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Spritpreis-Schock in Deutschland: Experten kritisieren "Steuer auf Steuer" - zockt der Staat den Bürger ab?

Kassiert der Staat bei Kraftstoffen unnötig ab? Bild: AdobeStock / Dangubic

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  • Rekordpreise: Autofahrer zahlen teilweise über 2,50 Euro pro Liter.
  • Vorwurf: Experten kritisieren eine doppelte Besteuerung durch Mehrwertsteuer auf die CO₂-Abgabe.
  • Streit unter Fachleuten: Während einige Entlastung fordern, halten andere die Praxis für korrekt.

Die Kraftstoffpreise in Deutschland haben ein schmerzhaftes Niveau erreicht. Seit über zwei Wochen zahlen Autofahrer an den Zapfsäulen teilweise mehr als 2,50 Euro pro Liter – Auslöser sind die massiv gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs.

Steuerabzocke beim Spritpreis? Ökonom fordert Streichung der Mehrwertsteuer auf CO₂-Abgabe

Doch Fachleute erheben schwere Vorwürfe gegen den Staat: Die Spritkosten würden durch eine fehlerhafte Steuerberechnung künstlich in die Höhe getrieben. Im Zentrum der Kritik steht die Mehrwertsteuer auf die CO₂-Abgabe. Diese beläuft sich derzeit auf rund 13 Cent je Liter Benzin. Darauf werden zusätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig – etwa 2,5 Cent pro Liter. Wirtschaftsexperten und Steuerzahlervertreter sprechen von einer unzulässigen Doppelbesteuerung und fordern Entlastung für die Verbraucher.

Der Bayreuther Wirtschaftsprofessor David Stadelmann vertritt eine ungewöhnliche These: Die CO₂-Abgabe bewirke, dass deutsche Autofahrer weniger tanken und damit einen Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten. Diese "Exportleistung" müsse nach seiner Auffassung mehrwertsteuerfrei bleiben. "Konsequent gedacht müsste die Mehrwertsteuer auf die CO₂-Abgabe entfallen", erklärte er gegenüber "Bild". Das Gleiche gelte für Heizöl und Erdgas. Steuerzahler-Präsident Reiner Holznagel schließt sich der Kritik an. "Steuer auf Steuer geht gar nicht", monierte er. Diese Doppelbesteuerung müsse der Staat dringend beenden. Ein schneller Weg, um Autofahrer beim Tanken zu entlasten.

Wirtschaftsweise widerspricht: Steuerpraxis ist korrekt

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht die Sache anders. Die Mehrwertsteuer sei als allgemeine Verbrauchssteuer konzipiert und beziehe sich auf den kompletten Endpreis eines Produkts, erklärte sie gegenüber "Bild". Staatliche Abgaben wie der CO₂-Preis würden daher zu Recht in die Berechnung einfließen. Die Kontroverse um vermeintliche Doppelbesteuerung ist nicht neu. Bereits 2022 entbrannte eine ähnliche Diskussion, als nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die Spritpreise ebenfalls auf über 2,50 Euro pro Liter kletterten. Schon damals gingen die Expertenmeinungen zu diesem Thema auseinander.

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/gom/news.de

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