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Droht ein Super-El-Niño?: Extremes Wetter-Jahr befürchtet - Forscher schlagen Alarm

Forscher beobachten die Erwärmung im Pazifik genau: Noch ist offen, wie stark El Niño diesmal ausfällt. Bild: AdobeStock / natatravel

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  • Die NOAA sieht mit 62 Prozent Wahrscheinlichkeit einen El Niño zwischen Juni und August
  • Weltweit drohen Extremwetter-Folgen wie Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände
  • Deutschland bleibt voraussichtlich weitgehend verschont – indirekte Folgen sind aber möglich

Die US-Klimabehörde Noaa prognostiziert mit einer Wahrscheinlichkeit von 62 Prozent die Entstehung eines El Niño im Zeitraum Juni bis August. Das Klimaphänomen könnte bis mindestens Ende Dezember andauern und weltweit für extreme Wetterereignisse sorgen.

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Ob sich daraus sogar ein besonders intensiver Super-El-Niño entwickelt, bleibt ungewiss. Der Kieler Klimaforscher und Ozeanograf Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung beziffert die Chancen dafür auf "50:50 - es kann sein, kann aber auch nicht sein". Der Begriff Super-El-Niño ist zwar kein offizieller Fachausdruck, wird von Wissenschaftlern jedoch gelegentlich verwendet, um besonders kräftige Ausprägungen des Phänomens zu beschreiben. Sollte das Ereignis in diesem Jahr ausbleiben, rechnet Latif mit seinem Eintreten im kommenden Jahr.

Beim El Niño erwärmt sich ein Meeresgebiet im äquatornahen Pazifik. Die Voraussetzungen für eine kräftige Ausprägung sind bereits gegeben: In den obersten 300 Metern der betroffenen Pazifikregion hat sich erhebliche Wärmeenergie angesammelt. "Da entwickelt sich alles lehrbuchmäßig", erklärt Latif. Dennoch lässt sich die weitere Entwicklung nicht präzise vorhersagen. Der entscheidende Faktor sind zufällige Windschwankungen, die das Phänomen verstärken oder abschwächen können. "Aber dann gibt es immer noch diese zufälligen Windschwankungen, die in verschiedene Richtungen wirken können", so der Ozeanograf. Die gespeicherte Wärme im Pazifik werde nicht einfach verschwinden, betont Latif. Sie könne nur über die Atmosphäre abgegeben werden – was letztlich einen El Niño bedeuten würde.

Verheerende globale Folgen durch Klimaphänomen

Das Klimaphänomen löst eine Kettenreaktion aus, die verschiedene Weltregionen völlig unterschiedlich trifft. Warmes Wasser und Wolkenmassen wandern dabei in Äquatornähe an die normalerweise trockene Westküste Südamerikas. Die Folge sind oft katastrophale Überschwemmungen, die nicht nur Südamerika heimsuchen, sondern durch atmosphärische Wechselwirkungen auch mehrere ostafrikanische Staaten erreichen.

Auf der anderen Seite des Spektrums leiden Südostasien, der Osten Australiens und Teile des südöstlichen Afrikas unter den gegenteiligen Auswirkungen. Dort nehmen Trockenperioden und Waldbrände deutlich zu. Das Gegenstück zu El Niño bildet La Niña, bei dem sich die Verhältnisse in etwa umkehren.

El-Niño-Folgen für Mitteleuropa: Deutschland bleibt weitgehend verschont

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gibt Daniela Domeisen von der ETH Zürich Entwarnung. "El Niño insgesamt nur einen sehr schwachen Einfluss auf Europa hat", erklärt die Wissenschaftlerin. Der Grund: Die große Distanz zum tropischen Pazifik schwächt das Signal erheblich ab, bevor es den Kontinent erreicht. Zahlreiche atmosphärische und ozeanische Faktoren überlagern die Auswirkungen zusätzlich.

Falls überhaupt Effekte spürbar werden, tendiere das Wetter eher zu kühleren und feuchteren Bedingungen, so Domeisen. Armin Bunde von der Universität Gießen bestätigt, dass selbst starke El-Niño-Ereignisse keine direkten Wetterauswirkungen in Mitteleuropa verursachen, die sich von normalen Schwankungen unterscheiden ließen. Indirekt könnten Verbraucher dennoch betroffen sein: Missernten im Pazifikraum treiben möglicherweise die Preise für Zucker, Kaffee und Kakao in die Höhe.

Klimawandel verschärft die Ausgangslage

Bemerkenswert ist für Latif vor allem die Temperaturentwicklung der vergangenen Monate. Obwohl La-Niña-artige Bedingungen im tropischen Pazifik eigentlich kühlend wirken sollten, lagen die globalen Meeres- und Lufttemperaturen ungewöhnlich hoch. Aktuell herrschen neutrale Verhältnisse im Pazifik – und dennoch bewegen sich die Temperaturen bereits wieder auf Rekordniveau.

"Wenn man selbst unter solchen Bedingungen schon wieder auf Rekordkurs ist, zeigt das, wie sehr die Klimaerwärmung bereits das Regiment übernimmt", warnt der Kieler Forscher. Phänomene wie El Niño und La Niña spielen sich mittlerweile auf einem deutlich höheren Temperaturniveau ab als früher. Ein neuer globaler Temperaturrekord sei daher auch ohne El Niño möglich, betont Latif. Sollte das Klimaphänomen jedoch eintreten, würde es die Erwärmung zusätzlich verstärken.

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/news.de/dpa/stg

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