Polizeimeldung München, 20.03.2026: OP Alice: Internationaler Schlag gegen Darknet-Plattformen
Die Polizei Bayern informiert über einen aktuellen Fall (Symbolbild). Bild: picture alliance / dpa / TNN / Matthias Merz
Erstellt von Team Datenjournalismus
20.03.2026 12.05
Für die Regionen München, Starnberg, Bamberg, Forchheim und Main-Spessart hat die Polizei eine aktuelle Meldung herausgegeben. In dieser heißt es:
Bereits seit Mitte 2021 beschäftigen sich die Ermittler des Dezernats Cybercrime beim Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) und das Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet (ZKI) bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg mit der Darknet-Plattform „Alice with Violence CP“, auf welcher in letztlich betrügerischer Absicht vorrangig kinderpornographische Inhalte gegen eine Bezahlung mit Bitcoins (BTC) zum Verkauf angeboten wurden.
Im Laufe der langwierigen und intensiven Ermittlungen stellten die Spezialisten fest, dass der Täter über 373.000 onion-Domains (Internetseiten) im Darknet betrieb. Das Fundament dieses Netzwerks bildeten insgesamt 122 Plattformvarianten, die tausendfach vervielfältigt wurden. Auf diesen mannigfaltigen Plattformen wurden neben Kinderpornographie auch diverse Cybercrime-as-a-Service-Leistungen zum Schein angeboten, bspw. Kreditkartendaten und Zugänge in fremde Systeme. Ziel war dabei stets, potentielle Kunden ohne Gegenleistung zu einer Zahlung zu animieren.
Im Zeitraum von Februar 2020 bis Juli 2025 bot der Täter auf 32 unterschiedlichen Plattformen kinderpornographische Inhalte zum Kauf an. Diese Plattformen waren auf über 90.000 der zuvor genannten onion-Domains erreichbar. Hierbei handelte es sich um reine Betrugsseiten, auf denen der Erhalt von weiteren kinderpornographischen Inhalten in Form von einsehbaren Vorschaubildern angepriesen worden war.
Es wurde suggeriert, dass nach Zahlung in der Kryptowährung Bitcoin und Hinterlegung einer zum Empfang eines Downloadlinks notwendigen E-Mail-Adresse die beworbenen und weitere entsprechende Inhalte als sogenannte Pakete erworben werden konnten. Ein Paket kosteten zwischen 20 und bis zu 250 US-Dollar und versprach Dateiumfänge von wenigen Gigabyte bis zu mehreren Terabyte an kinderpornographischen Bildern und Videos.
Die Ermittlungen richteten sich sowohl gegen den Betreiber als auch gegen ca. 600 Nutzer der kinderpornographischen Plattformen , die im Zeitraum von Februar 2020 bis Juli 2025 Zahlungen veranlasst hatten. Trotz der versuchten Verschleierung ihrer Identitäten gelang es, weltweit bislang 440 Tatverdächtige ausfindig zu machen. Die akribische Auswertung der Kryptowährungsströme führte zu einem legalen Zahlungsdienstleister. Mithilfe der dort gespeicherten Daten ist es gelungen, die durch die Beschuldigten durchgeführten Zugriffe auf die jeweiligen Plattformen zu belegen und die jeweils zum Kauf beabsichtigten Datenpakete zuzuordnen.
Während der gesamten Verfahrensdauer traten die Ermittler erkannten Gefahren für Kinder sofort wirksam entgegen. Sobald beispielsweise bekannt wurde, dass Kinder bei Tatverdächtigen wohnten, wurden diese Verfahren an die jeweils zuständigen Justiz- und Polizeibehörden abgegeben, um unmittelbar geeignete Maßnahmen zum Wohle der Kinder ergreifen zu können. Beispielsweise durchsuchten bereits Anfang August 2023 Ermittler des BLKA bei einem 31-jährigen Familienvater aus dem Landkreis Starnberg, der 20 US-Dollar auf die kinderpornografische Darknet-Plattform „CP Video HD“ transferiert, um ein Paket bestehend aus 70 GB kinderpornographischen Videos und Bildern zu erwerben. Trotz eines in der Wohnung verbauten sog. Totmannschalters zur sofortigen Stromabschaltung konnte durch den polizeilichen Zugriff eine Datenlöschung verhindert werden. Mittlerweile ist der Mann rechtskräftig verurteilt.
