Mehrfach-Schutz gegen Atemwegsinfekte: Genügt bald eine Sprüh-Impfung gegen Influenza, Coronavirus und Co.?
Ein Sprühstoß in die Nase – und der Körper ist gegen Covid, Grippe, Erkältungen und sogar resistente Bakterien gewappnet. Was wie Science-Fiction klingt, haben Forscher der Stanford Medicine jetzt im Tierversuch Realität werden lassen. Bild: picture alliance/dpa | Philip Dulian
Erstellt von Claudia Löwe
28.02.2026 12.26
- Wissenschaft forscht an Mehrfach-Impfung gegen Influenza, Coronavirus und andere Atemwegsinfekte
- Vielversprechender Wirkstoff erzielt Erfolge in Laborversuchen
- Nasenspray statt Spritze: Kombi-Impfung soll vor Viren und Bakterien schützen
Wer sich vor Infektionskrankheiten wie der Virusgrippe oder dem Coronavirus schützen möchte, muss sich in der Arztpraxis seines Vertrauens Impfungen abholen, die mittels Injektion gespritzt werden - doch dieses Szenario könnte schon bald der Vergangenheit angehören, wie in der britischen "Metro" zu lesen ist.
Forscher tüfteln an Kombi-Impfstoff gegen Atemwegsinfekte und Allergien
In naher Zukunft könnte ein neuartiges Nasenspray umfassenden Schutz vor zahlreichen Atemwegserkrankungen bieten. Wissenschaftler der Stanford Medicine haben einen vielversprechenden Wirkstoff entwickelt, der in Tierversuchen gegen Covid-19, Influenza, Erkältungsviren und sogar bakterielle Infektionen wirksam war.
Neuartiger Universal-Impfstoff als Nasenspray statt Spritze geplant
Dr. Bali Pulendran, Leiter des Instituts für Immunität, Transplantation und Infektion an der Stanford Medicine, bezeichnet die Entwicklung als "universellen Impfstoff gegen verschiedene Atemwegsbedrohungen". Der Forscher skizziert eine Zukunftsvision: "Stellen Sie sich vor, Sie bekommen im Herbst ein Nasenspray, das Sie vor allen Atemwegsviren schützt, einschließlich Covid-19, Grippe, RS-Virus und Erkältungen, sowie vor bakterieller Lungenentzündung und Frühjahrsallergenen." Dies würde die medizinische Praxis grundlegend verändern.
Impfung gegen Grippe und Coronavirus bald ganz ohne Spritze möglich?
Das Spray mit der wissenschaftlichen Bezeichnung GLA-3M-052-LS+OVA funktioniert grundlegend anders als herkömmliche Impfstoffe. Während klassische Vakzine abgeschwächte Viren oder Virusbestandteile injizieren, um den Körper zu trainieren, setzt die neue Methode auf einen anderen Mechanismus. Nach der Verabreichung in die Nase aktiviert der Wirkstoff die T-Zellen der Versuchstiere. Diese Immunzellen schlagen Alarm und koordinieren weitere Abwehrzellen, um Infektionen in der Lunge zu bekämpfen. Das Spray enthält eine wirkungslose Version eines Antigens – also eines Moleküls, das die Immunreaktion auslöst. Statt einen harmlosen Erreger zu präsentieren, imitiert der Impfstoff die Kommunikationssignale zwischen Immunzellen.
Kombi-Impfung zum Sprühen soll Schutz gegen resistente Keime und Allergien bieten
Die Mäuseversuche zeigten ein bemerkenswert breites Wirkungsspektrum des Nasensprays. Neben Atemwegsviren schützte der Wirkstoff die Tiere auch vor Staphylokokken-Infektionen. Diese antibiotikaresistenten Bakterien verursachen eitrige Hautinfektionen, die bei Eintritt in die Blutbahn gefährlich werden können. Ebenso erwies sich das Spray als wirksam gegen Acinetobacter baumannii – einen weiteren Erreger, der häufig Medikamentenresistenzen entwickelt und Lungeninfektionen auslöst. Für Allergiker könnte die Entwicklung ebenfalls bedeutsam werden: In den Tests bot das Mittel auch Schutz vor Hausstaubmilben-Allergenen. Besonders vielversprechend erscheint Experten die Möglichkeit, mit dem Spray auch gegen künftige Pandemie-Erreger gewappnet zu sein.
Wann soll die Mehrfach-Impfung als Nasenspray auf den Markt kommen?
Als nächsten Schritt plant Dr. Pulendran, das Nasenspray an Menschen zu testen. Dabei sollen Probanden zunächst in kleinen, später in größeren Gruppen Erregern ausgesetzt werden. Doch bis das Mittel tatsächlich verfügbar ist, dürfte noch viel Zeit vergehen. Brendan Wren, Professor für mikrobielle Pathogenese an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, dämpft die Erwartungen: "Mindestens ein Jahrzehnt – die Forschung befindet sich in einem frühen Stadium." Umfangreiche Untersuchungen seien nötig, um sicherzustellen, dass der Impfstoff keine unbeabsichtigten Nebenwirkungen verursacht.
Vertiefende Lektüre gefällig? Dann bitte hier entlang:
- Mutanten-Grippe mit alarmierendem Symptom sorgt für vollere Kliniken
- Diese tödlichen Seuchen hätten um Haaresbreite die Menschheit ausgelöscht
- Mutiertes Grippevirus befeuert Experten-Sorge um nächste Pandemie
- Wer unter Pollenallergie leidet, sollte diese Lebensmittel nicht essen
- Keine Verschnaufpause für Allergiker - Allergie-Saison nimmt schon jetzt Fahrt auf