Gesundheit

Bevor der Knochen bricht: Experte erklärt, welche Osteoporose-Warnzeichen oft übersehen werden

Osteoporose kann sich unter anderem durch starke Rückenschmerzen bemerkbar machen. Bild: AdobeStock / kanruthai

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  • Osteoporose wird häufig nicht korrekt erkannt, da die Symptome oft subtil sind
  • Oftmals werden die Beschwerden mit altersbedingten Rückenschmerzen verwechselt
  • Ein Experte erklärt, wann Sie die Symptome genauer betrachten sollten

Mehr Infos rund um Osteoporose und ähnliche Themen finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Dauerhafte Rückenschmerzen, eine krumme Haltung, eingeschränkte Beweglichkeit – was viele für normale Begleiterscheinungen des Alterns halten, ist oftmals deutlich ernster als gedacht. Dabei können die Beschwerden Hinweise auf eine Erkrankung sein, die oft erst erkannt wird, wenn es bereits zu Knochenbrüchen gekommen ist: Osteoporose.

Osteoporose: Die stille Knochenerkrankung

Rückenschmerzen werden allzu oft als Verspannung, Überbelastung oder simple Alterserscheinung abgetan. Dabei kommen viele nicht einmal auf die Idee, dass die Schmerzen auf die Knochengesundheit zurückzuführen sein könnten. Doch genau diese scheinbare Harmlosigkeit der Schmerzen kann schnell problematisch werden.

Osteoporose ist eine Knochenkrankheit, bei der die Knochendichte und -masse abnimmt, was zu porösen und brüchigen Knochen führt. Oftmals bleibt die Erkrankung lange unerkannt, da die Symptome subtil und schwer zuzuordnen sind. Daher bemerken Betroffene die Erkrankung häufig erst nach dem ersten Knochenbruch.

Warum die Diagnose bei Osteoporose oftmals schwerfällt

Wie Dr. Tilman Eßlinger, leitender Oberarzt in der Orthopädie und Unfallchirurgie der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, erklärt, werden frühe Anzeichen der Erkrankung oftmals unterschätzt - und leicht als harmlose Altersbeschwerden missverstanden. "Frühe Anzeichen für eine mögliche Osteoporose sind oft unspezifische Rückenschmerzen, die nicht auf eine klare Verletzung oder Schädigung zurückzuführen sind", so Eßlinger. AuchRöntgenaufnahmen oder eine körperliche Untersuchung versprechen nicht immer eine sichere Klärung des Ursprungs der Schmerzen.

Eßlinger zufolge führen die Beschwerden häufig zu sogenannten "Ermüdungsbrüchen". Gemeint sind Stressbrüche, die durch wiederholte Belastung oder verminderte Knochenqualität entstehen und oft zu belastungsabhängigen Schmerzen führen. Solche Brüche können beispielsweise an den Wirbelkörpern entstehen. In manchen Fällen bleiben solche Brüche nicht nur schmerzhaft, sondern werden auch behandlungsbedürftig.

Der entscheidende Punkt ist: Nicht jeder Rückenschmerz deutet sofort auf Osteoporose hin. Wichtig ist es, Rückenschmerzen im richtigen Zusammenhang zu betrachten: Wie lange bestehen sie? Gibt es eine klare Ursache? Liegen Risikofaktoren vor? Hat sich die Körperhaltung verändert? Gab es bereits frühere Brüche?

Welche Frühwarnzeichen gibt es bei Osteoporose?

Ein mögliches frühes Warnzeichen sind Rückenschmerzen, für die es keine eindeutige Erklärung gibt. Eßlinger spricht ausdrücklich von Beschwerden, "die nicht auf eine klare Verletzung oder Schädigung zurückzuführen sind". Solche Schmerzen werden im Alltag oft als Überlastung oder Altersbeschwerde eingeordnet. 

Hinzu kommen sichtbare Veränderungen am Körper wie etwa eine zunehmend gebeugte Haltung. Diese kann ein Hinweis darauf sein, dass sich an der Wirbelsäule etwas verändert hat. Auch ein Größenverlust sollte nicht vorschnell abgetan werden. Wenn Wirbelkörper an Höhe verlieren oder brechen, kann sich die Körpergröße messbar verringern. In diesem Zusammenhang tritt häufig auch das sogenannte "Tannenbaumphänomen" auf. Dabei bilden sich am Rücken Hautfalten, die optisch an einen Tannenbaum erinnern. Eßlinger empfiehlt auch hier eine grundlegende Abklärung.

Wichtig bleibt: Keines dieser Zeichen beweist für sich allein eine Osteoporose. Rückenschmerzen, Größenverlust oder eine gebeugte Haltung können unterschiedliche Ursachen haben. Aber sie sind Hinweise, die ernst genommen werden sollten - besonders dann, wenn sie zusammen mit Risikofaktoren auftreten.

