Fulda: Wenn die KI hessisch babbelt - Bummel über den Hessentag
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Erstellt von Sarah Knauth
14.06.2026 13.55
Künstliche Intelligenz ist überall auf dem Vormarsch. Davon bleibt auch der Hessentag nicht unberührt. Erlebbar wird sie in der KI-Welt, die in der Landesausstellung im Konzepthaus Karl untergebracht ist und sich gleich zu einem Besuchermagneten entwickelt hat.
"Ei Gude, isch bin de Herrmann aus Frankfurt-Sachsenhausen. Was darf’s denn sei?", begrüßt KI Furhat den Besucher auf Hessisch. 40 Sprachen hat die von der Technischen Hochschule Mittelhessen entwickelte KI drauf. Auf dem Hessentag sind fünf im Angebot, darunter auch hessisch – oder das, was seine Entwickler dafür halten.
Hermann, die hessische KI
Die hessische Variante der KI heißt Hermann, ein projiziertes Gesicht verleiht dem sprechenden Kopf Mimik. "Wenn de staune willst, guck Dir die Roboterhund odder de OP-Roboter an", rät Hermann auf die Frage, welche Tipps er denn für die Ausstellung hat.
Gesagt, getan. Nicht weit von Herrmann entfernt zeigt ein Roboterhund Kunststücken: wedelt mit dem Schwanz, macht Männchen und gibt Pfötchen. Sehr zur Freude der großen und kleinen Besucher.
Erkundungstour durch die Lunge
Ein paar Meter weiter hängt eine echte Schweinelunge. "Die ist der menschlichen Lunge sehr ähnlich", erklärt Jasmin Spaar, Doktorandin der Technischen Hochschule Mittelhessen am Campus Gießen. Sie verteilt ein Paar Einmalhandschuhe, und schon kann der Besucher mit Hilfe eines dünnen, flexiblen Schlauches mit einer Kamera an der Spitze die Luftröhre untersuchen. Das ist für eher grobmotorisch veranlagte Laien zwar nicht einfach, macht dennoch Spaß und liefert eindrucksvolle Innenansichten.
Roboter singt: "So ein Tag, so wunderschön wie heute"
Der humanoide Roboter Pepper, den das Deutsche Rote Kreuz vorführt, ist schon seit ein paar Jahren als Pflege- und Unterhaltungsroboter im Einsatz. Er unterstützt die Mitarbeiter in Seniorenzentren bei der täglichen Arbeit – und ist eine echte Stimmungskanone. "Ich unterhalte mich gerne mit Menschen", erklärt Pepper. "Ich kann zum Beispiel mit Dir spielen, lesen, singen und gemeinsam mit Dir in Bewegung bleiben." Und stimmt dann auf Kommando ein Lied an: "So ein Tag, so wunderschön wie heute…".
Gut besucht, aber nicht übervoll
Ein Abstecher in die KI-Welt ist sicherlich eine gute Empfehlung für alle Hessentagsbesucher. Nicht nur, wenn es regnen sollte – wie bei dem Auftakt. Am Tag nach der Eröffnung ist das Wetter jedoch nahezu ideal, nicht zu kalt, aber auch nicht zu warm. Auf der fast drei Kilometer langen Hessentagsstraße, die sich quer durch das Zentrum der Stadt bis zu den Fulda-Auen zieht, ist viel Trubel. Der Hessentag ist an diesem Wochenende gut besucht, es ist aber nicht übervoll, Gedränge gibt es nur an wenigen Engstellen.
Das Angebot an Ständen, Mitmachaktionen, Sonderschauen und Konzertbühnen ist enorm. Insgesamt 1.200 kostenlose Veranstaltungen werden den Besuchern geboten. Da ist für jeden etwas dabei. Ein Tag reicht kaum, um alles auch nur annähernd gründlich zu erleben.
Kinderparadies Familienland
Für Eltern mit kleinen Kindern ist das Familienland in den Fulda-Auen ein hervorragender Anlaufpunkt. Hüpfburgen, eine Strohballen-Pyramide zum Klettern, Rutschen, eine Selbstfahr-Fähre über einen kleinen Teich, eine Showbühne und vieles mehr lassen die Kinderherzen höher schlagen.
