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Wladimir Putin: Kremlchef zerstört sein eigenes Land - Experten schlagen Alarm

Wladimir Putin droht ein wirtschaftliches Desaster. Bild: picture alliance/dpa/AP | Pavel Bednyakov

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  • IWF senkt Russlands Wachstumsprognose drastisch
  • Öl-Einnahmen brechen ein – Milliardenverluste für den Kreml
  • Bankenkrise, Lohn-Ausfälle, Renten-Kürzungen: Putins Krieg trifft die Bevölkerung

Der Ukraine-Krieg entwickelt sich für Wladimir Putin zunehmend zum wirtschaftlichen Desaster. Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognose für 2025 erneut nach unten korrigiert – auf nur noch 0,6 Prozent. Im Sommer lag die Schätzung noch bei 0,9 Prozent, ursprünglich sogar bei 1,5 Prozent. Damit zählt Russland mittlerweile zu den schwächsten großen Volkswirtschaften weltweit. "Russland führt diesen Krieg als absteigende Macht", erklärt der Russland-Experte Dr. Stefan Meister gegenüber der "Bild". Der Preis dafür steige von Jahr zu Jahr.

IWF senkt Prognose: Russlands Wachstum bricht ein

Das Wachstum von 4,3 Prozent im Jahr 2024 täuschte über die wahre Lage hinweg. Es wurde nahezu vollständig durch Militärausgaben angetrieben – Panzer, Munition und Soldzahlungen füllten zwar die Auftragsbücher, schufen aber keine nachhaltige Wertschöpfung. Ökonomen warnen bereits vor einem möglichen Kollaps der russischen Wirtschaft im Jahr 2026.

Die Einnahmen aus dem Energiesektor, Russlands wichtigste Geldquelle, brechen dramatisch ein. Laut Reuters werden die Öl- und Gaseinnahmen im Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 49 Prozent zurückgehen. Gleichzeitig schwimmen Millionen Barrel unverkauftes Öl auf den Weltmeeren.

Die Lieferungen an die wichtigsten Abnehmer schrumpfen spürbar: Nach China gehen nur noch 950.000 Barrel täglich statt zuvor 1,01 Millionen. Die Exporte nach Indien fielen von 900.000 auf 840.000 Barrel pro Tag. Um das Öl überhaupt loszuwerden, muss Moskau massive Rabatte von mehr als 20 Dollar pro Barrel gewähren.

Bloomberg-Daten zeigen das Ausmaß der Krise: In einer einzigen Dezemberwoche waren 38 Tanker mit 28,3 Millionen Barrel russischem Öl unterwegs – ein Großteil davon ohne feste Käufer. Experten beziffern die monatlichen Einnahmeverluste auf mehrere Milliarden Dollar.

Die finanziellen Reserven des Kremls schwinden rapide. Der russische Wohlstandsfonds, über Jahre als Sicherheitspolster aufgebaut, wird nach Einschätzung von Experte Meister spätestens 2026 weitgehend erschöpft sein. Dann fehlen die Mittel, um die enormen Kriegskosten abzufedern.

Gleichzeitig wächst die Gefahr einer Bankenkrise. Ein kremlnaher Think Tank, das Zentrum für makroökonomische Analyse und kurzfristige Prognosen, warnte diesen Monat vor einer systemischen Bankenkrise bis Oktober – sollten die Problemkredite weiter steigen und Sparer massenhaft Geld abheben.

"Eine Bankenkrise ist möglich. Eine Zahlungsunfähigkeitskrise ist möglich", sagte ein russischer Beamter gegenüber "Merkur". Besonders brisant: Kredite an den Verteidigungssektor machen fast ein Viertel aller Rubel-Unternehmenskredite aus – insgesamt über 202 Milliarden Dollar. Harvard-Experte Craig Kennedy nennt dies "einen großen schwarzen Pool schlecht regulierter, undurchsichtiger Schulden" im Bankensystem.

Arbeiter warten monatelang auf ihre Gehälter

Die wirtschaftlichen Probleme treffen die russische Bevölkerung mit voller Wucht. In der Kupfermine Novoleks in Nischni Tagil filmten sich Dutzende Arbeiter mit Schutzhelmen, um sich über zwei Monate ausbleibende Löhne zu beschweren. Die Zeitung "Izvestia" berichtete über mindestens 34 Unternehmen mit ähnlichen Fällen.

Die Reallöhne sinken trotz offiziell niedriger Arbeitslosigkeit. Laut "Financial Times" stiegen die Gehälter neuer Mitarbeiter im November nur noch um 6,9 Prozent – im Januar waren es noch 18,9 Prozent. Die durchschnittliche Altersrente liegt 2025 bei etwa 240 Euro monatlich.

Besonders drastisch: Todesfallzahlungen an Soldatenfamilien wurden regional von umgerechnet 10.000 Euro auf nur noch 920 Euro gekürzt. Finanzminister Ivan Alekseev begründete dies mit Haushaltsdefiziten. Die Verbraucher reagieren bereits – sie gaben Anfang Dezember 8,7 Prozent weniger für Kleidung aus als im Vorjahr.

Sanktionen treffen Russlands Energieriesen ins Mark

Die im Oktober vom US-Finanzministerium verhängten Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil verschärfen die Krise zusätzlich. Der französische Präsident Emmanuel Macron betonte bei einem Treffen mit seinen deutschen und britischen Amtskollegen in London, man müsse "diese Bemühungen fortsetzen und den Druck aufrechterhalten".

Gazprom, einst Russlands wichtigste Einnahmequelle, verzeichnete nach dem Verlust des europäischen Marktes einen Nettoverlust von 12,9 Milliarden Dollar. Die Barreserven des Konzerns schrumpften von 27 Milliarden Dollar Anfang 2022 auf nur noch 6 bis 8 Milliarden. Rosneft meldete für die ersten drei Quartale 2024 einen Gewinneinbruch von 70 Prozent.

Strukturell wächst Russlands Abhängigkeit von China bei Technologie und Absatzmärkten. "Die technologische Entwicklung stockt, eigene Innovationen bleiben aus", beobachtet Russland-Experte Meister. Für ein Land mit geopolitischen Großmachtansprüchen sei dies ein erhebliches strategisches Risiko.

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/news.de/stg

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