"Hotel Matze": Größte Gefahr für rechte Szene - Marcant kämpft um Deutschlands Jugend
Marcant erzählt im "Hotel Matze" über seinen Kampf gegen Rechtsextremismus. Bild: AdobeStock / Jogerken
Von news.de Redakteurin Anika Bube
27.04.2026 15.24
- Marcant kämpft aktiv gegen Rechtsextremismus auf TikTok
- Ziel: Jugendliche vor Radikalisierung schützen und Ausstieg ermöglichen
- Strategie: Konfrontation, Aufklärung und gezielte Provokation
Marcant zählt zu den einflussreichsten deutschen Stimmen im Kampf gegen Rechtsextremismus in sozialen Medien. Der Content-Creator hat sich einer klaren Mission verschrieben: Jugendliche vor der Radikalisierung bewahren und Menschen aus der rechten Szene zurückholen. "Ich bin oder wir sind die größte Gefahr für den rechtsextremen Nachwuchs", erklärt er im Podcast "Hotel Matze". Täglich erreichen ihn Nachrichten von jungen Menschen, die berichten, dass seine Videos ihnen beim Ausstieg aus der Szene geholfen haben.
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"Größte Gefahr für den rechtsextremen Nachwuchs": Marcant zu Gast im "Hotel Matze"
Was als zufällige Entdeckung auf TikTok begann, wurde zur Lebensaufgabe. Marcant sah 14-jährige Mädchen, die zu Neonazi-Musik Videos drehten – mit Reichsflaggen im Hintergrund. Er suchte nach demokratischen Gegenangeboten, fand keine und entschied sich zu handeln. Sein Ziel: ein demokratisches Gegengewicht im digitalen Raum schaffen.
Marcants Weg zum politischen Engagement führte über schmerzhafte Umwege. In seiner Schulzeit erlebte er massives Mobbing – körperliche Übergriffe, Verfolgungen und öffentliche Demütigungen. Auf einer Klassenfahrt spielten Mitschüler seine frühen Minecraft-Videos über Lautsprecher ab, während alle lachten. Selbst Lehrer beteiligten sich am Spott.
Diese Erfahrungen formten einen "Panzer", der ihm heute bei Anfeindungen hilft. "Wenn mich jemand beleidigt, könnte es mir nicht egaler sein", sagt er.
Der 2,09 Meter große Marcant spielte bereits in der dritten Basketball-Bundesliga und träumte von einer Profikarriere. Anfang 2023 zerstörte eine schwere Knieverletzung diese Pläne. Monatelang ans Bett gefesselt, begann er Videos zu produzieren. Als er die rechtsextremen Inhalte auf TikTok entdeckte, fand er seine eigentliche Berufung.
Wie die rechte Szene Jugendliche auf TikTok rekrutiert
Die rechtsextreme Szene nutzt ein ausgeklügeltes Schneeballsystem zur Nachwuchsgewinnung. An der Spitze stehen erfahrene Strategen wie Martin Sellner, die Anleitungen für virale Inhalte erstellen. Als Vermittlerinnen dienen junge Frauen, die Sellner abwertend als "Ostmullen" bezeichnet – sie sollen die Bewegung attraktiver und gesellschaftsfähiger erscheinen lassen.
Die Methoden sind raffiniert: Indizierte Lieder von Bands wie Störkraft oder Landser werden als Sounds für Tanzvideos verwendet. Codierte Symbole wie die "88" oder bestimmte Modemarken ermöglichen die gegenseitige Erkennung, ohne sofort von Algorithmen erkannt zu werden.
"Das ist eine Parallelwelt, in die man als Jugendlicher schnell reingezogen wird, die aber für Außenstehende unterm Radar funktioniert", beschreibt Marcant das Phänomen. Auf Demonstrationen werden die online radikalisierten Jugendlichen dann von erfahrenen Kadern mit Flyern und Bier angeworben.
Risse im Fundament der Radikalisierung
Marcant sucht die direkte Konfrontation. Auf Demonstrationen geht er mit dem Mikrofon auf Rechtsextreme zu, während Journalisten Sicherheitsabstand halten. Seine Strategie: Widersprüche aufdecken und Impulse setzen. "Ich werde niemanden im Gespräch direkt heilen, aber ich kann einen Riss ins Fundament klopfen", erklärt er seinen Ansatz.
Ein Beispiel für seinen Erfolg ist Felix, den er im Dezember 2024 am Berliner Ostkreuz traf. Der Jugendliche verbreitete Holocaust-Leugnung und antisemitische Verschwörungstheorien. Nach einem halbstündigen Gespräch und zwei Monaten Bedenkzeit meldete sich Felix: "Du hattest recht, ich habe Scheiße geredet."
Wenn Überzeugung scheitert, verfolgt Marcant ein zweites Ziel: den Gesprächspartner so dastehen lassen, dass andere Jugendliche denken – mit dem will ich nichts zu tun haben.
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