Gesundheit

Tipps gegen Abhängigkeit: Wie kann man die Nasenspray-Sucht wieder loswerden?

Wer Nasenspray über die Erkältung hinaus weiter nutzt, muss mit gesundheitlichen Folgen rechnen. Bild: AdobeStock/Syda Productions

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  • Nasenspray kann süchtig machen - die Folgen werden oftmals unterschätzt
  • Wer abhängig ist, kommt oftmals nicht ganz ohne Hilfe wieder los
  • Wir zeigen Ihnen Tipps, die dabei helfen können, wieder frei vom Spray zu werden

Mehr aktuelle Nachrichten zum Thema Erkältungen findest du am Ende dieses Beitrags.

Längst greifen viele nicht mehr nur während einer Erkältung zu Nasenspray. Nach Schätzungen der Krankenkasse AOK sind hierzulande etwa 100.000 Menschen von abschwellenden Nasensprays abhängig. Die Dunkelziffer dürfte allerdings noch deutlich höher liegen. Besonders problematisch: Die Präparate sind ohne Rezept erhältlich, sowohl in Apotheken als auch in Drogerien. Was kurzfristig für freie Atemwege sorgt, kann bei längerem Gebrauch zur echten Sucht werden. Die gesundheitlichen Folgen werden dabei häufig unterschätzt.

So entsteht die Nasenspray-Sucht

Abschwellende Nasensprays enthalten Wirkstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin. Diese sogenannten Sympathomimetika sorgen dafür, dass sich die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut verengen - die Schwellung geht zurück, das Atmen fällt leichter. HNO-Arzt Dr. Bernhard Junge-Hülsing aus Starnberg erklärt gegenüber der "Apotheken Umschau", dass Nasenspray-Nutzer dieses Gefühl oftmals so angenehm finden, dass sie sich mit der Zeit daran gewöhnen.

Bei längerer Anwendung nimmt zudem die Dichte der Rezeptoren ab, die normalerweise für das natürliche Abschwellen verantwortlich sind. Die Schleimhaut verliert ihre Fähigkeit zur Selbstregulation, wird weniger gut durchblutet und befeuchtet. Das sorgt wiederum dafür, dass die Nase ihre eigentlichen Aufgaben wie das Befeuchten, Erwärmen und Reinigen der Atemluft nicht mehr richtig verrichten kann. 

Ausgetrocknete Schleimhaut öffnet Krankheitserregern die Tür

Der dauerhafte Griff zum Spray bleibt nicht ohne Folgen für die Gesundheit. Denn damit verliert sie auch ihre wichtige Schutzfunktion. Nicht nur Blutungen, sondern auch eine höhere Infektanfälligkeit drohen, da Erreger einfacher eindringen können. Viren und Bakterien haben bei geschädigter Schleimhaut leichtes Spiel - neue Infekte werden so begünstigt.

"Wer gar nichts verändert, riskiert, dass die Schleimhäute austrocknen", betont auch Apotheker Justus Schollmeier gegenüber der "Apotheken Umschau". Im schlimmsten Fall könne es sogar zu Schäden an der Nasenscheidewand kommen. Hinzu kommen Begleiterscheinungen wie schlechter Schlaf und Probleme im Alltag.

Schritt für Schritt zurück zur freien Nase

Der Ausstieg aus der Nasenspray-Abhängigkeit gelingt am besten mit Geduld. HNO-Arzt Dr. Stefan Tesche empfiehlt im Interview mit dem NDR, sich zwei bis drei Wochen Zeit für die Entwöhnung zu nehmen. In den ersten Tagen sollte die Dosis schrittweise gesenkt werden - das geht etwa, indem auf Nasenspray für Jugendliche, Kinder oder Babys umgestellt wird. 

Wer bereits seit Jahren abhängig ist, für den können selbst diese Stufen zu groß sein. In solchen Fällen ist es empfehlenswert, in der Apotheke Hilfe zu suchen: Dort lässt sich das Spray individuell verdünnen. Eine weitere Methode: Die halbvolle Flasche mit Wasser auffüllen und so den Wirkstoffgehalt nach und nach reduzieren. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis kaum noch Wirkstoff enthalten ist.

Die Ein-Nasenloch-Methode normalisiert den Atemrhythmus

Nach einigen Tagen der Dosisreduzierung empfiehlt Dr. Stefan Tesche, das Spray nur noch auf einer Seite anzuwenden. So kann sich das unbehandelte Nasenloch bereits wieder an den natürlichen Wechsel zwischen An- und Abschwellen gewöhnen. Währenddessen bleibt die andere Seite frei zum Atmen.

Unterstützend haben sich Meersalz-Sprays bewährt. Sie befeuchten die strapazierte Schleimhaut und wirken leicht abschwellend – ganz ohne Gewöhnungseffekt. Anders als bei abschwellenden Präparaten besteht hier kein Suchtrisiko.

Zusätzlich können Nasensalben die Regeneration der Schleimhaut fördern. Auch Nasenduschen und Inhalierstifte mit ätherischen Ölen helfen manchen Betroffenen. Nach zwei bis drei Wochen sollte das Spray komplett weggelassen werden können. Gelingt dies nicht, kann ärztliche Beratung sinnvoll sein.

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