Einmal Pommes für vier Euro
Das Bummeln über die Hessentagsstraße macht fraglos hungrig und durstig. Das Angebot an Speisen und Getränken ist groß. Die Preise unterscheiden sich von Stand zu Stand und bewegen sich meist in dem bei derartigen Festen üblichen Rahmen. Eine Bratwurst mit Brötchen ist etwa für 4,50 Euro zu haben, Pommes kosten rund 4 Euro, einen halben Liter Bier gibt es häufig für fünf bis sechs Euro. Eis kostet je nach Größe zwischen vier und sechs Euro. Toiletten-Container gibt es entlang der Stecke in großer Zahl.
Wo ist denn die Haltestelle für den Shuttlebus?
Wer mit dem Auto nach Fulda kommt, soll nach Empfehlung der Stadt unbedingt der Beschilderung zu einem der fünf großen Parkplätze folgen. Das Tagesticket kostet zehn Euro. Es kann vorab gebucht, aber auch nachträglich bezahlt werden. In beiden Fällen ist das nur online möglich.
Von den Parkplätzen verkehren Shuttlebusse. Die sind zwar kostenlos, aber nicht immer leicht zu finden. So suchten Benutzer des Parkplatzes 3 bei einer Stichprobe vergeblich nach der Haltestelle. Weder die von den Parkwächtern genannte Richtung noch die Ausschilderung halfen weiter, so dass sie sich schließlich auf einen längeren Fußmarsch Richtung Hessentag machen mussten. Das Problem sei bekannt, teilte die Stadt mit: "Wir arbeiten daran."
Ratespiel: Wo steige ich aus?
Wer schließlich einen der Shuttlebusse erwischt hat, steht vor einem weiteren Dilemma: Es gibt - zumindest bei dieser Fahrt - keine Ansage, welche die nächste Haltestelle ist. Auch der leere Monitor bietet keine Hilfe, ob man beim nächsten Stopp nun aussteigen soll oder nicht. Dafür kommen Benutzer schnell mit anderen Fahrgästen in Kontakt beim gemeinsamen Ratespiel: Was ist die nächste Haltestelle?
Demo gegen und Zuspruch für die Bundeswehr
Ganz am Ende der Hessentagsstraße befindet sich in den Fulda-Auen das Ausstellungsgelände der Bundeswehr. Die Streitkräfte sollen damit nicht etwa an den Rand gedrängt werden, sie brauchen einfach viel Platz, um Kampfjet, Panzer, Fahrzeuge und Co. auszustellen. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hatte die Bundeswehr bei seiner Eröffnungsansprache ausdrücklich willkommen geheißen: "Unsere Soldatinnen und Soldaten gehören auch zu dem Hessentag, denn sie verteidigen unsere Freiheit."
Am Samstag gab es auch den bei Hessentagen üblichen Protest gegen die Bundeswehr. Die Polizei verzeichnete zwei Protestveranstaltungen mit einer insgesamt niedrigen dreistelligen Teilnehmerzahl. Weit höher ist dagegen an diesem Tag aber die Zahl der Besucherinnen und Besuchern, die sich auf dem Ausstellungsgelände über die Aufgaben der Bundeswehr informieren.
Bundeswehr: Akzeptanz hat sich verstärkt
Das Interesse der Menschen an dem Auftritt der Bundeswehr beim Hessentag habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, berichtet Fregattenkapitän René Dingeldein. "Mit dem Ukraine-Krieg hat sich die Akzeptanz noch einmal verstärkt. Die Bürger merken, wie wichtig die Bundeswehr ist."
Die Bundeswehr sei seit dem ersten Hessentag 1961 Teil der Landesausstellung, erklärt Oberstleutnant Kevin Nieberg. Auch nach seinen Eindrücken ist das Interesse an Fragen der Verteidigung und an der Bundeswehr in den vergangenen Jahren gestiegen. Besonders freuten sich die Soldaten, wenn sie von Hessentagsbesuchern in Fulda Sätze wie "Danke, dass sie für uns dienen" hörten, sagt Nieberg.
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kns/roj/news.de