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Pete Hegseth: "Tötet alle Muslime"? Altes Hegseth-Video sorgt für Wirbel

Schwere Vorwürfe gegen Pete Heghseth. Bild: picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon

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  • Ein altes Senatsvideo mit Pete Hegseth geht gerade wieder viral
  • Darin wird Trumps heutiger Verteidigungsminister mit schweren Vorwürfen konfrontiert
  • Hegseth weist alles zurück – doch die Szene sorgt erneut für heftige Debatten

Ein Video aus dem Jahr 2024 bringt Pete Hegseth plötzlich wieder massiv unter Druck. In den sozialen Netzwerken verbreiten sich derzeit erneut Aufnahmen einer Senatsanhörung, in der der heutige US-Verteidigungsminister mit einer ganzen Reihe schwerer Vorwürfe konfrontiert wird. Der demokratische Senator Tim Kaine nahm den früheren Fox-News-Moderator damals öffentlich ins Kreuzverhör und sprach Vorwürfe an, die es in sich haben. Im Raum standen unter anderem mutmaßlich islamfeindliche Parolen, ein angeblicher Stripclub-Zwischenfall, Vorwürfe wegen sexueller Belästigung sowie Hinweise auf ein frauenfeindliches Arbeitsumfeld. Dass genau diese Szene nun erneut viral geht, entfacht die Debatte über Hegseths Eignung als Pentagon-Chef mit voller Wucht.

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"Tötet alle Muslime": Senator Tim Kaine konfrontiert Trump-Minister mit schweren Vorwürfen

Besonders brisant wurde die Anhörung, als Senator Tim Kaine einen Vorwurf aufgriff, der selbst für das oft brutale politische Klima in Washington außergewöhnlich heftig wirkt. Kaine warf Hegseth vor, während eines Vorfalls in einer Bar betrunken "Tötet alle Muslime" gerufen zu haben. Allein dieser Vorwurf sorgte bereits 2024 für Aufsehen. Jetzt, da das Video wieder auf X kursiert, erreicht die Szene erneut ein Millionenpublikum.Denn wer das Pentagon führt, trägt nicht nur militärische Verantwortung, sondern repräsentiert auch politisch und moralisch einen zentralen Teil der amerikanischen Sicherheitsarchitektur. Dass genau gegen so einen Mann nun erneut solche Szenen viral gehen, ist politisch brandgefährlich.

Kaine sprach auch Vorwürfe aus Hegseths Zeit bei der Veteranenorganisation Concerned Veterans for America (CVA) an und zeichnete das Bild eines Mannes, dem intern schon lange massives Fehlverhalten vorgeworfen worden sein soll. 

Hegseth soll Kolleginnen in heikle Situation gebracht haben

Ein zentraler Punkt der Vorwürfe betrifft einen mutmaßlichen Vorfall aus dem Jahr 2014. Laut einem Bericht des "New Yorker" soll Hegseth damals als Leiter von Concerned Veterans for America sein Team in einen Club in Louisiana geführt haben. Dort soll er nach Darstellung des Berichts so betrunken gewesen sein, dass er versucht habe, auf die Bühne zu steigen und mit den Tänzerinnen zu tanzen. Besonders heikel: Eine weibliche Mitarbeiterin, die Hegseth demnach zurückhalten wollte, habe anschließend eine Beschwerde bei der Gleichstellungsbehörde eingereicht. Laut Bericht sei der Fall später durch eine Zahlung und eine Verschwiegenheitsvereinbarung beigelegt worden. Sollten diese Vorwürfe zutreffen, würde das nicht nur ein schlechtes Licht auf Hegseths Führungsstil werfen, sondern auch auf das Arbeitsumfeld, das ihm damals zugeschrieben wurde.

