Fernsehen: Volksschauspieler und Brückenbauer: Wolfgang Stumph wird 80
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Erstellt von Sarah Knauth
30.01.2026 11.25
Das Kürzel ST ist sein Markenzeichen. Ob Udo Struutz, Wilfried Stubbe, Henning Stahnke oder Thomas Stille - viele seiner Filmhelden haben diese Initialen. Was der Schauspieler Wolfgang Stumph noch mag, ist "Stumphsinn". Hinter dem doppelbödigen Begriff versteht er all das, was sein Wertegefüge ausmacht - etwa Ehrlichkeit, Empathie, Hilfsbereitschaft, Respekt, Toleranz und Verantwortungsbewusstsein.
Am 31. Januar wird der Schauspieler 80 Jahre alt. Den runden Geburtstag feiert Familienmensch Stumph im kleinen Kreis. Das Geld für eine große Party will er lieber spenden. Als Unicef-Mitarbeiter oder bei seinem Engagement für krebskranke Kinder in Dresden hat er jene im Blick, denen es nicht so gut geht. Auch das ist ein Teil vom "Stumphsinn".
Schon als Jugendlicher auf Bühne
Stumph stammt aus Schlesien, wuchs nach dem Krieg in Dresden auf. Schon als Jugendlicher war er dort Komparse im Schauspielhaus. Er wurde Kesselbauer, studierte Ingenieurpädagogik, gründete das Kabarett "Die Lachkarte" und absolvierte ein Schauspielstudium. Bereits während des Studiums holte ihn der Kabarettist Wolfgang Schaller als Regieassistenten und Darsteller an das bekannte Dresdner Kabarett "Die Herkuleskeule".
In Schallers häuslicher Foto-Galerie hängt auch ein Bild von seinem Freund Stumph. "Es war gut, dass wir als Kabarettisten zwei waren, wenn wir in den 1980-Jahren auf der Bühne standen; man konnte sich vereint besser gegen Angriffe wehren", sagt Schaller (85). Die Texte hätten damals Erfolg gehabt, weil einer sie sprach, "den alle im Saal liebten": "Vom Publikum geliebt zu werden, lernt man auf keiner Schauspielschule."
"Go Trabi Go": Der Start ins Filmgeschäft
Anfang 1991 wurde der Sachse Stumph über Nacht ein gesamtdeutscher Star - mit dem Film "Go Trabi Go". Für die Geschichte über eine abenteuerliche Reise einer ostdeutschen Familie mit dem Trabant nach Neapel stand er erstmals vor der Kamera. 1,5 Millionen Menschen sahen den Film im Kino. Seine Arbeit sei immer auf eine gesamtdeutsche Sicht ausgerichtet gewesen, sagt Stumph. "Leute, wir müssen uns gegenseitig kennenlernen."
"Als politisch und moralisch denkender Schauspieler, Kabarettist und Mensch habe ich nur die Figuren gespielt, die etwas zum Verständnis der Zeit beitragen konnten. Meine Aufgabe war nicht vordergründig, eine Rolle zu spielen, sondern eine Rolle zu leben", sagt Stumph. In gut 170 Film- und Fernsehproduktionen war er bisher zu erleben. Viele wurden Klassiker.
In der Verwechselungskomödie "Der Job seines Lebens" brillierte er mit Katharina Thalbach. "Stankowskis Millionen" geriet zur satirischen Abrechnung mit der Treuhand, "Stilles Tal" zu einem nachdenklichen Film über eine Flutkatastrophe.
Brückenbauer zwischen Ost und West
Auch die Sitcom "Salto Postale" wurde Kult. Stumph spielt darin den Postangestellten Wolfgang Stankoweit, der seinen "Besserwessi-Chef oft eines Besseren belehrt. Aus Sicht des früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck hat Stumph das Selbstwertgefühl der Ostdeutschen gestärkt. Er nennt ihn einen "Brückenbauer".
1995 wurde Stumph Kommissar Wilfried Stubbe, der als ostdeutscher Leihbeamter in Hamburg ermittelte - drei Jahrzehnte lang, bis zum vergangenen Jahr. Die ZDF-Krimiserie "Stubbe - Von Fall zu Fall" erreichte beste Einschaltquoten. Stumphs Tochter Stephanie agierte darin auch als Tochter. Heute ist die 41-Jährige selbst erfolgreiche Schauspielerin.
"Ich war nie zufrieden."
Der MDR würdigt Stumph zum 80. Geburtstag mit der Dokumentation "Der Rastlose". Schauspielkollegin Katrin Sass nennt ihn in dem Beitrag einen Workaholic. Tatsächlich wirkte Stumph bei seinen Filmen faktisch auch immer als "Koproduzent". "Ich war nie zufrieden", gibt Stumph zu.
"Es gibt kaum Schauspieler wie ihn, die so hartnäckig ein Ziel verfolgen", sagt Regisseur Bernd Böhlich. Stumph habe sich bei Drehs oft eingemischt - aber nicht aus Eitelkeit oder Wichtigtuerei, sondern weil er "besessen" war vom Produkt. Zudem sei er einer der wenigen Schauspieler, der Ost und West vor dem Bildschirm vereinte - für Böhlich eine "politische Leistung".
Kabarettist und Dokufilmer
Dem Kabarett blieb Stumph lange treu. Anfang der 1990er Jahre gründete er mit Detlef Rothe und Gunter Antrak das Trio "Antrak auf Stumphsinn", tourte damit bis 2006 quer durchs Land. Als Duo mit Gunther Emmerlich hatte er schon zuvor Erfolge, 2023 traf ihn dessen Tod schwer.
Ab 2016 drehte der Dresdner selbst Dokumentarfilme, kramte unter dem Titel "Heimat" interessante Geschichten von Menschen aus Ost und West aus. Er selbst blieb immer seiner Heimatstadt verbunden. In vielen Stumph-Filmen bildete Dresden die Kulisse.
Erfolg auch auf der Bühne der Semperoper
Selbst auf die Opernbühne hat es Wolfgang Stumph geschafft. Unlängst war er in der Semperoper in Dresden zum 117. Mal als trunkener Gefängniswärter Frosch in der Operette "Die Fledermaus" zu erleben. Jeder Auftritt ein Unikat.
In der MDR-Doku vergleicht er sich selbst mit einem Frosch, der so lange in der Milch strampelt, bis Quark entsteht und er nicht untergehen kann. Stumph hat noch andere Lebensmaximen: "Wenn man an die Quelle will, muss man gegen den Strom schwimmen." Oder: "Nur wer aneckt, bringt etwas in Bewegung."
Schauspielkunst für die "Kleinen Leute"
Kunst für die "Kleinen Leute" - auch das gehört zu Wolfgang Stumph. Mit seinen Filmen habe er Sinn für soziale Themen bewiesen, für Gerechtigkeit und seine Heimat, urteilt Regisseur Peter Kahane.
Für ihn sei es die größte Ehre, wenn ihn jemand auf der Straße oder im Bus anspreche und sage: "He, Stumphi", sagt der Jubilar selbst, der sechsmal mit dem Publikumspreis "Goldene Henne" geehrt wurde - so oft wie kein anderer Schauspieler.
Ein schönes Kompliment stammt von Filmpartnerin Katharina Thalbach. Stumph sei zwar nicht unbedingt ein James Bond, doch eigenen Charme habe er immer besessen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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