Caren Miosga: AfD-Mann unter Druck - "was Sie erzählen, ist reine Kreml-Propaganda"
AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla war am Sonntag zu Gast bei "Caren Miosga". Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka
Erstellt von Ines Fedder
09.02.2026 08.34
- AfD-Sprecher Tino Chrupalla zu Gast bei "Caren Miosga" am 08.02.2026
- ARD-Moderatorin geht mit AfD-Politiker hart ins Gericht
- Miosga: "Was Sie erzählen, ist reine Kreml-Propaganda"
Der AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla stellte sich am Sonntagabend den Fragen von Caren Miosga in der ARD. Offiziell lautete das Thema der Sendung: "Ist Trump ein Vorbild für Deutschland?" Doch die Moderatorin hatte anderes im Sinn – und nahm den 50-Jährigen vor allem zur Russland-Politik seiner Partei ins Kreuzverhör.
Tino Chrupalla bei "Caren Miosga"
Über weite Strecken geriet Chrupalla dabei in die Defensive. Als er erklärte, Deutschland sei aktuell nicht von Russland bedroht, konterte Miosga scharf: "Das ist das Narrativ des Kreml." Auch bei wirtschaftspolitischen Fragen zu Zöllen und dem Mercosur-Abkommen verstrickte sich der AfD-Chef in Widersprüche.
Caren Miosga: "Was Sie erzählen, ist reine Kreml-Propaganda"
Nach gut 20 Minuten eskalierte die Debatte. Chrupalla hatte behauptet, er sehe derzeit keine Bedrohung Deutschlands durch Russland. Man müsse schnellstmöglich wieder mit Moskau ins Gespräch kommen, um die Eskalation zu beenden.
Als die Sendung Zitate von Wladimir Putin einspielte, in denen dieser mit Atomwaffen drohte, wiegelte der AfD-Chef ab: "Was hätte Putin davon, Europa atomar zu vernichten? Es gäbe kein Europa mehr." Dann folgte die bekannte Argumentation: Die Ursachen des Ukraine-Kriegs lägen auch in der Nato-Osterweiterung. Miosga reagierte fassungslos: "Was Sie uns hier erzählen, ist reine Kreml-Propaganda."
Freihandel ja, aber nur manchmal
Auch bei wirtschaftspolitischen Themen zeigte sich Chrupalla widersprüchlich. In der Diskussionsrunde mit der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm und Journalist Michael Bröcker forderte er Nachverhandlungen beim Mercosur-Abkommen – zum Schutz der Landwirte. Grimm hielt dagegen: Über das Abkommen sei 25 Jahre verhandelt worden, zudem enthalte es bereits Schutzklauseln für die europäische Landwirtschaft.
Bei Trumps Zollpolitik ruderte der AfD-Chef zurück. Er habe diese nie gelobt, sondern lediglich als im amerikanischen Interesse liegend bezeichnet. Grundsätzlich sei Freihandel ohne Zölle für eine Industrienation das Beste – es dürfe aber nicht nur einen Gewinner geben.
Der Auftritt bei Miosga dürfte Chrupalla und seiner Partei kaum geholfen haben. Das ständige Lavieren zwischen Trump-Bewunderung und Putin-Verständnis offenbarte die Schwierigkeiten der AfD, eine kohärente außenpolitische Linie zu finden. Einerseits will man den US-Präsidenten gut finden, andererseits auch den russischen Machthaber nicht verprellen.
Hinzu kamen die offensichtlichen Widersprüche in der Wirtschaftspolitik: Freihandel befürworten, aber Mercosur ablehnen. Zölle kritisieren, aber Trumps Vorgehen verstehen. Eine Moderatorin, die dem AfD-Chef hartnäckig auf die Pelle rückte, machte die Sache nicht einfacher.
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