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Räumung des Wagenplatzes "Hasenbau" in Rückmarsdorf: Rettet der Leipziger Stadtrat Wald und Wohnraum?

Einfamilienhäuser im Leipziger Stadtteil Rückmarsdorf. Der Wagenplatz "Hasenbau" soll nun platz machen für eine große Möbelhauskette. (Symbolbild) Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas

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  • Räumung droht für den Wagenplatz "Hasenbau"
  • Streit um Fläche: Eigentürmer brechen Kontakt mit Bewohner:innen ab
  • Stadtrat diskutiert über Naturschutz der Fläche und deren Weiterbestehen

Der Leipziger Wagenplatz "Hasenbau" steht vor einer ungewissen Zukunft. Seit Frühjahr 2025 nutzt eine Gruppe aus Erwachsenen, Kindern und Tieren ein rund 15.000 Quadratmeter großes, lange brachliegendes Grundstück in Rückmarsdorf – zwischen Merseburger Straße, Kleingartenanlage und dem Bereich an der Schomburgkstraße. Nun drängt die Eigentümerseite auf eine Räumung.

Was ist der "Hasenbau" und warum bedroht ihn (X)XXLutz?

Auf dem Gelände ist in den vergangenen Jahrzehnten ein junger, artenreicher Wald entstanden – in der Ratsanfrage ist von 500 bis 600 Bäumen die Rede, davon 150 bis 200 bereits unter der Leipziger Baumschutzsatzung. Auch geschützte Arten wie Zauneidechse und Moschusbock verbreiten sich mittlerweile in der grünen Oase. Die Rund 15 Bewohnenden haben ein gemeinschaftliches Leben aufgebaut, auf der ungenutzten Fläche und sogar mit den Vermietern über eine Zwischennutzung gesprochen.

Doch seit dem Januar 2026 droht dieses kleine Paradis zu platzen: Auf der linken Plattform knack.news berichten Bewohnerinnen, am 7. Januar habe ein Gerichtsvollzieher vor Ort gestanden, der ankündigte, eine Räumung sei "jeder Zeit" möglich. Radio Corax  berichtet, der Grundstückseigentümer wolle den Wagenplatz entfernen um eine (X)XXLutz Fiale zu eröffnen, obwohl eine Bebauung aus Sicht der Gesprächspartnerinnen nicht unmittelbar bevorstehe.

Was sagt die Stadt Leipzig?

Die Stadtverwaltung bestätigt in ihrer schriftlichen Antwort an den Stadtrat (Anfrage aus der Fraktion DIE LINKE), dass die Einrichtung des Wagenplatzes nach Auskunft der Eigentümerin ohne deren Kenntnis erfolgt sei und keine formellen Genehmigungen vorlägen.

Die Eigentümerin plant laut Stadt die Ansiedlung eines Einrichtungshauses und eines Trendmöbelhauses. Auf Grundlage des aktuellen Planungsrechts wäre das Vorhaben nicht zulässig; dafür sei ein neuer Bebauungsplan nötig. Ein entsprechender Antrag auf Einleitung eines vorhabenbezogenen B-Plan-Verfahrens sei gestellt worden. Das Projekt sei im April und September 2025 in kommunalen Gremien vorgestellt und dort grundsätzlich positiv bewertet worden.

"Wald" nach Sächsischem Waldgesetz

Brisant ist die Einschätzung der unteren Forstbehörde: Die westlich des ehemaligen Baumarktes gelegene Fläche sei als Wald im Sinne des Sächsischen Waldgesetzes eingestuft worden. Das heißt nicht automatisch, dass die Räumung gestoppt wird, erhöht aber die Relevanz von Arten- und Baumschutz im weiteren Verfahren. Die Stadt will die entsprechenden Belange in einer möglichen Bauleitplanung berücksichtigen und abwägen.

Räumung, Zwischennutzung, Ersatzfläche: Wo steht der Konflikt?

Laut Stadt hat die Eigentümerin der Verwaltung mitgeteilt, sie beabsichtige, Fahrzeuge vom Flurstück zu räumen und angetroffenen Personen Platzverweise zu erteilen. Zur Frage einer Zwischennutzung bis zu einem tatsächlichen Baubeginn gebe es zwar eine grundsätzliche Gesprächsbereitschaft, aber keine abschließende Lösung. Die Stadt habe angeboten, zu vermitteln; der Sachverhalt werde durch den Polizeivollzugsdienst begleitet.

Einen alternativen Standort stellt die Verwaltung derzeit nicht in Aussicht: Es gebe keine Überlegungen, dem "Hasenbau" eine Ausweichfläche anzubieten – auch, weil nur sehr wenige freie Flächen verfügbar seien und genehmigungsrechtliche Fragen bestünden. Diese Entscheidung würde die etablierten Lebensrealitäten der dort wohnenden Menschen in stark bedrängte, einschneidende Veränderungen stürzen.

Wagenplätze als Wohn- und "Grün-Inseln"

Dass Wagenplätze nicht nur Wohnorte, sondern in dicht bebauten Stadtteilen auch ökologische Funktionen übernehmen können, zeigt ein Bericht der Leipziger Hochschulzeitung (Beispiel Wagenplatz "KarlHelga" in Plagwitz): Dort wird Wagenleben als vergleichsweise boden-schonend beschrieben (ohne Betonfundament), verbunden mit Gemeinschaftsgärten, Teichen und Biodiversität. Diese entspräche auch der Debatte um den "Hasenbau": Die Ratsanfrage selber sieht die Brachfläche als wertvoller Lebensraum. Die Aktivist*innen und Anwohnenden, die den Müll beseitigten und die Fläche "wiederbelebten", trauern um die abgebrochenen Gespräche mit den Eigentümern, mit denen Sie langfristig in "gutem Austausch" standen.

Wie geht es weiter?

Politisch liegt der Fall inzwischen offiziell auf dem Tisch: Die Anfrage zur "Zukunft vom Wagenplatz Hasenbau in Rückmarsdorf" ist für die Ratsversammlung am 28. Januar 2026 terminiert. Hier sollen Fragen wie Alternativen für die Bewohner*innen, der Naturschutz des Gebietes und das Planungsrecht für den "Hasenbau" geklärt werden. Wie der Antragsteller Dr. Volker Külow jedoch berichtet, wird die Fragestunde aufgrund mangelnder Kapazitäten im Terminplan verschoben.

/news.de

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