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Jewgeni Prigoschin tobt: Er rief zum Angriff auf! Das droht dem Wagner-Chef

Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin drohte der russischen Militärführung. Bild: picture alliance/dpa/Prigozhin Press Service/AP | -

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Seit Monaten spitzt sich ein Streit zwischen Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin, eigentlich einem Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin, und der russischen Militärführung zu. Wagner wirft dem Verteidigungsministerium schlechte Führung im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vor und hat vor allem Verteidigungsminister Sergej Schoigu wiederholt scharf kritisiert. Am Freitagabend drohte der Chef der russischen Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, der russischen Militärführung mit einemKampf. Kurz darauf wurden zahlreiche Bilder von angeblich abgeschossenen Hubschraubern und einem Einmarsch der Wagner-Söldner in Rostow geteilt. Zahlreiche Medien sprachen von einem drohenden Bürgerkrieg und einem Putschversuch. Wirkt sich das auch auf den Verlauf im Ukraine-Krieg aus?

Jewgeni Prigoschin droht russischer Militärführung

Jewgeni Prigoschin beschuldigte die russische Militärführung in einem Video auf Telegram, ein Lager seiner Söldnertruppen mit Artillerie, Hubschraubern und Raketen angegriffen und dabei viele seiner Männer getötet zu haben. Er drohte daraufhin, in der russischen Militärführung aufzuräumen und meinte, er habe 25 000 Männer unter Befehl, die nun aufklären würden, warum solch eine Willkür im Land herrsche. Das Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe umgehend zurück. Alle Anschuldigungen seien falsch und eine "Provokation", hieß es in einer am Abend verbreiteten Erklärung des Ministeriums.

Putin-Freund droht Haft: Russischer Geheimdienst ermittelt gegen Prigoschin

Nur wenig später teilte das Nationale Anti-Terror-Komitee mit, der russische Geheimdienst FSB ermittle gegen Prigoschin wegen versuchten bewaffneten Aufstands. Prigoschin habe zum Kampf gegen Moskaus Militärführung aufgerufen, hieß es von dem Komitee, dem neben dem FSB praktisch auch alle anderen russischen Sicherheitsorgane angehören. Der FSB rief in der Folge die Wagner-Truppen auf, die "kriminellen" und "verräterischen" Befehle Prigoschins nicht zu erfüllen und Schritte für seine Festnahme zu ergreifen.Dem 61-Jährigen drohen laut Generalstaatsanwaltschaft zwischen 12 und 20 Jahren Freiheitsstrafe.

Moskau ruft Anti-Terror-Notstand aus

Angesichts des bewaffneten Aufstands des russischen Söldnerchefs Jewgeni Prigoschin haben die Behörden in Moskau und Umgebung den Anti-Terror-Notstand ausgerufen. "Um mögliche Terroranschläge in der Stadt und dem Gebiet Moskau zu verhindern, ist ein Regime für Operationen zur Terrorbekämpfung eingeführt worden», teilte das nationale Anti-Terror-Komitee am Samstag mit. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft.

Schock-Aufnahmen von angeblich abgeschossenem Hubschrauber und Panzern in Rostow

Das russische Staatsfernsehen strahlte in der Nacht zum Samstag eine Sondernachrichtensendung aus, in der darüber informiert wurde, dass Prigoschin in Ungnade gefallen sei und festgenommen werden solle. Die Rede in der Sendung war von einer "Provokation" Prigoschins zum Nutzen der Ukraine. Die Medien in der Ukraine berichteten breit über den Machtkampf in Moskau. In der russischen Hauptstadt wurden Staatsmedien zufolge alle wichtigen Objekte unter besondere Kontrolle genommen. Zuvor waren Videos im Netz aufgetaucht, auf denen ein Schützenpanzer und ein gepanzerter Militärlaster vor dem russischen Parlament, der Staatsduma, entlang fahren. In den sozialen Medien wurden zahlreiche Videos geteilt, die Panzer zeigen sollen, die die Stützpunkte nach Rostow passierten. Außerdem zeigen aufnahmen einen Hubschrauber. Diesen sollen die Wagner-Söldnergruppen abgeschossen haben. Dieser soll "das Feuer auf einen zivilen Konvoi eröffnet" haben, sagte Prigoschin in einem Video auf Telegram. Weitere Aufnahmen zeigen, wie Söldner ein Gebäude des russischen Militärs umstellen. In einem weiteren Tweet wird behauptet, dass die Wagner-Truppen sich auf nach Woronesch machen.

