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Wladimir Putin völlig paranoid?: Internet-Ausfälle in Moskau - Kremlchef fürchtet Putsch durch einstigen Verbündeten

Wladimir Putin fürchtet angeblich einen Putschversuch aus den Reihen eines ehemaligen Verbündeten. Bild: picture alliance/dpa/Pool AP | Pavel Bednyakov

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  • Gerüchte über Putschangst: Kremlchef Wladimir Putin soll laut einem Kanal einen Umsturz aus dem Umfeld von Sergei Schoigu befürchten.
  • Internetstörungen in Moskau: Verbindungen im Zentrum der Hauptstadt sollen rund um Sicherheits- und Militärstandorte gestört worden sein.
  • Säuberungen im Umfeld Schoigus: Mehrere Vertraute des früheren Verteidigungsministers wurden zuletzt festgenommen oder angeklagt.

Brisante Gerüchte machen derzeit in Moskau die Runde: Demnach soll Wladimir Putin massive Angst vor einem möglichen Putschversuch aus den Reihen seines ehemaligen Verbündeten Sergei Schoigu haben. Der Kanal VChK-OGPU berichtet von einer regelrechten Paranoia des Kremlchefs. Um einen Umsturz zu verhindern, soll Putin sogar das Internet im Zentrum von Moskau lahmgelegt haben.

Wladimir Putin fürchtet Putschversuche

"Der Kreml fürchtet einen Putschversuch durch Sergei Schoigus Clan", zitiert der britische "Daily tar" den Kanal VChK-OGPU. Zwar räume dieser ein, dass diese Theorie "weit hergeholt" erscheine, jedoch sei auffällig, dass Schoigu seit dem 5. März nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen wurde. Diese angebliche Besorgnis habe das Regime dazu veranlasst, die Internetverbindungen im Zentrum der russischen Hauptstadt massiv zu stören. Betroffen seien insbesondere Gebiete rund um wichtige Sicherheits- und Militäreinrichtungen.

Schoigu galt lange Zeit als einer der engsten Vertrauten des russischen Präsidenten. Die beiden verbrachten gemeinsam Urlaube in Sibirien und pflegten ein enges Verhältnis. Doch diese Zeiten sind vorbei. Im Mai 2024 wurde der langjährige Verteidigungsminister von seinem Posten entfernt. Putin übertrug ihm stattdessen den Vorsitz des Sicherheitsrats – formal ebenfalls eine einflussreiche Position. Schoigu hält einen bemerkenswerten Rekord: Er ist der am längsten dienende hochrangige Beamte der russischen Regierung, erstmals ernannt bereits 1991 – und damit sogar länger im Amt als Putin selbst. Das Verhältnis zwischen beiden hat sich zuletzt jedoch drastisch verschlechtert. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt am 5. März besuchte Schoigu verwundete Soldaten in einem Rehabilitationszentrum. Videoaufnahmen zeigen ihn dabei sichtlich angespannt und gealtert.

Säuberungswelle trifft Schoigus engsten Kreis

In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Vertraute des früheren Verteidigungsministers festgenommen, angeklagt oder inhaftiert. Die Vorwürfe lauten stets auf Korruption und Veruntreuung. Jüngster Fall ist der ehemalige Vize-Verteidigungsminister Ruslan Tsalikow, 69 Jahre alt. Ihm wird vorgeworfen, ein Familienvermögen von umgerechnet fast 50 Millionen Pfund durch illegale Machenschaften angehäuft zu haben. Laut VChK-OGPU ging seiner Festnahme ein "wahnsinniger Machtkampf an der Spitze" voraus. "Der Versuch, Tsalikow, den engsten Freund und Mitarbeiter des Ex-Verteidigungsministers, nach Lefortowo zu schicken, wurde von einer Art irrsinnigem Kampf in der Führungsebene begleitet", zitiert der Kanal eine Quelle. Letztlich kam Tsalikow nicht ins Gefängnis, sondern lediglich unter Hausarrest. Der nächste nach ihm könnte Schoigu selbst sein.

Gezielte Blockaden bei Geheimdienst und Spezialeinheiten

Die Kommunikationsstörungen treffen offenbar nicht zufällig bestimmte Orte. Laut einem Insider erstrecken sich die Internet- und VPN-Blockaden auf die FSB-Zentrale in der Lubjanka, die Präsidialverwaltung, den Sicherheitsrat sowie das VIP-Hochhausviertel Moskau-City. Auch Spezialeinheiten des Verteidigungsministeriums und des FSB seien betroffen – darunter die Elite-Kommandos Alpha und Wympel. "Neben dem Zentrum wird die Kommunikation dort gestört, wo sich Einrichtungen der Sicherheitsbehörden oder Wohnungen von Sicherheitsbeamten befinden", berichtete VChK-OGPU. Eine ähnliche Situation habe es während des gescheiterten Putschversuchs von Jewgeni Prigoschin im Juni 2023 gegeben. Moskauer Geschäftsleute reagieren empört auf die anhaltenden Störungen. Restaurants können keine Reservierungen mehr annehmen. "Es herrscht Chaos", klagte ein Einzelhändler.

Rücktritt gegen Straffreiheit?

Schoigu könnte nach Einschätzung von Beobachtern ein Angebot erhalten: freiwilliger Verzicht auf seinen Posten im Sicherheitsrat im Austausch für Immunität. Der Kreml-Kommentator Andrej Perzew warnt jedoch: "Solche Garantien sind in der russischen Praxis selten verlässlich." Die Gründlichkeit der Säuberungen gegen Schoigus Netzwerk zeige deutlich, wie stark die internen Konflikte innerhalb der Machtvertikale eskaliert seien, so Perzew weiter. Trotz allem behalte Schoigu weiterhin erheblichen Einfluss – sowohl in den höchsten Machtebenen als auch bei den Geheimdiensten und im Verteidigungsministerium. Die Entwicklungen fallen in eine kritische Phase: An der Front verzeichnet die Ukraine erstmals seit Jahren wieder territoriale Gewinne. Gleichzeitig prognostizieren Experten wirtschaftliche Turbulenzen für Russland nach vier Jahren Krieg mit geschätzten 1,3 Millionen toten und verwundeten Soldaten.

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/sfx/news.de/stg

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