Magdeburg/Leuna: Erneute Insolvenz in Leuna - Willingmann: "Extrem bitter"
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Erstellt von Sarah Knauth
19.06.2026 13.49
Energieminister Armin Willingmann hält eine erneute Rettung des früheren Domo-Werks in Leuna für möglich. Er sei zuversichtlich, "dass das neu aufgestellte Unternehmen die akuten Schwierigkeiten mithilfe neuer Investoren lösen und Unternehmen vom Einstieg in Leuna überzeugen kann", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor war bekanntgeworden, dass die Polyamid GmbH einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hat - nur gut zweieinhalb Monate, nachdem eine Stilllegung des Chemiewerks abgewendet wurde.
Der erneute Insolvenzantrag so kurz nach dem Neustart sei "für alle Beteiligten und vor allem für die Beschäftigten extrem bitter", sagte Willingmann. Das Werk im Süden Sachsen-Anhalts sei für die gesamte Chemieindustrie im Land wichtig. Derzeit ist dort eine Fortführung des Betriebs außerhalb eines Insolvenzverfahrens nach Angaben des Unternehmens nicht mehr möglich.
"Wir steuern in eine Katastrophe, die den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt zerstört, Arbeitsplätze vernichtet und unsere Zukunft ruiniert", sagte der BSW-Landesvorsitzende von Sachsen-Anhalt, Thomas Schulze. Dass es erneut zu einer Insolvenz gekommen sei, sei "absolutes Versagen der Landespolitik unter Führung der CDU".
Hunderte Arbeitsplätze gerettet - und jetzt?
Die Geschäftsführung der Polyamid GmbH hatte angegeben, dass weltpolitische Entwicklungen, die zu stark gestiegenen Rohstoffpreisen geführt hätten, Grund für die Insolvenz seien.
Dem Chemiewerk Domo Caproleuna in Leuna drohte zum Ende des vergangenen Jahres die Stilllegung, weil im Unternehmen kein Geld für die Finanzierung des laufenden Betriebs vorhanden war. Daraufhin war Anfang April die Leuna Polyamid GmbH als Auffanggesellschaft neu gegründet worden.
Das insolvente Unternehmen wurde dann an die Gesellschaft übertragen. Sie wird jeweils hälftig von InfraLeuna und dem auf dem Gelände des Chemieparks ansässigen Unternehmen Leuna-Harze getragen. Den Angaben zufolge hatte die Polyamid GmbH den Standort und die Immobilie in Leuna sowie 436 der zuletzt rund 500 Beschäftigten übernommen.
Ministerium will wieder unterstützen
Die Leuna Polyamid GmbH wollte nach ihrer Gründung die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens wiederherstellen, hieß es im April. Anschließend war eine Weiterentwicklung geplant.
Während der Suche nach neuen Investoren hatte das Land Sachsen-Anhalt einen Notbetrieb der Domo-Anlagen finanziert, weil die Anlagen nicht gefahrlos heruntergefahren werden konnten. Dabei entstanden Kosten in Höhe von rund 80 Millionen Euro. Willingmann hatte später erklärt, dass davon auszugehen sei, dass das Land nur einen Bruchteil von dem Geld wiederbekomme. Im Falle der neuen Insolvenz wollen sein Ministerium und die Staatskanzlei dennoch "nach Kräften" unterstützen. "Seitens des Umweltministeriums behalten wir – wie auch schon im ersten Insolvenzverfahren – Anlagensicherheit sowie Immissions- und Umweltschutz weiter im Fokus."
Gegen drei frühere Geschäftsführer der Domo Caproleuna GmbH wird derzeit von der Staatsanwaltschaft Halle wegen des Vorwurfs der Insolvenzverschleppung ermittelt. An dem Standort in Leuna hatte Domo vor allem Kunststoff hergestellt, der unter anderem in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet wird.
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