Erfurt: Fast 200 Kriminalpolizisten scheiden bald aus dem Dienst
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Erstellt von Sarah Knauth
08.06.2026 04.03
Die Thüringer Kriminalpolizei steht vor einer Pensionierungswelle. Etwa jeder Siebte der zuletzt bei der Landespolizei vorhandenen Beamten dieser Fachrichtung erreiche bis Ende 2029 die gesetzliche Pensionsaltersgrenze, sagte ein Sprecher des Thüringer Innenministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Damit geht der Thüringer Polizei auch die Berufserfahrung von Menschen verloren, die in einem immer komplexer werdenden Feld arbeiten.
Psychisch fordernder Job
Die Arbeit der Kriminalpolizisten sei in den vergangenen Jahren "technisch anspruchsvoller, aber auch komplexer und psychisch fordernder" geworden, sagte der Sprecher. In ganz verschiedenen Kriminalitätsbereichen würden die Täter immer neue Wege finden, um Straftaten zu begehen.
Nach Angaben des Innenministeriums waren Anfang Mai in Thüringen 1.327 Kriminalbeamte bei der Landespolizei beschäftigt gewesen. Von ihnen erreichen 188 bis zum Ende der 2020er Jahren die gesetzliche Altersgrenze zum Eintritt in die Pension. Darüber, wie viele Kriminalpolizisten es in den vergangenen Jahren in Thüringen zu bestimmten Stichtagen gegeben hat, existieren nach Angaben des Ministeriums keine Daten.
Spezialisierung durch Fortbildung
Wie viele Kriminalbeamte in den nächsten Jahren neu ausgebildet werden, lasse sich nicht wirklich beziffern, sagt der Sprecher des Ministeriums. Grund: "Die Ausbildung zum mittleren Polizeivollzugsdienst sowie das Studium zum gehobenen Polizeivollzugsdienst in der Thüringer Polizei sind generalistisch ausgeprägt." Das meint, dass während der Ausbildung der Beamten noch nicht entschieden wird, ob die angehenden Polizisten später einmal in der Kriminalpolizei eingesetzt werden oder nicht. "Die Qualifizierung sowie die Spezialisierung in kriminalpolizeilichen Bereichen erfolgt durch die Fortbildung", sagte der Sprecher. In diesem Jahr sei zu diesem Zweck ein Kriminalfachlehrgang geplant, für den 15 Plätze vorgesehen seien. "In den Folgejahren erfolgt die Planung bedarfsorientiert."
Bei vielen Kriminalitätsbereichen gehen die Täter nach den Erfahrungen der Landespolizei inzwischen immer raffinierter vor, was es sowohl ihren potenziellen Opfern als auch den ermittelnden Beamten schwerer macht, sie zu verfolgen. Unter anderem bei Betrugsdelikten, also zum Beispiel auch bei Sexualdelikten, Fällen von häuslicher Gewalt und auch bei der organisierten oder politischen Kriminalität entwickelten die Täter immer neue Methoden, sagte der Sprecher des Innenministeriums. "Darüber hinaus verändern sich auch die Aufgaben der Beweisführung im Ermittlungsverfahren: Von der ‚klassischen Spurensicherung‘ hin zu einer Mischung aus IT-Forensik, Datenanalyse, internationaler Zusammenarbeit und ‚klassischer‘ Ermittlungsarbeit." In ihren Fortbildungen würden die Polizisten lernen, mit Technologien umzugehen, "die sich fast monatlich weiterentwickeln."
Mehr Bündelung?
Darüber, wie die Thüringer Kriminalpolizei in den nächsten Jahren strukturell aufgestellt werden sollte, um mit den neuen Herausforderungen und den zahlreichen, anstehenden Pensionierungen umgehen zu können, läuft seit Monaten eine intensive, innerpolizeiliche Debatte. Der Thüringer Landesvorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, Jan Malik, hatte sich dafür ausgesprochen, die kriminalistischer Arbeit innerhalb der Thüringer Polizei in Zukunft stärker von anderen Aufgabengebieten zu trennen.
Dies könne zum Beispiel geschehen, indem für alle Ermittlungen das Landeskriminalamt und ihm direkt nachgeordnete Dienststellen verantwortlich gemacht würden, hatte Malik vor Kurzem gesagt. Bislang werden Ermittlungen zum Beispiel wegen Betrug, Körperverletzung oder auch Diebstahl von verschiedene Dienststellen der Thüringer Polizei bearbeitet, die nicht alle zum Landeskriminalamt gehören.
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kns/roj/news.de