Annalena Baerbock: "Spricht besseres Englisch als Merz Deutsch!" Baerbock überrascht in US-Show
Annalena Baerbock überraschte mit einem Auftritt in "The Daily Show". Bild: picture alliance/dpa/KEYSTONE | Salvatore Di Nolfi
Von news.de-Redakteurin Anika Bube
21.04.2026 12.57
- Baerbock wirbt in US-Show für Diplomatie und Rolle der UN
- Russland und China blockieren im Sicherheitsrat – Generalversammlung greift ein
- UN kämpft mit Reformstau, Geldproblemen und fehlender Gleichstellung
Ungewöhnlicher Auftritt im US-Fernsehen: Annalena Baerbock war am Montagabend (20.04.2026) zu Gast in der "Daily Show". Die 45-Jährige nutzte die Bühne für eine klare Botschaft. "Niemand kann gewinnen, wenn wir nicht zu diplomatischen Mitteln zurückkehren", betonte die Präsidentin der UN-Generalversammlung.
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Annalena Baerbock zu Gast im US-Fernsehen
Baerbock machte deutlich, wie zentral die Vereinten Nationen in einer zunehmend instabilen Welt sind. Sie verglich ihre Arbeit als Vermittlerin zwischen 193 Mitgliedstaaten mit einem chaotischen Familientreffen: Man müsse völlig unterschiedliche Akteure an einen Tisch bringen. Selbst dann, wenn einer von ihnen Atomwaffen besitzt. "Stell dir vor, du bringst deine Familie an den Thanksgiving-Tisch und da ist der mürrische Onkel und deine Hippie-Mutter, und dann sagst du einfach: 'Singt aus demselben Liederbuch.' Ähm, das ist auch eine schwere Aufgabe", sagte Baerbock im Gespräch mit Stewart.
Die UN bezeichnete die Grünen-Politikerin als "Lebensversicherung" der Menschheit. In Zeiten, in denen nicht mehr alle bereit seien, gemeinsam zu handeln, bestehe ihre wichtigste Aufgabe darin, die UN-Charta zu verteidigen: Frieden, Sicherheit, nachhaltige Entwicklung und Menschenrechte.
Russland und China blockieren – Baerbock ruft Generalversammlung ein
Ein konkretes Beispiel für die Dysfunktionalität des UN-Systems lieferte die aktuelle Krise an der Straße von Hormus. Russland und China legten im Sicherheitsrat ihr Veto gegen eine Resolution ein, die die strategisch wichtige Meerenge offenhalten sollte, obwohl China selbst einen erheblichen Teil seines Öls über diese Route bezieht. Baerbock reagierte darauf mit einer Einberufung der Generalversammlung. "Wenn sie im Sicherheitsrat abstimmen und blockieren, dann muss es in die Generalversammlung, wo alle 193 Mitgliedstaaten vertreten sind", erklärte sie das Vorgehen. Die Debatte habe verdeutlicht, dass Ereignisse in einem Teil der Welt alle betreffen. Die Ölpreise seien explodiert, ein Land habe sogar den Energienotstand ausgerufen. Nach dieser Sitzung seien die Waffenstillstandsverhandlungen wieder aufgenommen worden. Derzeit herrsche ein fragiler Waffenstillstand – ein Teilerfolg diplomatischer Bemühungen.
Als Präsidentin der Generalversammlung leitet Baerbock auch den Auswahlprozess für den nächsten UN-Generalsekretär. Besonders kritisch äußerte sich Baerbock zur historischen Unterrepräsentation von Frauen im Amt. In 80 Jahren UN-Geschichte habe es nie eine Generalsekretärin gegeben, obwohl die Mitgliedstaaten ausdrücklich zur Nominierung von Frauen aufgerufen hätten. "Zu erklären, dass man nach 80 Jahren keine Frau finden konnte, wenn man vier Milliarden potenzielle Kandidatinnen hat – das ist wirklich schwer zu erklären", so Baerbock. Stewart kommentierte trocken, man werde vermutlich genau dann eine Frau an die Spitze setzen, wenn der Job praktisch nicht mehr zu bewältigen sei.
40.000 UN-Mandate: Baerbock fordert radikale Modernisierung
Die UN-Generalversammlungspräsidentin sprach im Interview auch offen über die strukturellen Probleme der Weltorganisation. Über acht Jahrzehnte hätten sich Resolution für Resolution insgesamt 40.000 Mandate angehäuft – ein bürokratischer Ballast, der die Effizienz massiv beeinträchtige. "In jedem Unternehmen würde man einfach das System modernisieren", sagte Baerbock. Genau das geschehe derzeit mit der tiefgreifenden Reform namens "UN80".
Gleichzeitig warnte sie davor, die Schwächen der Organisation als Vorwand zu nutzen, um "das ganze Haus zu zerstören". Besonders kritisch sei die finanzielle Lage: Wenn Mitgliedstaaten – darunter auch das Gastgeberland – ihre Beiträge nicht mehr zahlten, könne der Haushalt nicht funktionieren. Während Kinder in diesem Moment stürben, verrotteten Hilfsgüter in Lagerhäusern. "Kein Tag wäre besser ohne die UN", appellierte Baerbock. Man müsse dieses "Haus des Friedens und der Menschlichkeit" stärken.
"Der verrückteste deutsche Crossover seit Bernd das Brot": So reagiert das Netz auf den Baerbock-Auftritt
Unter einem YouTube-Video des Interviews sammelten sich zahlreiche Reaktionen aus Deutschland und den USA. "Nie gedacht, dass ich Annalena mal in einer Jon-Stewart-Show sehe. Meine Güte, wie geil", schrieb ein deutschsprachiger Nutzer. Ein anderer sendete "schöne Grüße aus Deutschland" und lobte den gelungenen Auftritt.
Die politische Dimension blieb nicht unkommentiert: Ein deutscher Zuschauer merkte an, Baerbock sei hierzulande zwar nicht in der Regierungsführung, gehöre aber dennoch zu den meistgehassten Personen der Rechten – wegen ihrer Zugehörigkeit zu den Grünen. Ein weiterer Kommentar spottete, Baerbock spreche besseres Englisch als Friedrich Merz Deutsch.
Auch die Debatte um das Veto-System fand Widerhall: "Ich sage seit Jahrzehnten, die UN muss die Vetorechte der fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder abschaffen – alle", forderte ein Nutzer. Ein anderer bezeichnete den Auftritt als "verrücktesten deutschen Crossover seit John Oliver Bernd das Brot in seiner Show hatte".
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