Wladimir Putin: "Gespräche nach Moskau telegrafiert" - Putin-Insiderin mit neuem Top-Job in Europa
Eine Putin-Insiderin soll die Wahlen in Ungarn überwachen. Bild: picture alliance/dpa/Kremlin Poo/Planet Pix via ZUMA Press Wire | Vyacheslav Prokofyev
Erstellt von Tobias Rüster
20.03.2026 11.52
- Wladimir Putin: Kreml-Insiderin mit neuem Top-Job in Europa
- Wirbel um neuen Posten für Putin-Vertraute
- Ex-Putin-Übersetzerin gilt in Polen als Sicherheitsrisiko
- Geheimdienst-Experte warnt: Höchste Sicherheitsfreigabe als Putin-Dolmetscherin
Bei hochrangigen Zusammenkünften zwischen Wladimir Putin und den amerikanischen Präsidenten Donald Trump sowie Barack Obama fungierte Daria Bojarskaja als Dolmetscherin für den Kremlchef. Nun übernimmt die frühere Mitarbeiterin des russischen Regierungschefs eine zentrale Funktion bei der Überprüfung der anstehenden Parlamentswahlen in Ungarn.
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Wladimir Putin: Kreml-Insiderin mit neuem Top-Job in Europa
Die gebürtige Russin koordiniert laut Bericht des britischen "Guardian" die Wahlbeobachtungsmission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa für die Abstimmung im April. Bereits seit geraumer Zeit arbeitet Bojarskaja als Beraterin für die in Wien ansässige OSZE. Ihre aktuelle Aufgabe besteht in der organisatorischen Vorbereitung der Beobachtermission, die später von Parlamentariern aus den OSZE-Mitgliedstaaten durchgeführt wird. In Budapest führte sie nach vorliegenden Informationen bereits Gespräche mit Vertretern von Menschenrechtsgruppen.
Wirbel um neuen Posten für Putin-Vertraute
Die Beteiligung der früheren Kreml-Angestellten an vertraulichen Zusammenkünften mit ungarischen Bürgerrechtsaktivisten löst erhebliche Sicherheitssorgen aus. Márta Pardavi vom Helsinki-Komitee wandte sich Anfang März in einem Schreiben an mehrere OSZE-Funktionäre und äußerte ihre Bedenken.
- In derartigen Besprechungen würden häufig äußerst sensible Details über politische Einflussnahme, Gefahren der Wahlfälschung sowie Gefährdungen von Menschenrechtsaktivisten und Journalisten erörtert, erklärte die Vorsitzende der ungarischen Menschenrechtsgruppe.
- Bereits die Vermutung, dass feindlich gesinnte ausländische Kräfte Zugriff auf vertrauliche Unterredungen erhalten könnten, würde Menschenrechtsverteidiger davon abhalten, sich offen zu äußern.
- Gegenüber der österreichischen Zeitung "Falter" formulierte Pardavi ihre Befürchtung noch direkter: "Wir müssen davon ausgehen, dass der Inhalt unserer Gespräche direkt nach Moskau telegrafiert wurde und wird."
Ex-Putin-Übersetzerin gilt in Polen als Sicherheitsrisiko
Die Führung der OSZE weist die Vorwürfe entschieden von sich.
- Roberto Montella, italienischer Generalsekretär der OSZE-Parlamentarischen Versammlung, bezeichnete das Schreiben der ungarischen Menschenrechtsorganisation in seiner Antwort als von verleumderischem Charakter. Er habe Bojarskaja persönlich für die Ungarn-Mission ausgewählt und bringe ihr sein volles Vertrauen entgegen. Eine unabhängige Prüfung im Jahr 2023 habe keinerlei Hinweise auf Fehlverhalten ergeben.
Polen hingegen stuft die OSZE-Mitarbeiterin als Sicherheitsrisiko ein.
- Vor der Parlamentarischen Versammlung in Łódź im Jahr 2022 erklärte Warschau Bojarskaja zur unerwünschten Person. Ihr Aufenthalt auf polnischem Hoheitsgebiet stelle eine Gefahr für die Staatssicherheit dar, lautete die offizielle Begründung.
Bojarskaja selbst betont in einer schriftlichen Stellungnahme, sich streng an die OSZE-Regularien zu halten. Diese untersagten allen Beschäftigten ausdrücklich, Weisungen ihrer Herkunftsländer zu befolgen. Ihre Bezahlung erfolge direkt durch die Organisation.
Geheimdienst-Experte warnt: Höchste Sicherheitsfreigabe als Putin-Dolmetscherin
Der auf russische Geheimdienste spezialisierte Autor Andrei Soldatow hält Kontaktaufnahmen durch russische Nachrichtendienste mit Bojarskaja für möglich. Wegen ihrer Tätigkeit als Dolmetscherin für Putin sei sie mit großer Wahrscheinlichkeit von den Sicherheitsbehörden überprüft worden, erläuterte der Experte gegenüber dem "Guardian".
Bei einem derart direkten Zugang zum russischen Staatschef müsse eine Person über die höchstmögliche Sicherheitsfreigabe verfügen. Dies schließe üblicherweise auch ein Bewusstsein dafür ein, welche Anforderungen die Geheimdienste gegebenenfalls stellen könnten, führte Soldatow aus.
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