Tödliche Erkrankung: Wie gefährlich ist das indische Nipah-Virus für Deutschland?
Im Narayana Multispeciality Krankenhaus in Indien werden derzeit zwei Fälle des Nipah-Virus behandelt. Bild: picture alliance/dpa/AP | Uncredited
Erstellt von Felix Schneider
30.01.2026 13.05
- Behörden sind besorgt wegen Ausbruchs des Nipah-Virus in Indien
- Bisher sind nur zwei Fälle des extrem tödlichen Virus bekannt
- Natürliche Überträger des Virus sind Flughunde
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Steht eine neue Pandemie bevor? Im indischen Bundesstaat Westbengalen sind zwei Beschäftigte des Gesundheitswesens am extrem gefährlichen Nipah-Virus erkrankt. Die Erkrankung kann eine Sterblichkeitsrate von bis zu 92 Prozent erreichen - fast jeder Fall kann tödlich enden. Sollte sich das Virus ausbreiten, könnten die Folgen verheerend sein. Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?
Bisher offiziell nur zwei Fälle in Indien
Wie die "Times of India" berichtet, hatten die beiden Betroffenen hatten als Krankenpfleger im Dezember gemeinsam in einem privaten Krankenhaus etwa 25 Kilometer nördlich von Kolkata gearbeitet. Derzeit werden sie stationär behandelt, wobei einer von ihnen aktuell noch in Lebensgefahr schwebt. Die indischen Behörden reagierten umgehend mit umfangreichen Schutzmaßnahmen. Insgesamt wurden 196 Kontaktpersonen der Erkrankten ermittelt und getestet – sämtliche Ergebnisse fielen negativ aus. Zusätzlich stellten die Behörden 20 Personen mit besonders hohem Ansteckungsrisiko unter eine 21-tägige Quarantäne.
Das Gesundheitsministerium betonte, dass seit Dezember ausschließlich diese beiden Infektionen nachgewiesen wurden. Berichte über weitere Fälle wies die Regierung als falsch zurück. Der Ausbruch gilt als lokal begrenzt, dennoch wurden Überwachung und Laborkapazitäten vor Ort verstärkt.
WHO gibt Entwarnung für internationale Ausbreitung
Könnte sich das Virus auch nach Europa oder sogar Deutschland ausbreiten? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft laut "NDTV" die Gefahr einer grenzüberschreitenden Verbreitung des Erregers als niedrig ein. Am Freitag teilte die WHO demnach mit: "Die WHO ist der Ansicht, dass das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Infektion durch diese beiden Fälle gering ist." Reise- oder Handelsbeschränkungen sprach die Organisation nicht aus.
Nach Einschätzung der WHO verfügt Indien über ausreichende Kapazitäten, um derartige Krankheitsausbrüche wirksam einzudämmen. Der aktuelle Fall markiert bereits den siebten dokumentierten Nipah-Ausbruch in dem südasiatischen Land und den dritten im Bundesstaat Westbengalen. Frühere Ausbrüche in dieser Region ereigneten sich 2001 und 2007 in Bezirken nahe der Grenze zu Bangladesch.
Asiatische Nachbarländer reagieren mit Flughafenkontrollen
Trotz der WHO-Entwarnung ergriffen mehrere asiatische Staaten umgehend Vorsichtsmaßnahmen. Thailand führte an drei internationalen Flughäfen Kontrollen für Reisende aus Kolkata ein – vergleichbar mit den Protokollen während der Corona-Pandemie. An den Airports Suvarnabhumi und Don Mueang in Bangkok sowie auf Phuket werden Passagiere auf Fieber untersucht und müssen ihre Reisehistorie offenlegen.
Auch Hongkong, Malaysia und Singapur verschärften ihre Einreisekontrollen aus Sorge vor einer möglichen Verbreitung. Nepal verstärkte ebenfalls die Überwachung am Flughafen und an zentralen Grenzübergängen zu Indien.
Sterblichkeitsrate bis zu 75 Prozent – kein Heilmittel verfügbar
Das Nipah-Virus zählt zu den gefährlichsten bekannten Krankheitserregern weltweit. Abhängig von den lokalen Möglichkeiten zur Früherkennung und Behandlung liegt die Sterblichkeitsrate laut dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg bei bis zu 92 Prozent. Die WHO beziffert die Sterblichkeitsrate mit 40 bis 75 Prozent etwas geringer. Weder ein zugelassener Impfstoff noch ein wirksames Medikament existieren - Ärzte können lediglich die Symptome lindern.
Als natürliche Wirte des Erregers gelten Flughunde. Menschen stecken sich über direkten Kontakt mit infizierten Tieren an, durch verunreinigte Früchte oder rohen Palmensaft. Eine Übertragung zwischen Menschen ist möglich, erfordert jedoch engen und längeren Kontakt mit Erkrankten.
Die Inkubationszeit beträgt vier bis 14 Tage. Anfangs ähneln die Symptome einer Grippe: Fieber, Kopfschmerzen und Husten. Im schweren Verlauf droht eine Gehirnentzündung, die zu Verwirrtheit, Krampfanfällen und Koma führen kann. Selbst Überlebende können dauerhafte Schäden wie Persönlichkeitsveränderungen oder Epilepsie davontragen.
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