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Alexander Dobrindt: Neue Bunker-Pläne und Krisen-App - Deutschland rüstet sich für den Ernstfall

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will Deutschland auf mögliche Kriegs-, Terror- und Katastrophenszenarien vorbereiten – mit einem gewaltigen Milliardenprogramm. Bild: Michael Kappeler/dpa/dpa

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  • Bundesregierung plant zehn Milliarden Euro für den Ausbau des Zivilschutzes
  • Neue Kommandozentrale und Tausende Spezialanschaffungen geplant
  • Nina-App soll Bürger künftig direkt zum nächsten Schutzraum lotsen

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) plant eine massive Investitionsoffensive für den Zivilschutz in Deutschland. Am Mittwoch soll das Bundeskabinett ein Sonderprogramm mit einem Volumen von zehn Milliarden Euro beschließen, wie die "Bild" unter Berufung auf einen Kabinettsentwurf berichtet. Das Ziel: Deutschland soll für Kriegs- und Anschlagsszenarien deutlich besser gewappnet sein. Derzeit fehlt es an nahezu allem – von Bunkern über mobile Lazarette bis hin zu ausreichenden Vorräten.

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Dobrindt startet Milliarden-Offensive für den Zivilschutz - mehr als 1.000 Spezialfahrzeuge und 110.000 Feldbetten geplant

"Wir rüsten auf beim Bevölkerungsschutz und der zivilen Verteidigung", erklärte Dobrindt. Man gehe "mit klarer Kante gegen hybride Bedrohungen" vor und unterstütze die ehrenamtlichen Kräfte konsequent. Künftig sollen militärische und zivile Verteidigung enger verzahnt werden, um die Widerstandsfähigkeit des Landes zu stärken.

Das Sonderprogramm sieht umfangreiche Anschaffungen vor. Bis 2029 sollen mehr als 1.000 Spezialfahrzeuge beschafft werden. Der Kauf von mindestens 110.000 stapelbaren Feldbetten ist bereits angelaufen – die Auslieferung erfolgt zwischen 2027 und 2029. Einen erheblichen Teil der Mittel erhält das Technische Hilfswerk. Für die Organisation ist ein umfassendes Bauprogramm geplant, das Gebäude und Anlagen modernisieren soll. Zusätzlich fließen drei Milliarden Euro in Personal und Technik bei THW und Zivilschutz. Auch die medizinische Versorgung im Krisenfall wird ausgebaut. Eine Taskforce des Bundes soll künftig an mehr als 50 Standorten in Deutschland einsatzbereit sein, um bei einem Massenanfall von Verletzten schnell reagieren zu können.

Neue Kommandozentrale soll zivile und militärische Abwehr koordinieren

Im Bundesinnenministerium entsteht eine neue Stabsstelle mit dem Namen "Kommando zivile Verteidigung". Diese Einheit soll die Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Strukturen zentral steuern und koordinieren.

Für Einsatzkräfte werden bundesweit einheitliche Ausbildungsstandards eingeführt. Der Fokus liegt dabei auf dem Umgang mit chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahrenlagen – sogenannten CBRN-Szenarien.

Darüber hinaus schwebt dem Innenminister vor, Zivilschutz-Unterricht an deutschen Schulen einzuführen. So sollen bereits junge Menschen auf mögliche Krisensituationen vorbereitet werden.

Die medizinische Taskforce des Bundes wird ebenfalls deutlich verstärkt. An mehr als 50 Standorten im gesamten Bundesgebiet sollen künftig Kapazitäten bereitstehen, um bei einem Massenanfall von Verletzten schnell handeln zu können.

Nina-App zeigt künftig den Weg zum nächsten Bunker

Ein zentrales Element des Sonderprogramms betrifft die Warnung der Bevölkerung im Ernstfall. Sämtliche öffentlichen Zufluchtsräume in Deutschland sollen erfasst und digital verfügbar gemacht werden. Dazu zählen Bunker, gesicherte Kellerräume, U-Bahnschächte, Tunnel und Tiefgaragen. Diese Daten werden anschließend in das digitale Warnsystem sowie in die Nina-App integriert. Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App soll Bürger bei Gefahrenlagen nicht mehr nur warnen, sondern ihnen auch den schnellsten Weg zum nächsten Schutzraum anzeigen. Das Konzept folgt dem sogenannten 3-A-Modell: klarer Auftrag, bessere Ausstattung und umfassende Ausbildung. Damit sollen Menschen im Krisenfall nicht nur informiert, sondern aktiv zu Hilfsangeboten und sicheren Orten geleitet werden.

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/sfx/news.de/dpa/stg

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