Gesundheit

Haarwachstum stimulieren: Welche Mittel helfen wirklich bei Haarausfall - und welche nicht?

Bei androgenetischer Alopezie, also genetisch bedingtem Haarausfall, helfen Shampoos nicht. Doch zwei Mittel zeigen trotzdem Wirkung. Bild: AdobeStock / gpointstudio

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  • So gut wie alle Männer sind früher oder später von Haarausfall betroffen
  • Es gibt kaum wirksame Mittel, die wirklich gegen Haarverlust helfen
  • In Drogerien werden oftmals Produkte verkauft, die nichts bringen

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Lichter werdendes Haar belastet Millionen Menschen in Deutschland. Rund 85 Prozent aller Männer sind im Laufe ihres Lebens von Haarausfall betroffen, bei Frauen kämpft etwa jede Dritte mit dem Problem. Der Verlust von bis zu 100 Haaren täglich gilt dabei als völlig normal - erst bei Überschreitung dieses Wertes sprechen Mediziner von krankhaftem Haarverlust. Was sind die Auslöser - und was hilft dagegen?

Welche verschiedenen Formen von Haarverlust gibt es?

Mediziner unterscheiden üblicherweise in drei verschiedene Kategorien von Haarausfall, die jeweils durch unterschiedliche Auslöser bedingt sind:

  • Androgenetische Alopezie: Die mit Abstand häufigste Variante bei Männern zeigt sich typischerweise durch zurückweichende Stirnpartien und lichte Stellen am Hinterkopf. Ursache ist das Hormon Dihydrotestosteron (DHT), ein Abbauprodukt von Testosteron, das die Wachstumsphase der Haare verkürzt.
  • Kreisrunder Haarausfall: Die zweithäufigste Form von Haarausfall, charakteristisch sind münzgroße, kahle Stellen, die plötzlich auftreten können. Experten vermuten eine Fehlsteuerung des Immunsystems als Ursache - dabei greifen Abwehrzellen die eigenen Haarwurzeln an.
  • Diffuser Haarausfall: Das Haar dünnt gleichmäßig über den gesamten Kopf aus. Diese Form ist meist nur vorübergehend und kann unter anderem durch anhaltenden psychischen oder körperlichen Stress ausgelöst werden.

Nur zwei Wirkstoffe helfen nachweislich

Trotz der Fülle an Produkten im Handel sind aus wissenschaftlicher Sicht lediglich zwei Substanzen tatsächlich wirksam gegen Haarausfall: Minoxidil und Finasterid. Minoxidil wurde ursprünglich als Blutdrucksenker entwickelt, wobei verstärkter Haarwuchs als Nebeneffekt auffiel. Der Wirkstoff wird als Lösung auf die Kopfhaut aufgetragen. Finasterid blockiert wiederum das Hormon DHT und war zunächst zur Behandlung von Prostatavergrößerungen gedacht. Von den beiden Medikamenten hat Finasterid die schwerer wiegenden Nebenwirkungen:

  • verminderter Sexualtrieb
  • Erektionsprobleme
  • depressive Verstimmungen

Beide Mittel wirken nur bei dauerhafter Anwendung - nach dem Absetzen setzt auch der Haarausfall wieder ein. Wer die Mittel nutzen möchte, sollte daher sowohl die Nebenwirkungen als auch die Kosten für die Mittel im Blick behalten.

Drogerie-Produkte ohne wissenschaftlichen Nachweis

Die Regale in Drogerien und Apotheken sind voll mit Mitteln, die volleres Haar versprechen. Shampoos, Lotionen und Tabletten enthalten häufig Inhaltsstoffe wie Koffein, Biotin, Kieselerde, Aloe vera, Ginkgo biloba oder Spurenelemente wie Zink und Kupfer. Bekannte Marken wie Alpecin für Männer oder Plantur für Frauen setzen etwa auf Koffein als Wirkstoff.

Doch für diese Produkte fehlt der wissenschaftliche Beleg. Auch vermeintliche Wundermittel aus sozialen Medien wie Rosmarinöl halten nicht, was sie versprechen - Studien zufolge ist es hier eher die begleitende Kopfhautmassage, die einen positiven Effekt zeige, nicht das Öl selbst.

Ärztliche Abklärung vor jeder Behandlung unerlässlich

Bevor Betroffene zu Mitteln greifen, sollten sie jedoch zunächst die Ursache ihres Haarverlusts ermitteln lassen. Die Diagnose erfolgt in der Regel beim Dermatologen durch eine Anamnese, Bluttests zur Überprüfung von Hormonspiegeln und Nährstoffmängeln sowie gegebenenfalls eine mikroskopische Untersuchung der Haarwurzeln.

Von einer Behandlung auf eigene Faust ist abzuraten. Besondere Vorsicht sollten Betroffene bei Mitteln, die aus dem Ausland bestellt werden, walten lassen. Häufig entspricht die Kennzeichnung dieser Mittel nicht den EU-Standards. Zudem unterscheidet sich je nach tatsächlicher Diagnose die Therapie - so kommt bei kreisrundem Haarausfall etwa häufig Cortison zum Einsatz, während bei Nährstoffmangel eher Nahrungsergänzungsmittel verschrieben werden. Die Kosten für die Therapie müssen Betroffene häufig selbst tragen.

Hier können Sie mehr zu Haarausfall und Körperpflege lesen:

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