Mediziner rät: Finger weg von juckenden Ohren - Warnsignal wird oft nicht ernst genommen
Auch wenn es im Ohr juckt, sollte man besser die Finger davon lassen. Bild: Adobe Stock/SKT Studio
Erstellt von Ines Fedder
09.04.2026 12.57
- Was tun bei Juckreiz im Ohr?
- Mediziner warnt vor Eigenbehandlung durch Wattestäbchen und Co.
- Juckreiz im Ohr - darauf deutet das Symptom hin
- Hausmittel-Tipps zur schnellen Linderung bei Ohrenjucken
- Wann ein Arztbesuch unvermeidlich ist
Sobald es im Ohr kribbelt, wandert die Hand reflexartig zu einem längeren nächsten Gegenstand – sei es ein Kugelschreiber, ein Schlüssel oder schlicht der kleine Finger. Das Kratzen verschafft zwar kurzzeitig Erleichterung, doch langfristig verschärft es das Problem erheblich. Auch vor dem Einsatz von Wattestäbchen wird gewarnt. Was wirklich dahintersteckt, wenn es im Ohr juckt.
Jucken im Ohr - HNO-Arzt mahnt zur Vorsicht
"Dauerhaft wird das Problem so definitiv nicht gelöst", mahnt HNO-Arzt Ater-Arslan Sajid gegenüber der "Bild". Der Mediziner betont, dass das Jucken selbst selten die eigentliche Erkrankung darstellt, sondern vielmehr ein Warnsignal des Körpers ist. "Wenn man immer weiter kratzt, wird der Juckreiz sich höchstwahrscheinlich verschlimmern", so der Experte.
Das Tückische daran: Die Haut im Gehörgang ist besonders dünn und empfindlich. Bereits minimale Reibung kann winzige Risse verursachen. Daraus entsteht ein verhängnisvoller Kreislauf – jede Reizung verstärkt den Juckreiz, der wiederum zum erneuten Kratzen verleitet.
Von Entzündungen bis Allergien: Was hinter dem Jucken steckt
Hinter dem lästigen Kribbeln verbergen sich zahlreiche mögliche Auslöser. Häufig liegt eine Gehörgangsentzündung vor, die durch eine Kombination aus Bakterien und Pilzen entsteht. Typische Begleiterscheinungen sind dann Druckgefühl, Schmerzen beim Kauen sowie übelriechender Ausfluss.
Auch Hauterkrankungen wie Ekzeme oder Schuppenflechte können das Ohrenjucken auslösen. Allergische Reaktionen spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle – Pflegeprodukte wie Shampoos, Haarsprays oder Seifen kommen als Übeltäter infrage. Selbst Metalle in Ohrringen lösen bei manchen Menschen Beschwerden aus.
Überraschend: Sowohl zu viel als auch zu wenig Ohrenschmalz kann problematisch sein. Während ein Mangel die Haut austrocknet, bildet sich bei Überschuss mitunter ein Pfropf, der zusätzlich das Hörvermögen beeinträchtigt. Saisonale Allergien wie Heuschnupfen äußern sich gelegentlich ebenfalls durch juckende Ohren.
Wattestäbchen gehören nicht ins Ohr
Viele Menschen greifen vermeintlich sanfter zum Wattestäbchen – ein Trugschluss mit Folgen. "Wenn es einen Ort gibt, an dem Wattestäbchen nichts zu suchen haben, dann sind es unsere Ohren", stellt HNO-Arzt Sajid klar.
Der Grund liegt in der wichtigen Funktion des Ohrenschmalzes. Das körpereigene Sekret hält die empfindliche Haut im Gehörgang geschmeidig und bildet eine natürliche Barriere gegen Krankheitserreger. Zudem befördert es Fremdkörper selbstständig nach außen.
Wird diese Schutzschicht durch Wattestäbchen entfernt, verliert das Ohr seinen natürlichen Abwehrmechanismus. Die Folge: Bakterien und Pilze haben leichteres Spiel, Reizungen und Infektionen treten häufiger auf. Statt das Problem zu lösen, schafft die gut gemeinte Reinigung erst die Voraussetzungen für neue Beschwerden.
Kopfhörer als unterschätzte Problemquelle
Der moderne Alltag bringt weitere Risikofaktoren mit sich. In-Ear-Kopfhörer und Ohrstöpsel erweisen sich bei häufigem Gebrauch als problematisch für die Ohrgesundheit.
Die kleinen Geräte verursachen gleich mehrere Schwierigkeiten: Sie erzeugen Reibung an der empfindlichen Gehörgangshaut und drücken vorhandenes Ohrenschmalz tiefer ins Ohr hinein. Gleichzeitig entsteht durch die Abdichtung ein feucht-warmes Klima – optimale Wachstumsbedingungen für Bakterien und Pilze.
Hinzu kommt die mangelnde Belüftung des Gehörgangs. Ohrenschmalz und Krankheitserreger sammeln sich an, wenn die Kopfhörer dauerhaft getragen werden. Experten empfehlen daher, die Ohrstöpsel oder Kopfhörer regelmäßig herauszunehmen und dem Ohr Pausen zu gönnen. So bleibt die natürliche Luftzirkulation erhalten.
Hausmittel-Tipps: Olivenöl statt Eigenbehandlung – wann der Arztbesuch nötig ist
Bei übermäßigem Ohrenschmalz kann ein einfaches Hausmittel Abhilfe schaffen: Einige Tropfen Olivenöl oder Sonnenblumenöl weichen das Sekret auf und erleichtern das natürliche Abfließen. Am Folgetag lässt sich das Ohr vorsichtig spülen.
Bei Gehörgangsentzündungen mit Schmerzen empfinden viele Betroffene Kälteanwendungen als wohltuend – etwa einen in ein Tuch gewickelten Eisbeutel. Auch verdünnter Apfelessig kann den Juckreiz lindern.
Hinweis:
Die hier beschriebenen Hausmittel basieren überwiegend auf traditionellen Erfahrungen und sind nicht oder nur begrenzt wissenschaftlich belegt. Ihre Wirksamkeit kann individuell unterschiedlich ausfallen und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung durch qualifiziertes Fachpersonal.
Die wichtigste Regel lautet jedoch: "Nicht selbst herumdoktern", betont Sajid. Eine kurze Untersuchung beim HNO-Arzt klärt, ob Antibiotika gegen Bakterien, Antimykotika gegen Pilze oder Antihistaminika bei Allergien erforderlich sind.
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