Nahost: Neue Angriffe gefährden Verhandlungen zwischen USA und Iran
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Erstellt von Sarah Knauth
08.06.2026 14.22
Erstmals seit zwei Monaten hat der Iran Israel wieder mit mehreren Raketenwellen angegriffen. Israel wiederum nahm daraufhin Ziele im Iran ins Visier. Der Iran kündigte am Nachmittag an, die Angriffe wieder einzustellen. Die Eskalation weckt dennoch die Befürchtung eines erneuten offenen Konflikts zwischen den beiden Ländern. Zugleich gefährden die jüngsten Angriffe auch ein mögliches Abkommen zwischen dem Iran und den USA. Fragen und Antworten zur aktuellen Lage:
Warum hat der Iran gerade jetzt Israel wieder angegriffen?
Der Iran reagierte mit seinen Raketensalven seit dem späten Sonntagabend eigenen Angaben zufolge auf Angriffe Israels in Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut am Sonntagnachmittag. Die israelische Armee hatte in den als Dahija bekannten Vororten, die als Hochburg der libanesischen Hisbollah gelten, "Terroristen-Hauptquartiere" der Miliz angegriffen. Davor hatte die Hisbollah erneut den Norden Israels vom Libanon aus mit Raketen beschossen.
Erst in der Nacht zum vergangenen Donnerstag hatten sich Israel und der Libanon nach US-Vermittlung eigentlich auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der Waffenruhe in dem Konflikt geeinigt - die bisher faktisch kaum wirksam war. Die Hisbollah lehnte die vereinbarten Bedingungen ab. Kurz darauf erfolgten neue Angriffe der Miliz. Im Libanon hatte es bereits am Morgen nach den Gesprächen Berichte über neue israelische Angriffe gegeben.
Die Hisbollah ist der wichtigste nicht staatliche Verbündete des Irans. Israel bekämpft die Hisbollah im Süden des Libanons mit Bodentruppen, fliegt aber immer wieder auch Luftangriffe in anderen Landesteilen. Teheran hatte zuvor gewarnt, dass weitere israelische Angriffe auf den Großraum Beirut als neuer Eskalationsschritt in der regionalen Konfrontation gewertet würden.
Wie ist die aktuelle Lage?
Seit den frühen Morgenstunden flog das israelische Militär nach eigenen Angaben mehrere Angriffe auf den Iran und reagierte damit auf den vorherigen Raketenbeschuss aus Teheran. Die Armee sprach von einem "großangelegten Angriff". Dutzende israelische Kampfflugzeuge hätten dabei "strategische Verteidigungssysteme" der iranischen Führung ins Visier genommen. Im Südwesten des Irans sei zudem eine Anlage der petrochemischen Industrie angegriffen worden.
Der Iran antwortete wiederum mit mehreren Angriffswellen. In vielen Orten im Norden, Süden und Zentrum Israels heulten die Sirenen. Die Einwohner waren aufgerufen, sich in Schutzräume zu begeben. In den betroffenen Gegenden waren Medienberichten zufolge Explosionen zu hören, während die Flugabwehr versuchte, anfliegende iranische Geschosse noch in der Luft abzufangen. Der Iran habe seit Sonntagabend bislang mehr als 20 ballistische Raketen Richtung Israel gefeuert, hieß es aus israelischen Armeekreisen.
Am Nachmittag erklärte Irans Militärführung die Angriffe auf Israel dann für beendet. Die Islamische Republik habe zur Unterstützung des Libanons Israel eine "schmerzhafte Antwort" erteilt, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der Militärführung. "Vor diesem Hintergrund wird die Einstellung der Operationen der Streitkräfte bekanntgegeben." Sollten die Kampfhandlungen weitergehen, darunter Israels Angriffe im Südlibanon, würden "härtere und vernichtendere Maßnahmen als bisher" erfolgen, drohte Irans militärisches Hauptquartier Chatam al-Anbjia.
Wie reagiert Donald Trump auf die Angriffe?
Für US-Präsident Donald Trump sind die neuen Angriffe ein zweifacher Rückschlag. Zum einen behindern sie seine Bemühungen, eine Waffenruhe im Libanon und eine israelisch-libanesische Annäherung zu vermitteln. Zum anderen fordert Teheran in den Verhandlungen mit Washington um eine nachhaltige Beendigung des Iran-Kriegs auch eine Einstellung der Kämpfe im Libanon.
Im Interview mit der britischen "Financial Times" gab sich Trump überzeugt, dass die neuen Angriffe keine Auswirkungen auf ein angestrebtes Abkommen haben werden. Zudem werde der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu keine andere Wahl haben, als ein Abkommen zu akzeptieren, das die USA mit dem Iran aushandelten. "Er wird keine andere Wahl haben", sagte Trump der Zeitung. "Ich habe das Sagen. Ich habe das alleinige Sagen. Er hat nicht das Sagen", meinte der US-Präsident demnach mit Bezug auf Netanjahu.
Trump forderte Israel und den Iran auf, die Angriffe sofort einzustellen. Wenig später teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit, beide Seiten würden einen "sofortigen Waffenstillstand" in Betracht ziehen. Die Verhandlungen für eine Friedenslösung würden fortgesetzt, dabei solle es "schnell vorangehen". Die Blockade der Straße von Hormus werde solange aufrechterhalten, schrieb er.
Was bedeutet das alles nun für die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran?
Trump mag die Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen auf die Verhandlungen herunterspielen - dabei machen die ersten Angriffe zwischen dem Iran und Israel seit April deutlich, was für eine Herausforderung das Bemühen um eine langfristige Beendigung der Feindseligkeiten ist.
Trump zeigte sich "Axios" gegenüber erneut zuversichtlich, zeitnah eine Einigung erzielen zu können: Washington und Teheran seien auf dem Weg zu einem "guten" Abkommen. Er wolle nicht, dass es wegen der aktuellen Ereignisse scheitert. Er deutete laut Fox News auch an, dass die Verhandlungen mit dem Iran auf eine mögliche Einigung zusteuerten. Diese könnte "am Montag, Dienstag oder Mittwoch kommender Woche" erzielt werden, hieß es.
Kritiker stellen allerdings infrage, ob es zwischen Washington und Teheran jüngst überhaupt bedeutende Fortschritte in den Verhandlungen gab. Trump beteuert dies regelmäßig.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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