Krankenkassen sparen zu wenig: Gravierende Schieflage - Versicherte sollen Milliarden zahlen
Eine neue Gesundheitsreform soll Milliarden einsparen - Experten beklagen, dass dies hauptsächlich auf Kosten der Versicherten geschieht. Bild: dpa/GKV-Spitzenverband
Erstellt von Ines Fedder
20.04.2026 08.55
- Gesundheitsreform auf dem Prüfstand - auch Kassen sollen mehr belastet werden
- Krankenkassen-Fusion gefordert - wie viele Anbieter brauchen wir?
- Krankenkassen müssen stärker einsparen - aber wie?
Die Bundesregierung plant eine umfassende Gesundheitsreform, die bis 2030 Einsparungen von rund 40 Milliarden Euro bringen soll. Bereits 2027 sind knapp 20 Milliarden Euro vorgesehen. Ohne diese Maßnahmen drohen den Millionen Kassenpatienten explodierende Beiträge.
Gesundheitsreform zu Lasten der Versicherten - Krankenkassen weniger belastet
Die Sparmaßnahmen treffen dabei nicht alle gleichermaßen. Während Versicherte höhere Zuzahlungen leisten und Gutverdiener durch eine angehobene Beitragsbemessungsgrenze bis zu 200 Euro mehr pro Jahr zahlen müssen, kommen die 93 gesetzlichen Krankenkassen vergleichsweise glimpflich davon. Auch Ärzte, Kliniken und Pharmaunternehmen sollen Milliarden einsparen. Die ungleiche Lastenverteilung sorgt bereits für heftige Kritik.
400 Millionen Einsparung bei 13 Milliarden Verwaltungskosten
Die Zahlen offenbaren ein deutliches Missverhältnis: Laut Regierungskreisen sollen die Krankenkassen ihre Verwaltungskosten bis 2030 um lediglich 400 Millionen Euro jährlich senken, berichtet die "Bild". Dabei verschlingen die Verwaltungsapparate der Kassen aktuell etwa 13 Milliarden Euro pro Jahr – umgerechnet rund 36 Millionen Euro täglich.
Geplant sind eine Deckelung der Verwaltungsausgaben, eine Halbierung der Werbekosten sowie Obergrenzen für Vorstandsgehälter. Im Vergleich dazu werden die Versicherten deutlich stärker zur Kasse gebeten: Allein durch erhöhte Zuzahlungen sollen bis 2030 rund 2,2 Milliarden Euro zusammenkommen.
SPD-Politiker fordert drastische Kassenreduzierung
Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis sieht in der aktuellen Verteilung eine klare Schieflage. "Es kann nicht sein, dass am Ende allein die Versicherten die Zeche zahlen sollen", kritisierte er gegenüber "Bild". Jeder müsse seinen Beitrag leisten – auch die Krankenkassen.
Der 50-Jährige fordert eine radikale Konsolidierung der Kassenlandschaft. Statt der aktuell 93 gesetzlichen Kassen würden nach seiner Einschätzung sechs bis maximal zwölf große, leistungsfähige Anbieter ausreichen. Pantazis bemängelt bestehende Parallelstrukturen und überflüssigen Verwaltungsaufwand. "Auch dort gibt es Effizienzreserven, die wir heben müssen", betonte er. Entscheidend sei eine sinnvolle Mindestgröße der Kassen.
Kassenlandschaft auf dem Prüfstand
DAK-Chef Andreas Storm räumte gegenüber "Bild" ein, dass die Krankenkassenlandschaft kein Tabu sein dürfe. Es stelle sich die Frage, ob sämtliche 93 Kassen für künftige Herausforderungen gewappnet seien. Gleichzeitig verwies er darauf, dass auch die Kassenausgaben künftig begrenzt würden.
Gesundheitsökonom Andreas Beivers von der Fresenius Hochschule sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Die Kassen müssten mit Digitalisierung, IT-Sicherheit und neuen Behandlungsformen zurechtkommen. "Es ist zu hinterfragen, ob alle rund 90 Kassen derzeit dazu gleichermaßen in der Lage sind", so der Experte gegenüber der "Bild".
Am 29. April will Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) den Gesetzentwurf ins Kabinett einbringen.
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