Friedrich Merz: Kanzler beim DGB ausgebuht - CDU-Chef geht im Pfeifkonzert unter
Bundeskanzler Friedrich Merz spricht beim 23. Ordentlichen Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Estrel Congress Center. Bild: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka
Erstellt von Sarah Baumann-Rüster
12.05.2026 10.32
- Friedrich Merz wurde beim DGB-Bundeskongress mehrfach ausgebuht und ausgelacht
- Kanzler verteidigte trotz Protesten seinen Reformkurs und schloss Rentenkürzungen aus
- Zum Ende der Rede blieb der Applaus weitgehend aus
Bundeskanzler Friedrich Merz erlebte bei seiner Rede beim DGB-Bundeskongress zu den geplanten Sozialreformen einen denkbar schwierigen Auftritt. Kaum hatte er die Handlungsfähigkeit der Koalition betont, brandeten Zwischenrufe auf, wie unter anderem die "Bild" berichtete.
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Merz beim DGB ausgebuht: Kanzler geht im Protest-Lärm unter
"Diese Koalition ist entscheidungswillig und sie ist entscheidungsfähig", erklärte der Kanzler – und erntete prompt Gelächter aus dem Publikum. Als Merz versuchte, die Reformpläne mit nüchternen Argumenten zu untermauern, wurde es nicht besser. "Das alles ist keine Bösartigkeit von mir oder von der Bundesregierung", sagte er und löste erneut Heiterkeit aus. Sein Verweis auf "Mathematik und Demographie" ging im Lärm beinahe unter. Mehrfach musste der Kanzler innehalten, bevor er fortfahren konnte. Bei seinen Ausführungen zur Härte der notwendigen Sozialreformen folgten schließlich offene Buhrufe und vereinzelte Pfiffe. Beim Kurznachrichtendienst X veröffentlichte Videos dokumentierten die Buhrufe.
Merz weist Vorwürfe von Sozialabbau zurück
Trotz der aufgeheizten Stimmung hielt Merz an seiner Kernbotschaft fest. "Damit das klar ist: Niemand in diesem Land schlägt Kürzungen der Rente vor", stellte er unmissverständlich klar. Reformen bedeuteten vielmehr einen "Gewinn für alle, auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" – was erneut laute Zwischenrufe provozierte.
Der Kanzler forderte ein Umdenken bei den Prioritäten. "Wir werden nicht mehr alles gleichzeitig machen können", mahnte er und verlangte von den Arbeitnehmern Offenheit für diesen Kurs. Einen Abbau sozialer Leistungen schloss er dabei kategorisch aus: "Sozialabbau wird mit mir nicht geschehen." Die notwendigen Reformen hingegen werde er durchsetzen.
Regierung unter Druck: Milliarden-Schulden und Vertrauenskrise
Die angespannte Atmosphäre kommt nicht von ungefähr. Die schwarz-rote Regierung steckt in einer handfesten Krise: Knapp drei Viertel der Bevölkerung zeigen sich mit der Regierungsarbeit unzufrieden, auch die persönlichen Beliebtheitswerte des Kanzlers sind eingebrochen.
Erst vor rund zwei Wochen billigte das Kabinett einen Haushaltsentwurf mit fast 197 Milliarden Euro Neuverschuldung – der zweithöchste Wert in der Geschichte der Bundesrepublik. Mit einer umfassenden Gesundheitsreform will die Koalition verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Doch auch hier gibt es Gegenwind: Krankenkassen kritisieren, dass die Versicherten weiterhin Milliarden für Bürgergeldempfänger schultern müssen. Gesundheitsministerin Nina Warken räumte eine "Unwucht" ein, verwies aber auf die angespannte Haushaltslage.
Bitterer Schlussmoment: Kaum Applaus für den Kanzler
Zum Abschluss seiner Rede beschwor Merz die langfristige Perspektive. "Was wir jetzt tun, muss für ein Jahrzehnt tragen", betonte er. "Alle werden etwas geben müssen. Dafür werden wir alle etwas bekommen. Stabilität und Sicherheit in einer sich grundsätzlich verändernden Welt."
Der Kanzler bat die Zuhörer eindringlich um Unterstützung: "Ich bitte Sie, mitzumachen, damit die nächsten Generationen die gleichen Chancen haben." Dafür stehe er persönlich ein. Dann folgte "Focus Online" zufolge ein peinlicher Moment: Eine einzelne Person begann zu klatschen – und hörte nach vier Klatschern auf, als niemand einstimmte. Am Ende gab es nur verhaltenen Beifall für Merz.
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