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Wladimir Putin: Soldaten dank Kreml-Chef in der Klemme - "Wie sollen wir kämpfen? Mit Tauben?"

Wladimir Putin schadet mit der Drosselung von Telegram seinen Truppen an der Front. Bild: dpa/Sputnik/Aleksey Nikolskyi

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  • Wladimir Putin drosselt Telegram-Dienst für russische Soldaten
  • Netz-Verbindung durch Starlink-Ausfall kommt in Russland nahezu zum Erliegen
  • Russen-Soldaten wehren sich gegen Putin: So schadet der Kreml-Chef nur sich selbst
  • Selbst Putin-Propagandist Solowjow wendet sich ab

Die russische Kommunikationsbehörde Roskomnadzor hat diese Woche neue Beschränkungen für den Messenger-Dienst Telegram angekündigt – und löst damit massive Kritik aus den eigenen Reihen aus. Militärblogger warnen eindringlich: Die Drosselung gefährde die Kommunikation russischer Truppen in der Ukraine erheblich. Gefährdet Wladimir Putin damit seine eigenen Front-Erfolge?

Wie unter anderem der britische "Daily Star" berichtet, könnte das Timing kaum ungünstiger sein. Nachdem der Zugang zu Starlink bereits gekappt wurde, gilt Telegram als letztes zuverlässiges Kommunikationsmittel für Soldaten an der Front.

Frust bei den russischen Truppen dank Putin: Sollen sie mit Brieftauben kämpfen?

Der russische Propagandist Ivan Utenkov brachte die Frustration auf den Punkt: "Die Front steht unter Schock... Starlinks sind tot, Telegram wird gedrosselt – wie sollen wir kämpfen? Mit Brieftauben?"

Die Behörden begründen die Maßnahme damit, dass Telegram sich weigere, russische Gesetze einzuhalten. Doch selbst kremltreue Stimmen zweifeln öffentlich am Sinn dieser Entscheidung.

Putins Chefpropagandist bangt um seine Reichweite

Die Telegram-Drosselung trifft auch Wladimir Solowjow hart. Der einflussreichste Propagandist des Kremls verzeichnete bei seiner Radiosendung "Full Contact" einen Einbruch der Zuschauerzahlen um mehrere Tausend und verlor bereits 300.000 Abonnenten.

In seiner jüngsten Sendung sprach Solowjow offen über seine Kommunikationsprobleme und fragte, welches "Instrument" ihm noch bleibe, um seine Botschaften zu verbreiten. Ohne Putin direkt zu kritisieren, äußerte er Sorgen über die Auswirkungen an der Front: "Meine Kommunikation mit vielen Menschen an den Frontlinien läuft über Telegram. Ich frage mich, ob sie diese Verlangsamung, diese Einschränkungen spüren?"

Der Propagandist hofft auf eine Ausnahme für das Militär: "Ich hoffe, dass wir es dort vielleicht nicht drosseln. Nur hier, aber nicht dort. Das wäre gut."

Wladimir Putin: "Wie Selbstschuss ins eigene Bein"

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow behauptet, Fronttruppen würden Telegram kaum für ihre Kommunikation nutzen. Doch Soldaten widersprechen dieser Darstellung vehement.

Ein russischer Freiwilliger mit dem Rufnamen "Dreizehnter" wandte sich direkt an Peskow: "Als Soldat und Teilnehmer der speziellen Militäroperation sage ich Ihnen die Wahrheit." Über Telegram liefen nicht nur Kommunikation und Gefechtsführung, sondern auch Logistik, Spendensammlungen und humanitäre Hilfslieferungen.

Besonders brisant: Selbst Artillerie-Feuerkoordinierung werde teilweise über den Messenger abgewickelt. "Telegram zu blockieren ist wie sich selbst ins Bein zu schießen, um aufzuwachen", so der Freiwillige laut "Kyiv Post".

Die Kritik zeigt einen seltenen offenen Widerspruch zwischen Militärangehörigen und der offiziellen Kreml-Linie.

Kreml-Sprecher widerspricht den eigenen Soldaten

Peskows Position verdeutlicht die wachsende Kluft zwischen offizieller Kreml-Rhetorik und den tatsächlichen Bedingungen an der Front. Während Moskau die Probleme kleinredet, warnen jene, die täglich kämpfen, vor gravierenden Konsequenzen für die eigene Einsatzfähigkeit.

Moskaus systematischer Griff nach dem Internet

Die Telegram-Drosselung reiht sich in eine umfassende Strategie zur Kontrolle des russischen Internets ein. Unter Putin haben die Behörden bereits Twitter, Facebook und Instagram gesperrt sowie YouTube massiv eingeschränkt. Auch die Messenger Signal und Viber wurden blockiert, Videoanrufe über WhatsApp und Telegram verboten. Im Dezember traf es Apples FaceTime-Dienst.

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