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Donald Trump: Machtmissbrauch bei der Fußball-WM? ARD-Doku sorgt für Wirbel

Bei der Auslosung der WM-Vorrunde erhielt US-Präsident Donald Trump den FIFA-Friedenspreis von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Bild: picture alliance/dpa/AP | Jacquelyn Martin

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  • ARD-Doku untersucht den politischen Einfluss von Donald Trump auf den Sport
  • UFC-Events im Weißen Haus und ein FIFA-Friedenspreis sorgen für Kritik
  • Experten sind gespalten: Ist Sport noch neutral – oder längst politisches Werkzeug?

In der ARD-Dokumentation "Spielfeld der Macht. Die WM in Trumps Amerika" begeben sich "Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni und Sportjournalist Philipp Awounou auf einen Roadtrip durch ein zutiefst gespaltenes Land – kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Die zentrale Frage der Doku: Wie nutzt Donald Trump den Sport für seine politischen Zwecke? Die Antwort fällt eindeutig aus: Kein US-Präsident vor ihm habe sportliche Bühnen derart konsequent für seine Inszenierung vereinnahmt, zeigt der Film anhand von American Football, Mixed Martial Arts und Fußball.

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"Im Kern hat Sport auch etwas unpolitisch Vereinendes", sagt Awounou. Dennoch schwinge bei vielen WM-Vorfreudigen eine Skepsis mit, beobachtet Zamperoni: "Wird es wirklich ein Fest für alle?"

UFC-Kämpfe im Weißen Haus und ein erfundener Friedenspreis für Donald Trump

Die Dokumentation liefert eindrückliche Belege für Trumps Strategie. Zum 80. Geburtstag des Präsidenten im Juni 2026 findet erstmals ein UFC-Kampfsport-Event im Weißen Haus statt – ein Novum in der amerikanischen Geschichte. UFC-Präsident Dana White, seit Jahrzehnten eng mit Trump verbunden, bewirbt das Spektakel als "verwegenste Idee der Sportgeschichte".

Auch FIFA-Chef Gianni Infantino spielt mit: Nachdem Trump den Friedensnobelpreis nicht erhielt, rief Infantino kurzerhand einen eigenen FIFA-Friedenspreis ins Leben und zeichnete den US-Präsidenten am Abend der WM-Gruppenauslosung aus. Trump bedankte sich: "Das ist eine der größten Ehren meines Lebens."

Besonders verstörend: Das Weiße Haus veröffentlichte auf der Plattform X ein Video, das reale Militärschläge im Iran mit Football-Szenen kombiniert. Soziologe Ben Carrington nennt diese Vermischung "zutiefst entmenschlichend" – sie mache Krieg zur Pointe.

Mexikanische Fans fürchten sich vor dem Gang zum Stadion

In einer New Yorker Sportbar trifft Zamperoni auf Diego, der als Kind aus Mexiko in die USA kam, und seine Freundin Amanda. Während Diego sich auf die WM freut, ist Amanda skeptisch: "Ich mache mir Sorgen um die Leute, die aus aller Welt zur WM anreisen und dann Probleme mit ICE und der Einwanderungsbehörde bekommen." Die Angst ist konkret: ICE-Beamte waren kürzlich in ihrer Nachbarschaft unterwegs, Gruppenchats warnen vor Razzien. "Alles an dieser Regierung ist ein Schlag ins Gesicht", sagt Amanda. Laut ICE-Daten waren im ersten Amtsjahr nach Trumps Rückkehr fast 40 Prozent der Festgenommenen nicht vorbestraft.

In Los Angeles setzt der Frauenfußballclub Angel City FC ein Gegenzeichen: Nach Beginn der ICE-Razzien präsentierte sich der Verein als "Immigrant City FC" und verteilte 10.000 T-Shirts mit der Aufschrift "Los Angeles ist für alle da".

Klinsmann gegen politische Statements – Experten widersprechen

Fußball-Weltmeister Jürgen Klinsmann, der seit fast 30 Jahren in den USA lebt, bezieht in der Dokumentation klar Position: "Fußballmannschaften, die zu einem Turnier anreisen, haben einen Job: erfolgreich Fußball zu spielen – und nichts anderes." Das Mannschaftsfoto der deutschen Nationalelf in Katar mit der Hand vor dem Mund fand er "katastrophal" – es habe "schlechtes Karma" erzeugt.

Politikwissenschaftler Jules Boykoff von der Pacific University hält dagegen: "Sport ist Politik mit anderen Mitteln. Und jeder, der dir erzählt, dass Sport und Politik nichts miteinander zu tun haben, ist nicht dein Freund." Die Trennung sei eine Illusion, von der vor allem jene profitierten, die damit Geld verdienten. Klinsmann selbst räumt ein, dass alle die Befürchtung teilten, die WM könne von der Trump-Regierung überschattet werden.

"Bosheit und Niedertracht sind normal geworden"

Die Dokumentation lebt von den gegensätzlichen Perspektiven ihrer Protagonisten. Greg Blache, ehemaliger NFL-Defense-Coach und Zamperonis Stiefschwiegervater, blickt ernüchtert auf sein Land: "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in einem Land leben würde, in dem Bosheit und Niedertracht normal sind." Trump erlaube es den Menschen, "die schlechteste Version ihrer selbst" zu zeigen.

Auf der anderen Seite steht UFC-Kämpfer Dustin Jacoby: "Präsident Trump ist der perfekte Mann für diese Position. Ihm geht es darum, gefürchtet und respektiert zu werden." Die konservative Influencerin Emily Austin, die über zweieinhalb Millionen Instagram-Follower erreicht, verteidigt auch das ICE-Vorgehen. Die Ängste von Minderheiten vor Razzien findet sie "albern": "Wenn man nicht zu illegalen Einwanderern oder Kriminellen gehört, warum sollte man dann Angst haben?"

Trotz aller Spannungen zeigt die Dokumentation auch die verbindende Kraft des Sports. Basketball ermöglichte Bob McCullor aus Harlem den Weg aus der Gangkriminalität, Sportstipendien eröffnen jährlich knapp 200.000 jungen Amerikanern Bildungschancen. "Es steckt so viel Kraft in diesem Ball", sagt McCullor. Soziologe Ben Carrington wünscht sich ein Turnier, "bei dem das, was Trump verkörpert, in den Hintergrund tritt und es stattdessen um Solidarität geht". Auf die Frage nach seiner Zuversicht antwortet er: "Zu 51 Prozent."

Zamperoni zieht am Ende der Reise sein Fazit: Sport sei in den USA tiefer kulturell verankert als in Deutschland und genau das mache ihn zum politischen Hebel, der auch missbraucht werden könne. "Spielfeld der Macht" läuft am 8. Juni um 20.15 Uhr im Ersten und ist bereits jetzt in der ARD-Mediathek abrufbar.

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