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Ukraine verbreitet Fake-Foto: Stammen diese Goldzähne wirklich von Folter-Opfern? Ermittlungen eingeleitet

Das ukrainische Verteidigungsministerium äußerte die Vermutung, die gefundenen Goldzähne würden von Folteropfern stammen. Bild: picture alliance/dpa/AP | Kostiantyn Liberov

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Es ist ein schockierender Verdacht, den das ukrainische Verteidigungsministerium auf Twitter äußerte. Zu einem Foto, das eine Gasmaske sowie eine Kiste voll mit Goldzähnen zeigt, schrieb die Ukraine: "Eine Folterkammer in Pisky-Radkivski. 2 Fotos. Eine Gasmaske, die einem Opfer auf den Kopf gesetzt wurde, das mit einem schwelenden Lappen bedeckt und lebendig begraben wurde. Und eine Schachtel mit goldenen Zahnkronen. Ein Mini-Auschwitz. Wie viele werden in der besetzten Ukraine noch gefunden werden? Foto @serhii_bolvinov".

Ukraine verbreitet Fake-News: Stammen die Goldzähne von Folteropfern?

Internationale Medien wie die britische"Daily Mail" griffen die Aussagen des ukrainischen Verteidigungsministeriums auf und berichteten prompt von der vermeintlichen Folterkammer in dem Örtchen Pisky-Radkivski. Doch nun widerspricht ausgerechnet ein Ukrainer den Aussagen des Verteidigungsministeriums. Im Gespräch mit der "Bild" erklärte ein Mann namens Sergey, seines Zeichens der Zahnarzt in dem kleinen Ort, dass die Zähne aus seiner Sammlung stammen und nicht etwa von Folteropfern.

Ukrainischer Zahnarzt widerspricht Verteidigungsministerium: Zähne stammen aus seiner Sammlung

"Diese Zähne sehen aus wie die aus meiner Sammlung, die hier geplündert wurde.Ich bin der einzige Zahnarzt hier. Also wenn sie hier gefunden wurden, müssen sie von mir sein." Demnach stammen sie von Patienten, die er in den letzten 30 Jahren behandelt hat. "Manchmal ziehe ich am Tag fünf bis acht Zähne, und das in 33 Jahren meiner Praxis." Der 60-Jährige vermutet, dass die Soldaten von Wladimir Putin das Gold für echt hielten und die Zähne zu Geld machen wollten. Doch damit nicht genug. "Anwohner haben mir berichtet, dass Russen damit offenbar Menschen Angst gemacht haben", so Sergey.

Opfer berichten von Folter-Horror durch Putin-Soldaten

Dock Fakt ist: Auch wenn die Goldzähne nicht von Folteropfern stammen, Folter durch russische Soldaten hat in Pisky-Radkivski definitiv stattgefunden. Anwohner erklärten gegenüber der "Bild", dass sie immer wieder Hilfeschreie aus verschiedenen Gebäuden gehört haben. Volodya, ein ukrainisches Folteropfer, berichtet gegenüber dem "Boulevard"-Blatt: "Sie nahmen mich einfach mit. Als ich geschlagen wurde, sagten sie: 'Wenn du nicht mit uns arbeitest, schießen wir dir in die Beine und das war's'. Und der andere sagte: 'Warum sollen wir ihm in die Beine schießen, wir werden uns mit ihm befassen müssen, wie mit dem anderen'."

Ukraine leitet Untersuchung zu Goldzähnen ein

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, hat die Ukraine nun Ermittlung zu den gefundenen Goldzähnen eingeleitet. Bei einer Pressekonferenz mit Sergey Bolwinow, dem Leiter der Ermittlungsabteilung der Polizei der Region Charkiw, teilte dieser mit, dass "die veröffentlichten Informationen über die wahrscheinliche Verbindung zwischen diesen Zähnen und dem Zahnarzt überprüft werden. Nach der vorläufigen Untersuchung werden wir detaillierte Informationen bereitstellen, die wir ermitteln werden."

Die Zähne werden "gemäß der Entscheidung der Staatsanwaltschaft zur Durchführung einer molekulargenetischen Untersuchung ordnungsgemäß untersucht, verpackt und an eine sachverständige Einrichtung geschickt wurden. Mit anderen Worten, es geht darum, das DNA-Profil zu identifizieren und herauszufinden, wem genau die Überreste dieser Zähne gehören", heißt es bei der "Bild".

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/loc/news.de

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