko als Depressionen
Depressive Verstimmungen können auftreten, seien aber ein seltenes Phänomen, sagt Heribert Schunkert, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München gegenüber "Focus Online". Der Mediziner macht auf eine für ihn wichtigere unerwünschte Arzneimittelwirkung aufmerksam: Übergewicht. "Ich persönlich halte es für viel problematischer, dass viele Patienten mit einer Gewichtszunahme auf die Einnahme von Betablocker reagieren." Durch das zusätzliche Gewicht erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus.
Bei Betablockern auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten achten
Patienten sollten auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten achten. Es ist nicht ratsam, Betablocker mit Kalziumkanalblockern Verapamil oder Diltiazem einzunehmen. Das kann die Wirkung verstärken. Bei Amlodipin sind keine Probleme bekannt. Ähnliche Reaktionen können sich durch Alkohol zeigen. Patienten sollten hier vorsichtig sein.
Diese Patienten sollten keine Betablocker einnehmen
Wer zum Beispiel Asthma, eine akute Herzinsuffizienz, eine bestimmte Störung der Erregungsleitung (AV-Block) oder eine deutlich verlangsamte Herzfrequenz aufweist, sollte Betablocker nicht einnehmen.
Die Therapie mit Betablockern richtet sich immer nach der ärztlichen Einschätzung. Bei einer chronischen Herzinsuffizienz und nach einem Herzinfarkt werden sie in der Leitlinie empfohlen. Bei Bluthochdruck sind die Medikamente eher nicht die erste Wahl. Hier kommen meistens andere Mittel wie ACE-Hemmer zum Einsatz. Wie lange Patienten Betablocker nehmen müssen, entscheidet der Kardiologe. Falls Nebenwirkungen auftreten, nicht die Medikamente eigenmächtig absetzen, sondern den Arzt fragen.
Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.
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