Superwahljahr: Vorwurf Vetternwirtschaft - AfD im Krisenmodus
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Erstellt von Sarah Knauth
11.02.2026 14.18
Die AfD gerät mitten im Superwahljahr in den Krisenmodus. Mehrere Vorgänge, die sich zum Teil auf Landes-, zum Teil auf Bundesebene abspielen, sorgen für Unruhe in der Partei, weil sie das Potenzial haben könnten, die Chancen der AfD bei den anstehenden Landtagswahlen zu schmälern.
In Sachsen-Anhalt hat die AfD den Anspruch formuliert, nach der Wahl im September allein regieren zu wollen. Doch nicht nur Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, sondern auch andere einflussreiche AfD-Politiker werden dort der Vetternwirtschaft bezichtigt. Täglich erscheinen neue Berichte. Die Politiker haben demnach Angehörige bei anderen Abgeordneten als Angestellte untergebracht.
100.000 Euro im Jahr?
Siegmunds Vater soll etwa laut Medienberichten mehr als 7.500 Euro monatlich als Mitarbeiter im Bundestagsbüro eines Parteikollegen erhalten haben. Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) rechnete in der RTL/ntv-Sendung "Frühstart" vor, Siegmunds Vater bekomme im Jahr fast 100.000 Euro, "während in Sachsen-Anhalt der Durchschnittslohn bei 36.000 Euro Jahresbrutto liegt". Dies sei nicht nur schlecht für die Demokratie, "sondern es zeigt, dass diejenigen, die Wasser predigen, am Ende Wein saufen", so Müller.
Auf Anfrage teilte Siegmund dazu knapp mit: "Das wird in den nächsten Tagen aufgeklärt werden." AfD-Landeschef Martin Reichardt ist nach dpa-Informationen ebenfalls von den Vorwürfen betroffen. Dessen Frau war bei einem anderen AfD-Bundestagsabgeordneten beschäftigt. Von einem weiteren AfD-Spitzenpolitiker sollen drei Geschwister bei einer Abgeordneten angestellt sein.
Schreiben an den Bundesvorstand
AfD-Parteichef Tino Chrupalla sprach zuletzt bereits von einem Störgefühl. Es handele sich zwar um Verträge, die rechtskräftig und nicht zu beanstanden seien. Aber: "Ein Geschmäckle hat's."
Die AfD Sachsen-Anhalt äußert sich nicht im Detail zu einzelnen Personalien. Zu etwaigen Anstellungsverhältnissen, Vergütungen, Vertragsdetails sowie zu Beziehungsverhältnissen könnten keine Angaben gemacht werden, sagte ein Sprecher. Es handle sich um schützenswerte personenbezogene Daten.
In einem Schreiben haben einzelne Mitglieder den Bundesvorstand aufgefordert, den "Vorwurf der Selbstbedienung" aufzuarbeiten und "die Eskalation sofort zu stoppen". Ein AfD-Bürgermeister schrieb auf der Plattform X, die Vorgänge seien "ein Schlag ins Gesicht für alle Mitglieder, die an der Basis harte Arbeit für unsere Partei leisten".
Brandbrief aus Niedersachsen
Auch aus Niedersachsen erreichte die Bundes-AfD ein Brief, über den "Bild" zuerst berichtet hatte. Darin behaupten Mitglieder der dortigen AfD, die niedersächsische AfD-Spitze und andere benutzten die Partei "als Geschäftsmodell zur dauerhaften persönlichen Bereicherung". Von einem "korrupten System" ist die Rede und einer "Parallelorganisation" - mit AfD-Landesschef Ansgar Schledde an der Spitze - der es darum gehe, "die eigene Macht grenzenlos zu zementieren". Unter dem Brief stehen unter anderem die Namen Anja Arndt (AfD-Europaabgeordnete) und Main Müller.
Schledde bezeichnete Arndt und Müller in der "Ostfriesenzeitung" als "enorm ambitionierte, aber schwierige Charaktere" innerhalb der Niedersachsen-AfD. "Nachdem die beiden sich zusammentaten, wurde es immer absurder." Er wünsche ihnen ein gesundes und erfolgreiches Leben, "doch vielleicht außerhalb unserer Partei".
Der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Dirk Brandes, auch Mitglied im AfD-Bundesvorstand, sprach in "Bild" von "frei erfundenen Storys". "Ich kenne die Vorwürfe von Anja Arndt und Main Müller, kann aber versichern: Das ist alles an den Haaren herbeigezogen!"
Rechter Vordenker Kubitschek: "Aufräumen muss man"
Große Aufmerksamkeit im AfD-Umfeld findet vor diesem Hintergrund ein Beitrag des rechten Vordenkers Götz Kubitschek. Parteien seien so gebaut, dass es zu Bereicherungen, Versorgungsnetzwerken und Begehrlichkeiten komme. Aber eine neue Partei, die eine Alternative sein wolle, müsse dies so lange wie irgend möglich bekämpfen. "Der Schaden ist schon da, die Glaubwürdigkeit hat einen Riss. Tünche reicht nicht, aufräumen muss man", schreibt Kubitschek. Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke teilte den Beitrag bei X.
Auch andere Themen sorgen parteiintern für Unruhe: Wie viel Nähe soll die AfD zu dem vom Verfassungsschutz als Rechtsextremisten eingestuften Vordenker der Identitären Bewegung, Martin Sellner, zulassen? Distanzieren oder nicht? Die Vertreter der Höcke-Strömung kritisieren einen Beschluss des Bundesvorstands, keine Treffen mit dem Österreicher auf AfD-Ticket zu veranstalten. Von "Einknicken" ist die Rede. Die Wehrpflicht und der außenpolitische Kurs der AfD sind weitere Dauerkonfliktthemen.
Politologe: AfD hat treue Stammwählerschaft
Der Chemnitzer Politikwissenschaftler Benjamin Höhne sagte, die AfD stehe auch vor Problemen, die sie gern bei den anderen Parteien kritisiere. Insgesamt kratzten die Vorkommnisse an ihrer politischen Glaubwürdigkeit. Mit Blick auf frühere Skandale müsse sich das aber nicht unbedingt in einen geringeren Zuspruch bei den kommenden Landtagswahlen übersetzen lassen. "Schließlich stützt sich die AfD inzwischen auf eine Stammwählerschaft, die ihrer Partei weitgehend unabhängig von Verfehlungen die Treue hält."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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