Viktor Orbán: Pipeline-Anschlag inszeniert? Sprengstoff-Fund bringt Ungarn vor Wahl in Aufruhr
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán macht die Ukraine für einen möglichen Sabotageversuch an einer Gaspipeline verantwortlich. Bild: picture alliance/dpa | Markus Lenhardt
Erstellt von Martin Gottschling
06.04.2026 11.54
- Serbien meldet Ungarn Sprengstoff-Fund an wichtiger Gaspipeline
- Viktor Orbán spricht von möglichem Sabotageversuch durch die Ukraine
- Opposition wittert hingegen ein geplantes Täuschungsmanöver des ungarischen Regierungschefs vor den Parlamentswahlen
Ist es Sabotage oder nur ein perfider Wahlkampftrick von Regierungschef Viktor Orbán? Rund eine Woche vor den Parlamentswahlen in Ungarn am 12. April meldet Serbien den Fund von Sprengstoff an der für den Gastransport genutzten Balkan-Stream-Pipeline. Während Orbán den Verdacht auf die Ukraine lenkt, wittern seine politischen Gegner ein Täuschungsmanöver.
Sprengstoff an Balkan-Stream-Pipeline entdeckt: Viktor Orbán beschuldigt die Ukraine der Sabotage
Laut dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic wurden an einer Pumpstation bei der Ortschaft Velebit nahe der ungarischen Grenze "Sprengstoff in verheerende Kraft" sowie dazugehörige Zündschnüre gefunden.Orbán berief daraufhin am Ostersonntag eine Sondersitzung des nationalen Verteidigungsrats in Budapest ein. Nach dem Treffen ließen der Regierungschef und Außenminister Péter Szijjártó durchblicken, dass sie die Ukraine hinter dem mutmaßlichen Sabotageversuch vermuten. Die Pipeline transportiert russisches Erdgas über die Türkei, Bulgarien und Serbien nach Ungarn.
Ungarns Regierungschef erhebt schwere Vorwürfe gegen Kiew
In einer Videoansprache auf Facebook erhob der ungarische Regierungschef schwere Vorwürfe gegen Kiew: "Die Ukraine arbeitet seit Jahren daran, Europa von der Gasversorgung (aus Russland) abzuschneiden." Dabei verwies er auf die Zerstörung der Nord-Stream-Pipeline sowie auf die Blockade der Druschba-Ölleitung an. Außerdem greife laut Orbán das ukrainische Militär regelmäßig den russischen Abschnitt der Turkstream-Pipeline an, deren Fortsetzung der Balkan Stream ist. Kiew weist die Vorwürfe zurück.
Die Balkan-Stream-Leitung bezeichnete Orbán als "lebenswichtig" für sein Land, da sie 60 Prozent des ungarischen Erdgasbedarfs decke. Ungarn werde den militärischen Schutz des auf eigenem Territorium verlaufenden Abschnitts nun verstärken.
Oppositionsführer wittert Wahlkampftrick von Viktor Orbán
Der Oppositionsführer und Spitzenkandidat der Partei Tisza, Péter Magyar, reagierte umgehend mit scharfer Kritik. Er forderte Orbán auf, "mit der Panikmache und dem Stiften von Verwirrung aufzuhören". Magyar erklärte, er habe bereits seit Wochen Hinweise erhalten, dass "zufällig" eine Woche vor der Parlamentswahl am 12. April solche Aktionen geplant seien.
Der Herausforderer vermutet hinter dem Vorfall eine klassische "False-Flag"-Operation. Sollte Orbán den Sprengstoff-Fund für Wahlkampfpropaganda nutzen, käme dies einem Eingeständnis gleich, dass die Aktion inszeniert sei. Magyar beschuldigte "russische Berater", die Operation geplant zu haben. Auch ungarische Investigativjournalisten hatten laut "Bild" bereits Ende Februar den Verdacht geäußert, dass es Orbáns Plan sei, den Notstand auszurufen und somit die Wahl zu verschieben. Orbán fiel in den vergangenen Monaten immer wieder durch Kritik an den EU-Hilfen für die Ukraine auf und kämpft mit diesem Thema um Wählerstimmen.
Pipeline-Anschlag inszeniert? Serbien spricht von "Desinformation"
Der Direktor des serbischen Militärgeheimdienstes, Djuro Jovanic, wies die Anschuldigungen einer inszenierten Aktion entschieden zurück. Er bezeichnete entsprechende Behauptungen als Desinformation und betonte, die serbische Armee sei nicht an einer Operation unter falscher Flagge beteiligt.
Nach Angaben von Jovanic deuten Hinweise darauf hin, dass der gefundene Sprengstoff in den USA hergestellt wurde. Die Ermittler fahnden demnach nach einem militärisch ausgebildeten Verdächtigen, der einer Migrantengruppe angehören soll. Diese Person habe den Anschlag auf die Pipeline geplant, so der Geheimdienstchef gegenüber serbischen Medien.
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