Am 9. März 2026 begann eine weltweite Aktion unter dem Namen „ OP Alice “ gegen die Nutzer der Plattformen, denen Besitzverschaffung kinderpornographischer Inhalte gem. § 184b Abs. 3 StGB zur Last gelegt wird.
Deutschlandweit fanden in neun Bundesländern (Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen) 14 Durchsuchungen statt. Insgesamt wird hier gegen 14 Tatverdächtige ermittelt. Die Durchsuchungen in Bayern erfolgten in den Landkreisen Forchheim und Main-Spessart.
Im Zeitraum vom 9. bis 19. März 2026 beteiligten sich insgesamt 23 Staaten .
(Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Kroatien, Litauen, Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn, Australien, Kanada, Ukraine, USA und Vereinigtes Königreich) an der konzertierten „OP Alice“.
Insgesamt wurden im gesamten Ermittlungskomplex Verfahren gegen 89 Beschuldigte aus Deutschland geführt.
Europol übernahm den Part der internationalen Koordination der Operation und beteiligte sich durch Datenanalysen unmittelbar an den erfolgreichen Ermittlungen zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Eine wesentliche Rolle spielte auch die Kooperation der Zentralstelle Cybercrime Bayern mit dem niederländischen Forschungsinstitut TNO und dem Complexity Science Hub in Wien zur Weiterentwicklung des Dark Web Monitors bzw. von GraphSense.
Neben den Nutzern, also Käufern vermeintlich weiterer kinderpornographischer Medieninhalte, wurde auch gegen den Plattform-Betreiber ermittelt. Dieser betrieb im Zeitraum von November 2019 bis zuletzt ein in der Spitze aus bis zu 287 Servern bestehendes Netzwerk. Um auf die Seiten aufmerksam zu machen, betrieb er darüber hinaus einschlägige Linksammlungen und Darknet-Suchmaschinen. Die Server mietete er überwiegend bei unterschiedlichen deutschen Serverprovidern an, zuletzt waren es 105 aktive Server mit Standort in Deutschland. Auf allen dem Täter zuordenbaren Plattformen transferierten ca. 10.000 Nutzer weltweit ca. 400.000 USD bzw. ca. 18 Bitcoins.
Schließlich konnte auch der Betreiber trotz Verwendung von spurenverschleiernden Kryptowährung-Mixing-Diensten durch die gemeinsamen Ermittlungen des BLKA und des ZKI mit Unterstützung durch BKA und Europol identifiziert werden. Es handelt sich bei diesem um einen 35-jährigen chinesischen Staatsbürger mit Wohnsitz in der Volksrepublik China. Durch die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg wurde ein Haftbefehl gegen den Mann erwirkt. Nach dem Mann wird nun international gefahndet.
Am 17. März 2026 wurden insgesamt 105 Server , auf denen sich zu diesem Zeitpunkt über 373.000 Darknet-Seiten befanden, beschlagnahmt. Die Webseiten sind nunmehr mit einem Beschlagnahmebanner versehen.
Im Rahmen der polizeilichen Maßnahmen wurden eine Vielzahl von elektronischen Datenträgern, Mobiltelefonen und PCs sichergestellt.
Die Ermittlungen im Gesamtkomplex dauern auch mit Unterstützung von INTERPOL an.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einer Meldung des Polizeipräsidiums Landeskriminalamt. Um Sie schnellstmöglich zu informieren, werden diese Texte datengetrieben erstellt und stichprobenartig kontrolliert. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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