Politik

Während Krankenkassenbeiträge explodieren: Krankenkassen-Chefs kassieren mit Lohn-Plus und Bonuszahlungen ab

Die gesetzliche Krankenversicherung steckt in der Finanzklemme, Versicherte müssen immer tiefer in die Tasche greifen – doch für die Chefetagen der Krankenkassen scheint das Geld locker zu sitzen. Bild: picture alliance/dpa/GKV-Spitzenverband | ---

  • Artikel teilen:
  • Deutschlands Krankenkassen vermelden 3,5 Milliarden Euro Überschuss - Zusatzbeiträge steigen weiter
  • Beitragserhöhungen für gesetzlich Versicherte, während Krankenkassen-Chefs mit Boni abkassieren
  • Bericht über mehr Lohn und Bonuszahlungen für Krankenkassen-Bosse veröffentlicht

Kein Jahr vergeht, ohne dass die gesetzlichen Krankenkassen die Beiträge zum Leidwesen ihrer Versicherungsnehmerinnen und -nehmer erhöhen - doch wofür werden die zusätzlich erhobenen Krankenkassenbeiträge wirklich aufgewendet? Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung bestätigte unlängst, dass Deutschlands gesetzliche Krankenkassen das Jahr 2025 mit einem Überschuss von 3,5 Milliarden Euro abgeschlossen haben. Ein Bericht der "Bild" legt nun offen, dass sich die Chefetagen der Krankenversicherungen ebenfalls ein üppiges Lohnplus und rekordverdächtige Bonuszahlungen gönnen.

Krankenkassen-Chefs kassieren Lohn-Plus und Bonuszahlungen, während Beiträge steigen

Die Anfang März 2026 veröffentlichten Bezüge-Mitteilungen zeigen: Zahlreiche Kassenvorstände erhielten im Jahr 2025 satte Gehaltserhöhungen, üppige Bonuszahlungen und teils sechsstellige Summen für ihre Altersvorsorge. Der Kontrast könnte kaum größer sein: Während 42 von 93 gesetzlichen Krankenkassen zum Jahreswechsel ihre Zusatzbeiträge anhoben und Gesundheitsministerin Nina Warken eine Kommission beauftragt hat, Einsparpotenziale von rund 25 Milliarden Euro zu identifizieren, kassierten die Führungskräfte kräftig ab. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag kletterte von 1,3 Prozent im Jahr 2022 auf mittlerweile 2,9 Prozent – eine Belastung, die Millionen Versicherte direkt im Portemonnaie spüren.

Beitrags-Hammer für Versicherte, Geldregen für die Krankenkassen-Chefetagen

Den größten Zuwachs bei den Bezügen verzeichnete der "Bild" zufolge Christine Enenkel, die neue Vorstandschefin der Bahn BKK. Ihr Jahresgehalt wuchs um mehr als 16.000 Euro auf 195.000 Euro, hinzu kam erstmals eine Bonuszahlung von knapp 45.000 Euro – macht zusammen ein Plus von rund 61.000 Euro. Pikant: Die Kasse hatte den Zusatzbeitrag im November 2024 um 1,2 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent angehoben. Ähnlich großzügig ging es bei der BIG Direkt Gesund zu. Vorstandschef Peter Kaetsch erhielt 28.750 Euro mehr, sein Stellvertreter Markus Bäumer durfte sich über zusätzliche 24.050 Euro freuen. Der Zusatzbeitrag der Kasse hatte sich derweil von 1,65 auf 3,39 Prozent mehr als verdoppelt. Auch die AOK Baden-Württemberg stockte auf: Vorständin Gordana Marsic bekam 21.000 Euro mehr Gehalt plus einen erstmaligen Bonus von knapp 7.000 Euro – bei gleichzeitiger Beitragserhöhung von 1,6 auf 2,6 Prozent.

Deutschlands Krankenkassen beklagen Geldnot, doch für die Chefs gibt's Boni satt

Neben den Grundgehältern flossen bei vielen Kassen auch üppige Sonderzahlungen. Spitzenreiter war die AOK Niedersachsen: Ihre drei Vorstandsmitglieder strichen Boni zwischen 38.381 und 62.576 Euro ein – obwohl die Versicherten zeitgleich eine Erhöhung des Zusatzbeitrags von 1,5 auf 2,7 Prozent verkraften mussten. Bei der AOK Hessen summierten sich die Bonuszahlungen für das Führungstrio auf stolze 159.767 Euro. Der Zusatzbeitrag war dort von 1,6 auf 2,49 Prozent geklettert. Die AOK Plus, zuständig für Sachsen und Thüringen, überwies ihren beiden Vorständen jeweils über 50.000 Euro extra – bei einer Beitragserhöhung von 1,8 auf 3,1 Prozent. Auch bei der Siemens BKK gab es für den Vorstandschef einen Bonus von knapp 48.000 Euro, während die Mitglieder einen Anstieg des Zusatzbeitrags von 1,7 auf 2,9 Prozent hinnehmen mussten.

Bericht enthüllt: So viel Geld stecken die Krankenkassen in die Altersvorsorge ihrer Bosse

Neben Gehältern und Boni fließen bei fast allen Krankenkassen auch beträchtliche Summen in die Altersversorgung der Führungskräfte. Die höchsten Zahlungen leistet der AOK-Bundesverband: Vorstandschefin Dr. Carola Reimann erhielt zusätzlich zu ihrem Jahresgehalt von 319.400 Euro noch 121.241 Euro für die Altersvorsorge. Ihr Stellvertreter Jens Martin Hoyer bekam neben 297.400 Euro Gehalt weitere 93.994 Euro fürs Alter obendrauf. Bei der AOK Rheinland-Hamburg bewegten sich die Zusatzzahlungen für die Altersversorgung zwischen 78.392 und 97.964 Euro. Die IKK classic legte ihrem Vorstandschef 71.601 Euro extra aufs Gehalt, die AOK Niedersachsen zahlte ihren drei Chefs zwischen 38.173 und 64.569 Euro. Weitere fünfstellige Beträge gab es bei der AOK Rheinland-Pfalz-Saarland mit 58.791 Euro, der AOK Sachsen-Anhalt mit 58.638 Euro sowie der IKK Brandenburg Berlin mit 61.156 Euro.

Milliardenlücke zwingt gesetzliche Krankenkassen zum Sparen

Die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung bleibt prekär. Im vergangenen Jahr stiegen die Ausgaben um 7,9 Prozent, während die beitragspflichtigen Einnahmen nur um 5,3 Prozent zulegten. Ohne die Beitragserhöhungen zum Jahreswechsel 2024/2025 hätten die Kassen ihre Kosten nicht decken können, warnt der GKV-Spitzenverband.

Gesundheitsministerin Nina Warken will gegensteuern: "Mein Ziel ist, den Zusatzbeitrag mindestens stabil zu halten. Diesen Spardruck brauchen wir", erklärte die CDU-Politikerin gegenüber "Politico". Eine von ihr eingesetzte Kommission soll Einsparmöglichkeiten von rund 25 Milliarden Euro aufzeigen – die Vorschläge werden Ende März erwartet.

Für 2027 rechnet das Bundesgesundheitsministerium mit Defiziten in zweistelliger Milliardenhöhe. Der GKV-Spitzenverband sieht "null Grund zur Entwarnung" und fordert strukturelle Reformen, um die Kostenexplosion im Gesundheitswesen einzudämmen.

Hier lesen Sie mehr aktuelle Nachrichten zur aktuellen Gesundheitspolitik:

/news.de/dpa/stg

Themen

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.