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Berlin: Nuba werden Akteure – Riefenstahls Bilder neu betrachtet

Das Berliner Reichstagsgebäude und die Spree. Aktuelle Nachrichten aus und über Berlin hier auf news.de. Bild: Adobe Stock / neirfy

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Unter welchen Bedingungen entstanden die Nuba-Bilder der Nazi-Propaganda-Filmemacherin Leni Riefenstahl – und wie blicken heutige Nuba-Generationen auf sie? Ein deutsch-sudanesisches Forschungsteam ist diesen Fragen in einem mehrjährigen Projekt nachgegangen und hat die Ergebnisse nun auf einer Website veröffentlicht.

Die Nuba bestehen aus 50 verschiedenen ethnischen Gruppierungen, die in zehn verschiedene Sprachgruppen unterteilt sind.

Nuba sollen aktive Rolle erhalten

Ziel des Projekts war es, erstmals die Perspektiven der Angehörigen auf Riefenstahls (1902 - 2003) Fotografien in den Mittelpunkt zu stellen, wie die Ethnologin Paola Ivanov vom Ethnologischen Museum in Berlin bei einer Pressekonferenz erklärte. Es handelt sich um etwa 10.000 Motive. Die Bilder müssten in einem kolonialen und rassistischen Kontext gesehen werden. "Durch die Zusammenarbeit werden sie neu kontextualisiert." Die Regisseurin drehte für Adolf Hitler.

"Diese Zusammenarbeit hat dem Volk der Nuba Handlungsmacht verliehen", zitierte Ivanov ihren sudanesischen Kollegen und Wissenschaftler Guma Kunda Komey vom Pan Nuba Rat. "Als Leni Riefenstahl diese Fotos machte, waren die Menschen passive Objekte. Heute, durch die gemeinsame Neubetrachtung der Bilder, sind die Nuba selbst Akteure."

Ausstellung in Uganda

Es sei deutlich geworden, dass viele Menschen, die Riefenstahl damals fotografierte, nicht wussten, in welchem Ausmaß Riefenstahl materiell und ideell von den Fotografien profitierte, so Ivanov.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde unter anderem eine Ausstellung mit ausgewählten Bildern organisiert, zu der Mitglieder der Nuba-Diasporagemeinschaften nach Kampala - der Hauptstadt Ugandas - eingeladen wurden. Die Treffen konnten nicht im Sudan stattfinden, weil dort ein Bürgerkrieg herrscht.

Tausende Dokumente hinterlassen

Die 700 Kisten aus Riefenstahls Nachlass gingen 2018 als Geschenk an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Bestände wurden auf die Staatsbibliothek zu Berlin, die Kunstbibliothek und das Ethnologische Museum und die Stiftung Deutsche Kinemathek (SDK) aufgeteilt und erforscht. Sie enthalten Fotografie- und Filmbestände, Manuskripte, Briefe, Tageskalender, Akten und Dokumente sowie Presseausschnitte und Bücher.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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