Wer ein erhöhtes Osteoporose-Risiko hat

Nicht alle Menschen haben dasselbe Risiko für Osteoporose. Betroffen sind insbesondere Frauen nach den Wechseljahren. Durch die hormonelle Umstellung kann der Knochenabbau zunehmen. Dennoch können auch Männer an Osteoporose erkranken, vor allem wenn weitere Risikofaktoren hinzukommen. Laut Eßlinger zählen dazu unter anderem:

  • Die Einnahme von Medikamenten (beispielsweise Cortison, Magenschutz oder Antidepressiva)
  • Genetische Veranlagungen durch die familiäre Vorgeschichte
  • Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Diabetes oder eine Überfunktion der Schilddrüse
  • Lebensstilfaktoren wie Mangelernährung, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkoholkonsum

Eßlinger rät: "Sollten einige dieser Faktoren kombiniert auftreten, ist eine Knochendichtemessung ratsam." Dabei handelt es sich um eine Messung der Mineraldichte der Knochen mittels DXA (Dual-Energy X-Ray Absorptiometry), ein spezielles Röntgenverfahren, bei dem zwei verschieden starke Röntgenstrahlen durch die Knochen geschickt werden. Mithilfe des Verfahrens lässt sich die Knochendichte besonders präzise messen, was Rückschlüsse auf die Stabilität der Knochen und das Risiko für Frakturen erlaubt.

Patienten mit einem erhöhten Osteoporose-Risiko haben zudem auch ohne zuerst eine Fraktur erlitten zu haben Anspruch auf eine kassenfinanzierte Knochendichtemessung. Bei nachgewiesener Osteoporose und spezifischer medikamentöser Therapie werden die Kosten sogar alle fünf Jahre übernommen.

Osteoporose kostet uns "bis zu 11 Milliarden Euro pro Jahr"

Die größte Schwäche der Früherkennung liegt für Eßlinger im fehlenden Bewusstsein für die Erkrankung: "Osteoporose wird oft spät erkannt, weil das Bewusstsein für diese Erkrankung sowohl in der Bevölkerung als auch bei Ärzten noch nicht ausreichend ausgeprägt ist", erklärt der Spezialist. Osteoporose ist vielen Menschen als Begriff durchaus bekannt. Das Problem: Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit Nummer 1 – sie sind die häufigste Beschwerde in der Bevölkerung, wobei nicht nur alte Menschen von ihnen betroffen sind. 

Gerade deshalb ist es wichtig, Risikofaktoren systematisch mitzudenken: Alter, Geschlecht, Medikamente, Vorerkrankungen, familiäre Belastung und Verlauf der Beschwerden funktionieren nicht als einzelne Risikofaktoren, sondern sind als großes Ganzes zu betrachten. Eßlinger spricht sich deshalb für mehr Screening aus. "Eigentlich sollte ab dem 60. Lebensjahr - bei Risikopatienten sogar früher – ein regelmäßiges Screening erfolgen", sagt er. So ließe sich eine Erkrankung, die gut behandelbar ist, früher erkennen.

Eine frühere Diagnose könnte dabei nicht nur Folgeschäden, sondern auch die Kosten für das Gesundheitssystem reduzieren. Eßlinger verweist darauf, dass Osteoporose "die hohen Folgekosten für die Gesellschaft" mitverursacht, "die in Deutschland je nach Studie bis zu 11 Milliarden Euro pro Jahr betragen können". Besonders durch Folgeschäden wie Mobilitätsverlust, Pflegebedürftigkeit oder den Verlust der Selbstständigkeit entstehen enorme Kosten für die Krankenkassen.

Angehörige können bei der Erkennung helfen

Entscheidend ist also, dass Osteoporose nicht erst dann zum Thema werden sollte, wenn ein Knochen gebrochen ist. Wer Risikofaktoren kennt und Warnzeichen ernst nimmt, kann die Erkrankung früher ansprechen und abklären lassen – und somit Folgeschäden verhindern. Im Arztgespräch können konkrete Fragen helfen: Könnte bei mir ein Osteoporose-Risiko bestehen? Ist eine Knochendichtemessung sinnvoll? Können meine Medikamente das Risiko erhöhen? Sollte mein Vitamin-D-Spiegel überprüft werden? Müssen meine Rückenschmerzen weiter abgeklärt werden?

Auch Angehörige können eine wichtige Rolle spielen. Sie bemerken manchmal früher, wenn jemand kleiner wirkt, sich stärker nach vorn beugt oder Bewegungen vermeidet. Solche Beobachtungen sollten nicht dramatisiert, aber ernst genommen werden. Osteoporose ist häufig behandelbar, wird aber oft zu spät erkannt. Früherkennung beginnt damit, Beschwerden nicht vorschnell als Alterserscheinung abzutun - und bei passenden Warnzeichen gezielt nachzufragen.

Warnzeichen, die abgeklärt werden sollten
  • Rückenschmerzen, die länger als etwa zwei Wochen anhalten
  • Rückenschmerzen ohne klare Verletzung oder erkennbare Ursache
  • zunehmender Größenverlust
  • zunehmend gebeugte Haltung
  • Hautfalten am Rücken im Sinne des Tannenbaumphänomens
  • Hinweise auf Wirbelkörperbrüche
  • Knochenbrüche bei geringer Belastung
  • Kombination mehrerer Osteoporose-Risikofaktoren

Dr. Tilmann Eßlinger Bild: Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren

Zur Person: Dr. Tilman Eßlinger ist leitender Oberarzt in der Orthopädie und Unfallchirurgie der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren. Nach Stationen u. a. in Ulm und Passau war er langjähriger Chefarzt in den Kliniken Ottobeuren und Mindelheim. Zuletzt war er in München bzw. in Weißenhorn nahe Ulm als Chefarzt in der Orthopädie tätig. Seine Expertise umfasst u.a. die gelenkerhaltende und gelenkersetzende Chirurgie, dabei in den letzten Jahren überwiegend die Revisionschirurgie an den Gelenken sowie die Sporttraumatologie. Darüber hinaus besitzt er die Zusatzbezeichnung "Röntgendiagnostik Skelett".

Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.

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