Hegseth-Mutter bezeichnet Sohn als "Frauenmisshandler"

Ein Moment der Anhörung sticht besonders hervor, weil er über politische Kritik weit hinausgeht. Senator Kaine sprach nämlich auch einen Brief an, den Hegseths Mutter laut der "New York Times" Ende 2024 an ihren Sohn geschrieben haben soll. Darin soll sie ihn als "Frauenmisshandler" bezeichnet haben. Allein dieser Vorwurf wiegt schwer. Noch schwerer wirkt allerdings, dass er nicht von einem politischen Gegner oder anonymen Informanten stammen soll, sondern aus dem engsten familiären Umfeld. Dass Kaine diese Passage im Hearing direkt aufgriff, machte die Szene besonders demütigend. Denn plötzlich stand nicht mehr nur politische Verantwortung im Raum, sondern auch eine sehr persönliche Frage: Was sagt es über einen Spitzenpolitiker aus, wenn selbst seine Mutter ihn so beschreibt?

Berichte über sexistische Kultur bei Veteranenorganisation

Die Vorwürfe gegen Hegseth beschränken sich nicht auf einzelne Ausraster oder peinliche Vorfälle. Der "New Yorker" berichtete 2024 auch über ein angeblich systematisches Problem während seiner Zeit bei der CVA. Demnach soll Hegseth zwischen 2013 und 2016 eine Kultur des Sexismus gefördert haben. Laut dem Bericht sollen er und andere Führungskräfte weibliche Mitarbeiterinnen sexuell bedrängt haben. Die Organisation sei laut Schilderungen zu einem "feindseligen und einschüchternden Arbeitsumfeld" geworden. Auch das ist politisch heikel. Denn solche Vorwürfe betreffen nicht bloß das Privatverhalten, sondern direkt die Frage, wie Hegseth mit Macht, Verantwortung und Untergebenen umgeht.

Zusätzlichen Zündstoff bekommen die alten Vorwürfe durch Berichte über Hegseths frühere Karriere. Er soll nicht nur bei Concerned Veterans for America, sondern auch zuvor bei Veterans for Freedom aus Führungspositionen gedrängt worden sein. Bei letzterer Organisation soll er laut Berichten außerdem erhebliche Schulden hinterlassen haben. Für Kritiker ergibt sich daraus ein Muster: Nicht nur einzelne Eskapaden, sondern wiederholte Probleme mit Führung, Kontrolle und Verhalten. Genau deshalb wirkt das wieder aufgetauchte Video nun für viele Beobachter nicht wie ein isolierter peinlicher Moment, sondern wie ein erneuter Blick auf eine lange Liste offener Fragen.

"Anonyme falsche Vorwürfe": Hegseth weist alles zurück

Während der Anhörung versuchte Hegseth, die Anschuldigungen entschieden zurückzuweisen. Auf die Konfrontation durch Senator Kaine reagierte er mit den Worten: "Senator, anonyme falsche Vorwürfe". Doch genau an diesem Punkt ließ Kaine nicht locker. Er widersprach Hegseth direkt und machte deutlich, dass die Vorwürfe seiner Darstellung nach eben nicht bloß auf anonymem Hörensagen beruhen würden. Wörtlich erwiderte der Senator: "Behaupten Sie nicht, das sei irgendeine anonyme Pressesache". Kaine betonte zudem, dass Unterlagen mit konkreten Namen eingesehen worden seien. Darunter laut seiner Aussage auch der Name von Hegseths eigener Mutter.

Trotz aller Vorwürfe machte Trump ihn zum Verteidigungsminister

Besonders bemerkenswert ist der politische Endpunkt dieser Geschichte: Trotz all dieser Vorwürfe wurde Pete Hegseth später von Donald Trump zum US-Verteidigungsminister ernannt. Genau das sorgt nun dafür, dass das alte Video mehr ist als bloß ein peinlicher Archivfund. Es wirft eine viel größere Frage auf: Wie schwer wiegen solche Vorwürfe, wenn jemand später eines der wichtigsten Sicherheitsämter der Welt übernimmt? Für Trumps Kritiker ist die Antwort klar. Für seine Unterstützer ist das Video dagegen vor allem ein alter politischer Angriff, der jetzt erneut hochgezogen wird.

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