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Wladimir Putin: Kremlchef holt Kriegsverbrecher in sein Wahlkampfteam

Wladimir Putin holt einen Kriegsverbrecher auf seine Wahlkampfliste. Bild: picture alliance/dpa/Pool Reuters | Ramil Sitdikov

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  • Putin setzt auf Frontsoldaten: Ein mutmaßlicher Kriegsverbrecher soll Wahlkampf-Gesicht werden.
  • Golovin im Fokus: In Russland als Held gefeiert, in der Ukraine schwer belastet.
  • Signal an die Wähler: Der Kreml setzt weiter auf Krieg statt Reformen.

Wladimir Putin hat den Ex-Marineinfanteristen Vladislav Golovin für eine zentrale Rolle im Wahlkampf der Kreml-Partei Einiges Russland ausgewählt. Wie das russische Nachrichtenportal "RBC" berichtet, soll der 28-Jährige einer von fünf Spitzenkandidaten auf der Bundesliste der Partei werden. Neben Golovin stehen auch der langjährige Kreml-Loyalist Dmitri Medwedew sowie Außenminister Sergej Lawrow auf der Liste. Die Nominierung des 28-Jährigen würde der überalterten russischen Führungsriege frische Energie verleihen, die meisten hochrangigen Politiker befinden sich wie Putin selbst in ihren Siebzigern.

Wladimir Putin macht Kriegsverbrecher zum Gesicht seines Wahlkampfes

Golovin nahm 2022 an der verheerenden Belagerung von Mariupol teil, einer der blutigsten Episoden des Krieges in der Ukraine. In der Ukraine wird er als "Kriegsverbrecher" bezeichnet. Der ehemalige Marineinfanterist diente während des Angriffs auf Mariupol bei der 810. Separaten Garde-Marinebrigade. Ukrainische Geheimdienste werfen ihm vor, die Verschleppung und "Umerziehung" von Kindern aus besetzten Gebieten organisiert zu haben. Die Myrotvorets-Datenbank, die Personen erfasst, denen Verbrechen gegen die Ukraine vorgeworfen werden, bringt Golovin mit Tötungen von Zivilisten während der Belagerung von Mariupol in Verbindung. Auch Putin selbst steht wegen der Zwangsdeportation ukrainischer Kinder nach Russland vor dem Internationalen Strafgerichtshof unter Anklage. Golovin wurde 1997 in Kirow geboren und absolvierte seine Ausbildung zum Eliteoffizier an der Luftlande-Kommandoschule in Rjasan. Bei einer Minenexplosion in der Ukraine verlor er einen Teil seines Fußes.

Golovin: Held in Russland, Kriegsverbrecher in der Ukraine

Die Bewertung Golovins könnte unterschiedlicher kaum sein. Während er in der Ukraine als Kriegsverbrecher gilt, wurde er in seiner Heimat mit der höchsten staatlichen Auszeichnung geehrt. Putin verlieh ihm im Oktober 2022 persönlich den Titel "Held Russlands" – trotz der schweren Anschuldigungen aus Kiew. Der Kreml-Chef ignorierte sämtliche Vorwürfe und rückte den jungen Veteranen stattdessen ins Rampenlicht. Im Mai 2024 saß Golovin bei der Siegesparade auf dem Roten Platz direkt neben Putin. Seine Verwundung durch eine Minenexplosion machte ihn in der russischen Darstellung zum "Opferhelden". Die Nominierung für die Wahlkampfliste unterstreicht nun seinen rasanten Aufstieg innerhalb des russischen Machtapparats.

Stabschef der "Putin-Jugend"

Golovins steiler Aufstieg führte ihn an die Spitze von Yunarmia, einer vom Kreml unterstützten militärischen Jugendbewegung mit 1,8 Millionen Mitgliedern. Kritiker bezeichnen die Organisation als "Putin-Jugend". Laut "RBC" wird Golovin derzeit von Kreml-Strategen als einer der führenden Kandidaten von Einiges Russland getestet. Dies deutet darauf hin, dass die Partei den Ukraine-Krieg zu einem zentralen Wahlkampfthema machen will.

Der Politikanalyst Abbas Galljamow sieht in der Kandidatenliste die Dominanz der Hardliner im Kreml: "Vier von fünf Kandidaten repräsentieren den militaristischen Flügel." Das habe 2022 Sinn ergeben, "aber 2026 ist das Land kriegsmüde. Die Menschen wollen, dass die Wirtschaft repariert wird." Politikberater Jewgeni Mintschenko interpretiert die Liste als Signal, dass der Kreml eine Fortsetzung des Krieges über die Wahlen hinaus plant.

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/bos/news.de/stg

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