Sobjanin leitete nach Prigoschins Drohung "Anti-Terror-Maßnahmen" ein

Angesichts eines sich zuspitzenden Konflikts zwischen der russischen Armee und der Söldnertruppe Wagner hat in der Hauptstadt Moskau Bürgermeister Sergej Sobjanin "Anti-Terror-Maßnahmen" in Kraft gesetzt. Es seien etwa bereits verstärkte Verkehrskontrollen auf den Straßen eingeführt worden, schrieb er am Samstagmorgen auf seinem Telegram-Kanal. Außerdem seien Einschränkungen von Massenveranstaltungen möglich. "Infolge der eingehenden Informationen werden in Moskau Anti-Terror-Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt", schrieb Sobjanin. Er bat die mehr als 13 Millionen Einwohner der Metropole um Verständnis.

Auch der Gouverneur der Region um Moskau, Andrej Worobjow, schrieb auf Telegram von hochgefahrenen Sicherheitsvorkehrungen. Worobjow rief die Menschen zudem auf, wenn möglich auf private Autofahrten in Richtung Südrussland zu verzichten, wo die Situation derzeit besonders angespannt ist. Prigoschin befindet sich in Rostwow. Von dort nahm er ein weiteres Video auf. Darin sagte er Wagner kontrolliere "die militärischen Einrichtungen von Rostow, einschließlich des Flughafens." Putin selbst hat sich dazu nicht geäußert, will aber angeblich am Samstag (24. Juni) eine Rede halten. 

Putsch, Bürgerkrieg und Co.? Konflikt zwischen Wagner und Kreml sorgt für Schlagzeilen

Nach den Drohungen füllten sich die Schlagzeilen. Die Rede war von einem Putschversuch. Dabei gilt Prigoschin als engster Vertrauter Putins. Dennoch kamen in den letzten Monaten immer wieder Gerüchte über einen drohenden Putsch auf. Wie so oft handelt es sich nur um Spekulationen. Genauso wie beim Thema Bürgerkrieg. Die gezeigten Bilder sollen offenbar den Ernst der Lage aufzeigen. Destabilisiert der Konflikt die russische Bevölkerung und die Regierung? In diesem Zusammenhang wird auch spekuliert, ob sich der Konflikt außerhalb der Grenzen Russlands ausweitet und Auswirkungen auf den Ukraine-Krieg hat. Das lässt sich aktuell nicht sagen. Prigoschin sagte in einem weiteren Video aber, dass die "Wagner-Gruppe "nicht die Operationen zur Invasion der Ukraine" behindere.

Prigoschin bestreitet bewaffneten Aufstand

Jewgeni Prigoschin, hat den von den russischen Behörden erhobenen Vorwurf eines bewaffneten Aufruhrs bestritten. "Das ist kein bewaffneter Aufstand, sondern ein Marsch für Gerechtigkeit", sagte Prigoschin in einer am Freitag von seinem Pressedienst auf Telegram verbreiteten Sprachnachricht.

Doch die ganzen Aufnahmen und Berichte sollten mit Vorsicht betrachtet werden. Offizielle Bestätigungen gibt es nicht und es sind viele Falschmeldungen im Umlauf. Oftmals werden diese Berichte gezielt für Desinformationen und Panik genutzt. 

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/news.de/dpa

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