Gesundheit

Bas Kast im Interview: Teurer Urin oder Wundermittel? Diese Supplemente werden laut Experte unterschätzt

Wissenschaftsautor Bas Kast hat bei seinen Recherchen Nahrungsergänzungsmittel näher unter die Lupe genommen. Bild: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

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  • Hype um Nahrungsergänzungsmittel
  • Bas Kast und die große Supplement-Ernüchterung: Warum ausgerechnet die langweiligsten Vitamine oft besser sein können
  • Wieso die Social-Media-Logik mehr hilft, falsch ist und es oft keine langen Supplement-Routinen braucht

"Wenn wir gesünder leben wollen, brauchen wir einfach nur dieses eine Supplement." Vielleicht haben sie das auch schon auf ihrer For-You-Page in den sozialen Medien gesehen. Meine ist voll davon. Der Feed quillt über mit spektakulären und teilweise gefährlichen Wirkstoffempfehlungen. Es klingt so verlockend und einfach: Pille rein und gesund sein. Der Hype um Nahrungsergänzungsmittel reißt nicht ab und offenbart zwei Extreme: Die einen halten Vitamine lediglich für Substanzen, die teuren Urin verursachen, die anderen schlucken täglich zehn oder mehr Kapseln für Gesundheit und Langlebigkeit. Bestsellerautor Bas Kast wurde unfreiwillig mit Nahrungsergänzungsmitteln konfrontiert. Er wollte wissen, wer recht hat. Die Antwort darauf ist kompliziert.

Zum Experten: Bas Kast ist Wissenschaftsautor. Er studierte Biologie und Psychologie. Er wurde für sein erstes Buch, den "Ernährungskompass", mit dem Preis "Wissensbuch des Jahres" (2018) ausgezeichnet. Das Buch wurde zum Bestseller, genauso wie das Kochbuch dazu. Er veröffentlichte unter anderem auch den "Kompass für die Seele" und "Warum ich keinen Alkohol mehr trinke". 2026 erschien der "Vitamin- und Nährstoffkompass".

Wie Bas Kast seine Meinung zu Nahrungsergänzungsmitteln änderte

Nahrungsergänzungsmittel waren lange bei Wissenschaftsautoren kein Thema. Beim "Ernährungskompass" schnitt er zwar Vitamine und Mineralstoffe an, ging aber nicht auf Supplemente ein. "Ich bin in der Not zu dem Pauschalurteil gekommen: Du brauchst es im Grunde nicht, wenn du dich ausgewogen ernährst", sagte Bas Kast im Interview mit news.de. Für ihn war es eine Art Notlösung. Er kam durch eigene Videos auf YouTube und Fragen seiner Community in das Thema rein. Mit der Zeit vertiefte er sich in das allgegenwärtige Thema und schrieb "Der Vitamin- und Nährstoffkompass". Das Buch ist nicht nur ein Ratgeber, sondern auch ein Gegenstück zu den selbsternannten Social-Media-Experten, da Bas Kast das Thema neu vermisst. Eine Spurensuche, die vor allem zeigt: Trends braucht es nicht immer.

Wieso Bas Kast ein langweiliges Multivitamin mehr überzeugt als Longevity-Pillen

Gerade strebt gefühlt jeder Influencer nach einem langen Leben. Social Media liebt NAD-Booster, Resveratrol, Longevity-Pillen und Biohacking. Die Evidenz hat Bas Kast nicht überzeugt, selbst diese Substanzen zu testen. Ausgerechnet ein langweilig anmutendes Multivitamin hat ihn überzeugt und neugierig gemacht. Der Startschuss für eine lange Recherche. "Eines Tages stieß ich auf eine sehr eindrucksvolle Studie, die ich am Anfang des Buches beschreibe, in der eben eine hochkarätige Forschergruppe Alzheimerpatienten mit einem rigorosen Lifestyle-Programm behandelt hat und nach Monaten zeigen konnte, dass die Alzheimersymptome gestoppt und sogar rückgängig gemacht werden konnten. (..) Als ein Baustein dieser Lifestyle-Veränderungen kamen auch Supplements zum Einsatz in dieser Gruppe." Eine in der Fachpublikation "Nature Medicine" veröffentlichte Studie zeigte auch, dass ein Multivitamin den epigenetischen Alterungsprozess und somit chronische Erkrankungen lindern kann. Hier zeigt sich auch: Eindeutig ist das noch nicht geklärt. Es sind erste Hinweise, dass diese Präparate helfen könnten.

Experte Bas Kast empfiehlt Mischpräparate statt hoher Dosen

Immer wieder werden hohe Dosen von Supplements von Influencern empfohlen. Wir Menschen suchen manchmal nach einfachen Lösungen. Die Gefahr, die von zu hohen Dosen ausgehen kann, ist eher eine Randnotiz. Gerade bei Pflanzenstoffen wie Ashwaganda und anderen Polyphenolen ist Vorsicht geboten. Es kann - wenn auch sehr selten - zu Leberschäden kommen, erklärte Bas Kast. Was mir durch Bas Kast noch einmal bewusst wurde: Diese Wirkstoffe kommen in höheren Dosen vor. In geringem Maße seien Grüntee oder Ingwer gesund. "Ich möchte niemandem sagen, wie viel er supplementieren soll. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich will nur wiedergeben, wie sich die heutige Studienlage darstellt." Damit spricht er unbeabsichtigt etwas an, was ich im Netz sehe: Es wird nach Dosierungsempfehlungen gelechzt und schnell den Empfehlungen der Influencer geglaubt. Gleichzeitig sei es laut Bas Kast sinnvoller, in einigen Fällen, wie Vitamin D und Vitamin K zu nehmen als einzelne Hochdosis-Supplements. "Der Körper mag Konzerte, keine einzelnen Instrumente", sagte Bas Kast. Heißt im Klartext: Das Zusammenspiel ist oft wichtiger als Maximierung.

Nahrungsergänzungsmittel auf dem Prüfstand: Wieso es keine langen Influencer-Empfehlungen braucht

Darum geht es scheinbar: maximale Dosen. Doch die Social-Media-Logik irrt sich. Es braucht keine langen Influencer-Produktlisten mit Nahrungsergänzungsmitteln, sondern nüchterne Empfehlungen, die sich mit der aktuellen Studienlage decken. Bas Kast hat mir eine eigene Liste präsentiert. Sie fällt eher nüchtern aus. Er hält eine Vitamin-D-Supplementierung für wichtig, genauso wie Jod sowie Vitamin B12 für Veganer und viele Vegetarier. Gegebenenfalls kann ein moderat dosiertes Magnesium sinnvoll sein. Der Omega-3-Bedarf sollte eher über Lebensmittel gedeckt werden, wie Bas Kast immer wieder betonte.

Supplemente sind keine Bonbons, die wir nach Lust und Laune einnehmen sollten. Ich selbst achte darauf, lasse meine Werte regelmäßig beim Arzt checken und falle nicht auf selbsternannte Supplements-Experten in meiner Timeline herein.

Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.

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