Politik

Neue Putin-Strategie: Raketen schlagen blitzschnell ein - Luftalarm kommt erst nach Explosionen

Eine ukrainische Rakete fängt während eines russischen Angriffs auf Kiew eine russische ballistische Rakete ab. (Symbolbild) Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa/dpa

  • Artikel teilen:
  • Russische Streitkräfte griffen Kiew erneut mit ballistischen Raketen an, mindestens zehn Menschen wurden verletzt
  • Nach ukrainischen Angaben ertönte der Luftalarm wegen der kurzen Flugzeit teilweise erst nach den ersten Einschlägen
  • Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, keine der sechs abgefeuerten ballistischen Raketen abgefangen zu haben

Erneut wurde die ukrainische Hauptstadt Ziel eines schweren Raketenangriffs. Russische Streitkräfte feuerten in der Nacht zum Samstag ballistische Raketen auf Kiew. Bei dem Angriff erlitten mindestens zehn Menschen Verletzungen. Die Attacken erfolgten in mehreren Wellen und lösten Brände in verschiedenen Stadtteilen aus. Besonders schlimm: Der Luftalarm kam zu spät.

Weitere aktuelle Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie am Ende dieses Artikels.

Schwerer Angriff auf Ukraine: Luftalarm kommt zu spät - keine einzige Rakete abgefangen

Russland hat seine Raketenabschussrampen in der Region Brjansk unmittelbar an die ukrainische Grenze verlegt. Dadurch verkürzt sich die Flugzeit der ballistischen Geschosse auf weniger als drei Minuten bis Kiew. "Ballistische Raketen sind sehr schwer zu orten, noch schwerer als Marschflugkörper, und zwar schon ab dem Start. Deshalb heulen die Luftschutzsirenen erst, nachdem die ersten Explosionen die Hauptstadt erschüttert haben", erklärt Serhii Bratchuk, Sprecher der Ukrainischen Freiwilligenarmee, die Konsequenzen im Fernsehsender Kyiv24. Beim Angriff am 11. Juli vergingen etwa zwei Minuten zwischen den ersten Einschlägen und dem Ertönen des Alarms. Die Bewohner hatten faktisch keine Möglichkeit, rechtzeitig Schutzräume zu erreichen.

Die ukrainische Luftabwehr stand dem Angriff machtlos gegenüber. Laut einem Bericht der ukrainischen Luftstreitkräfte vom Morgen des 11. Juli konnte keine der sechs abgefeuerten Raketen vom Typ Iskander-M oder S-400 abgeschossen werden. Alle Geschosse trafen vier verschiedene Bezirke der Hauptstadt.

Die technischen Eigenschaften dieser Waffen machen eine Abwehr extrem schwierig. Ballistische Raketen lassen sich bereits beim Start deutlich schlechter erfassen als Marschflugkörper. Hinzu kommt ihre enorme Geschwindigkeit von über 7.500 Kilometern pro Stunde.

Der ukrainische Abgeordnete Oleksandr Fedienko von der Partei Diener des Volkes bestätigte, dass eine Vorwarnung bei S-400-Raketen aufgrund der extrem kurzen Flugzeit oft schlicht unmöglich sei. Die Ukraine leidet zudem unter einem akuten Mangel an Patriot-Abwehrraketen.

Präventivschläge als einziger Ausweg

Angesichts der nahezu wirkungslosen Luftabwehr sieht Sprecher Bratchuk nur eine realistische Gegenmaßnahme: "Ein wirksamer Weg zur Abwehr russischer ballistischer Raketen ist die Zerstörung der Startplattformen in der Grenzregion Brjansk."

Der Militärexperte warnte vor einer weiteren Eskalation: "Es ist klar, dass der Feind jetzt auf ballistische Raketen setzt und dementsprechend ballistische Raketen einsetzen wird, um sowohl die Hauptstadt als auch möglicherweise andere Gebiete unseres Landes zu beschießen."

Die vergangene Woche bestätigt diese Einschätzung. Sämtliche ballistischen Angriffe auf Kiew erfolgten aus der Region Brjansk. Am 8. Juli schlugen fünf ballistische Raketen in der Hauptstadt ein. In der Nacht vom 5. auf den 6. Juli töteten 23 Iskander-M- und S-400-Raketen mindestens 16 Menschen und verletzten 58 weitere.

Weitere Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie hier:

/fka/news.de/dpa/stg

Themen

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.