El Niño im Anmarsch: Hitze, Fluten, Dürren - WMO warnt vor Extremwetter
Zusätzlich zum Klimawandel durch menschengemachte Treibhausgase kommt nun das Wetterphänomen El Niño auf die Welt zu. Bild: Dean Lewins/AAP/dpa/dpa
Erstellt von Anika Bube
02.06.2026 14.06
- Die Weltwetterorganisation erwartet mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit den Beginn von El Niño zwischen Juni und August
- Das Klima-Phänomen könnte Extremwetter wie Dürren, Fluten und Hitzewellen weltweit verstärken
- Experten diskutieren bereits über die Möglichkeit eines besonders starken "Super-El-Niño"
Die Weltwetterorganisation (WMO) hat offiziell bestätigt, was sich seit Monaten abzeichnete: Das Klimaphänomen El Niño steht unmittelbar bevor. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent wird das Wetterphänomen zwischen Juni und August einsetzen. Die Chancen, dass es bis mindestens November andauert, beziffert die WMO auf rund 90 Prozent.
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UN-Generalsekretär António Guterres reagierte mit deutlichen Worten auf die Ankündigung aus Genf. "El-Niño-Bedingungen gießen Öl in das Feuer der globalen Erwärmung", erklärte er in einer Videobotschaft. Die Konsequenzen würden noch heftiger ausfallen und sich weiter ausbreiten als bisher.
Bereits jetzt zeigen sich deutliche Warnsignale: Die Wassertemperaturen an der südamerikanischen Pazifikküste haben zwischen Ende April und Mitte Mai El-Niño-typische Werte erreicht. Aus tieferen Meeresschichten strömt zudem ungewöhnlich warmes Wasser nach oben – teilweise sechs Grad wärmer als im langjährigen Mittel.
Zum Hintergrund: El Niño ist ein natürlich auftretendes Wetterphänomen, das in unregelmäßigen Abständen von zwei bis sieben Jahren wiederkehrt. Bei diesem Klimaereignis ziehen warmes Wasser und Wolken in Äquatornähe im Pazifik an die normalerweise trockene Küste Südamerikas.
Das vorherige El-Niño-Ereignis von 2023/24 zählte zu den fünf intensivsten seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahr 1950. Es trug maßgeblich dazu bei, dass 2024 zum bislang wärmsten Jahr seit der Industrialisierung wurde – gemessen an der globalen Durchschnittstemperatur im Vergleich zum Zeitraum 1850 bis 1900.
Der Abstand zum aktuellen Ereignis beträgt damit nur zwei Jahre. Zum Vergleich: Zwischen dem El Niño 2015/16 und dem folgenden vergingen sieben Jahre.
Kommt ein Super-El-Niño?
Ob das bevorstehende Ereignis besonders heftig ausfällt, lässt sich derzeit nicht sicher vorhersagen. In Fachkreisen und Medien wird bereits über einen sogenannten Super-El-Niño spekuliert. Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel schätzt die Wahrscheinlichkeit dafür auf "50 zu 50" – "Es kann sein, kann aber auch nicht sein."
Entscheidend für die Intensität des Phänomens sind laut Latif vor allem Windschwankungen, die sich nur schwer prognostizieren lassen. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo mahnt dennoch zur Vorsicht: "Wir müssen uns auf ein möglicherweise starkes El-Niño-Ereignis vorbereiten, das Dürren und Starkregen verschärfen und das Risiko von Hitzewellen sowohl an Land als auch im Ozean erhöhen wird."
Europa bleibt weitgehend verschont
Für Mitteleuropa sind die direkten Auswirkungen des kommenden El Niño überschaubar. Daniela Domeisen von der ETH Zürich erklärt dies mit der großen Entfernung zum tropischen Pazifik: "Bis das Signal zu uns gelangt, wird es von vielen anderen atmosphärischen und ozeanischen Einflüssen gestört." Falls überhaupt spürbare Effekte auftreten, sei eher mit kälterem und feuchterem Wetter zu rechnen. Allerdings könnten Verbraucher die Folgen indirekt im Geldbeutel spüren. Armin Bunde, emeritierter Professor der Universität Gießen, der selbst El-Niño-Berechnungen durchgeführt hat, warnt vor wirtschaftlichen Konsequenzen: "So können schlechte Ernten im Pazifikraum zu höheren Preisen für Zucker, Kaffee und Kakao führen."
Dürren und Fluten auf der Südhalbkugel
Die gravierendsten Folgen des El Niño treffen vor allem Regionen auf der Südhalbkugel. In Südamerika und Teilen Ostafrikas drohen verheerende Überschwemmungen, während Südostasien, Ostaustralien und Südostafrika mit Dürren und Waldbränden rechnen müssen. Die extremen Wetterlagen erreichen typischerweise um den Jahreswechsel ihren Höhepunkt.
Der Einfluss auf die globale Durchschnittstemperatur zeigt sich hingegen erst im Folgejahr. Laut einem aktuellen WMO-Bericht liegt die Wahrscheinlichkeit bei 86 Prozent, dass zwischen 2026 und 2030 ein Jahr noch heißer wird als das bisherige Rekordjahr 2024. Wegen des El Niño könnte dies bereits 2027 eintreten.
Die WMO empfiehlt Regierungen, sich auf Auswirkungen in klimasensiblen Bereichen wie Landwirtschaft, Gesundheitswesen und Wasserwirtschaft einzustellen. "Frühzeitige saisonale Vorhersagen und Frühwarnungen sind entscheidend, um Leben zu retten", betont WMO-Chefin Saulo.
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