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Tochter von Kim Jong-un: Mit 13 schon im Panzer - wird sie Nordkoreas nächste Herrscherin?

Zusammen mit seiner Tochter Kim Ju-ae fährt Kim Jong mit einem Panzer auf einem militärischen Ausbildungsstützpunkt. Bild: picture alliance/dpa/KCNA/KNS | Uncredited

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  • Kim Ju-ae rückt immer stärker ins Zentrum der Machtinszenierung in Nordkorea
  • Ein Experte hält eine Führungsrolle für sehr wahrscheinlich – ob sie wirklich Nachfolgerin wird, ist aber noch offen
  • Das Kim-Regime funktioniert wie ein Familienkonzern, in dem Verwandte Schlüsselrollen übernehmen

Kim Ju-ae, die Tochter des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, tritt immer häufiger ins Rampenlicht. Zuletzt saß sie gemeinsam mit ihrem Vater am Steuer eines Panzers – ein Auftritt, der weit über reine Symbolik hinausgeht. "Sie ist einen Panzer gefahren [...], also gar nicht mehr die Tochter im Hintergrund", ordnet der Ostasienexperte Rüdiger Frank im Interview ein.

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Kim Ju-ae: Was man über die Tochter des Nordkorea-Diktators weiß

Nach Einschätzung des Nordkorea-Kenners deutet vieles darauf hin, dass die junge Frau für eine Führungsposition vorgesehen ist. "Es scheint sicher zu sein, dass sie eine Führungsrolle im Regime spielen soll", so Frank gegenüber "Focus Online". Ob sie tatsächlich zur Nachfolgerin aufsteigt, bleibt jedoch offen.

Über die Tochter des Diktators existieren nur wenige verlässliche Informationen. "Wir wissen relativ wenig über sie", räumt Frank ein. Sogar grundlegende Fakten bleiben im Dunkeln: Den Namen der jungen Frau kennt die Welt nur durch den ehemaligen US-Basketballstar Dennis Rodman, der Kim Jong-un 2013 persönlich traf. Ob diese Angabe stimmt, ist fraglich – der Experte bezweifelt, dass Rodman überhaupt Koreanisch beherrscht. Das Alter der Tochter wird auf 13 bis 14 Jahre geschätzt. Eine offizielle Ernennung zur Nachfolgerin steht noch aus. "Ob die Tochter seine Nachfolgerin wird – es ist denkbar", erklärt Frank, "wird aber erst dann klar, wenn er sie offiziell dazu erklärt hat." Ein solcher Schritt würde voraussichtlich auf einem Parteitag verkündet werden.

Nordkorea funktioniert wie ein Familienunternehmen

Die Machtverteilung in Pjöngjang folgt einem klaren Muster. "Es gibt nur einen, der an der Spitze steht. Und dann kommt ganz lange erst mal überhaupt nichts", betont Frank. Das Regime gleiche einem "großen Familienkonzern", in dem Vertrauenspersonen aus der eigenen Verwandtschaft strategische Posten besetzen. Kim Yo-Jong, die Schwester des Diktators, nimmt dabei eine besondere Funktion ein. Sie gilt als "rechte Hand" und "Assistentin" ihres Bruders. Ihre Aufgabe: "Sie kann [...] die etwas schärfer formulierten Nachrichten nach außen propagieren", während Kim Jong-un selbst gemäßigter auftritt.

Klare Hierarchie statt Machtkampf

Einen Konkurrenzkampf zwischen der Tochter und der Schwester des Diktators sieht der Experte nicht. "Ich sehe definitiv keine Konkurrenz", stellt Frank klar, "sondern [...] eine Kooperation, wo die Hierarchie ganz eindeutig geregelt ist." Beide Frauen erfüllen unterschiedliche Funktionen innerhalb des Systems. Die Besetzung wichtiger Positionen mit Familienangehörigen folgt einer bewährten Strategie. Schlüsselrollen werden gezielt an "vertrauenswürdige Familienmitglieder" vergeben. So sichert das Regime die Loyalität an der Spitze und minimiert das Risiko interner Machtkämpfe.

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