Gesundheit

Bei Schlafmangel: Müdigkeit kann tagsüber Schlafmodus im Gehirn erzwingen

Obwohl wir wach sind, wird setzt die Konzentration aus - und das Gehirn geht kurzzeitig in einen "Schlafmodus". Bild: AdobeStock/motortion

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  • Schlafmangel zwingt das Gehirn in einen Schlafzustand
  • Dabei bleiben wir zwar wach, aber die Konzentration setzt aus
  • Das kann mitunter tödliche Folgen haben

Mehr spannende Infos rund um das Thema Schlaf finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Sie sitzen nach einer langen Nacht gerade bei der Arbeit in einem Meeting - und immer wieder merken Sie, dass Sie sich kaum konzentrieren können. Eine neue Studie zeigt nun, dass das Gehirn in diesen Momenten tatsächlich kurzzeitig einschlafen kann. Schlafmangel macht demnach nicht nur müde und schwächt die Konzentration, sondern erzwingt auch eine Art "Schlafmodus" - während Sie eigentlich noch wach sind.

Wie das Gehirn in den Schlafzustand gezwungen wird

Die im Fachjournal "Nature Neuroscience" publizierte Studie zeigt, dass bei Schlaflosigkeit Wellen in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit auftreten können, die so bisher nur aus Tief- und Leichtschlafmustern bekannt waren. Das haben Experimente mit 26 gesunden, erwachsenen Probanden am Massachusetts Institute of Technology (MIT) gezeigt. Teilnehmer reagierten teils verzögert oder gar nicht auf Reize während dieser Wellen, was darauf hinweist, dass das Gehirn sich in diesen Momenten in einem "Wach-Schlaf" befand.

Pupillen zeigen den Moment des "Wach-Schlafs"

Noch bevor die Aufmerksamkeit für diese kurzen Zeiträume abschaltete, konnten die Wissenschaftler beobachten, dass die Pupillen der Teilnehmer sich verengten. Dies gilt als Warnsignal für Schlafphasen und zeigt, dass der Erregungszustand des Gehirns sinkt. Kurz darauf wurde außerdem eine Verschiebung der Blutgefäße gemeinsam mit dem Pulsieren von Flüssigkeit durch das Gehirn beobachtet - ebenfalls Hinweise darauf, dass das Gehirn für wenige Sekunden in einen Kurzschlaf gleitet.

Den Forschern zufolge ist dies eine Reaktion des Gehirns auf stark ausgeprägten Schlafmangel - trotz des Wachzustands versucht es, eine Phase der Erholung zu erzwingen.

Schlafmangel kann tödliche Folgen haben

Dabei betonen die Wissenschaftler, dass es sich keineswegs um eine Folge mangelnder Lust oder Konzentrationsfähigkeit handelt. Biologische Mechanismen setzen eine Grenze, die dazu dient, dass Wachphasen nicht zu lange andauern und Körper und Geist sich erholen können. Auch Stimuli wie Kaffee helfen dabei nicht weiter.

Das kann allerdings gefährliche Folgen haben: Schlafmangel erhöht das Risiko für Unfälle am Arbeitsplatz um 70 Prozent, wie Untersuchungen zeigen. Auch das Risiko für medizinische Fehler oder Verkehrsunfälle erhöht sich. Das kann unter anderem zu Unfällen mit Todesfolge führen.

Doch was genau hat das Pulsieren der Gehirnflüssigkeit im Wachzustand zu bedeuten? In Schlafphasen hilft dieser Prozess, Abfallstoffe zu entsorgen. Was das für Menschen heißt, deren Reaktionen häufiger (etwa durch chronischen Schlafmangel) aussetzen, ist nicht abschließend geklärt.

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/bua/news.de

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