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Netto sorgt für Ernüchterung: Wie sehr lohnt sich eine Gehaltserhöhung um 100 Euro?

Bei einer kleinen Gehaltserhöhung ist der Unterschied vor allem nach den Abzügen kaum noch zu erkennen. Bild: AdobeStock / Stockfotos-MG

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  • Von einer kleinen Gehaltserhöhung bleibt meist kaum etwas über
  • Der Unterschied ist aufgrund der Abzüge bei 100 Euro praktisch nicht erkennbar
  • Wir stellen Ihnen clevere Alternativen zur direkten Lohnerhöhung vor

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Viele Arbeitnehmer dürften sich über 100 Euro mehr am Ende des Monats im Rahmen einer Gehaltserhöhung freuen - doch der Blick auf die Gehaltsabrechnung trübt die Freude. Denn: Vom Bruttogehalt gehen noch Steuern und Sozialabgaben ab. Was auf dem Papier also grundsätzlich gut klingt, ist in der Praxis viel weniger, als viele erwarten würden. Wie Sie errechnen, wie viel Ihnen danach überbleibt, erfahren Sie hier.

Wie viel bleibt von der Gehaltserhöhung über?

Besonders bei kleinen Gehaltserhöhungen ist die Gefahr groß, dass der Unterschied nach den Abzügen kaum zu bemerken ist. Viele Arbeitnehmer erhoffen sich hier häufig zu viel. Je nach Einkommen handelt es sich meist lediglich um 50 bis 60 Euro Netto, die der Arbeitnehmer dazu bekommt. Gleichzeitig zahlt der Arbeitgeber laut Steuerberater Sascha Matussek rund 120 Euro - ein schlechter Deal, wenn nur so wenig hängen bleibt. Die gute Nachricht: Auch eine kleine Gehaltserhöhung wirkt sich positiv auf künftig zu erwartende Gehälter sowie die Rentenpunkte aus. Unsere Tabelle zeigt Ihnen, wie viel einem verheirateten Arbeitnehmer der Steuerklasse III (ohne Kinder) letztlich über bleibt:

Bisheriges Brutto Bisheriges Netto +100 Euro Gehaltserhöhung Neues Netto Tatsächliche Gehaltserhöhung
2.800 Euro ca. 2.180 Euro 2.900 Euro ca. 2.246 Euro ca. 66 Euro
3.000 Euro ca. 2.312 Euro 3.100 Euro ca. 2.377 Euro ca.65 Euro
3.200Euro ca. 2.441 Euro 3.300 Euro ca. 2.504 Euro ca. 63 Euro
3.400 Euro ca. 2.556 Euro 3.500 Euro ca. 2.629 Euro ca. 73 Euro
3.600 Euro ca. 2.690 Euro 3.700 Euro ca. 2.750 Euro ca. 60 Euro
3.800 Euro ca. 2.810 Euro 3.900 Euro ca. 2.869 Euro ca. 59 Euro
4.000 Euro ca. 2.928 Euro 4.100 Euro ca. 2.987 Euro ca. 59 Euro
4.200 Euro ca. 3.046 Euro 4.300 Euro ca. 3.105 Euro ca. 59 Euro

* Der fiktive Arbeitnehmer in diesem Beispiel lebt in Berlin, zahlt keine Kirchensteuer und zahlt einen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent.

Welche Alternativen sind schlauer als eine direkte Gehaltserhöhung?

Das Grundgehalt ist die Basis aller Gehaltsverhandlungen - je mehr es steigt, desto besser. Besonders bei einem Jobwechsel kann das wichtig werden. Wer allerdings tatsächlich spürbar mehr Geld in der Hand halten möchte, profitiert von kleinen Erhöhungen kaum. Besser sind steuerfreie oder pauschal besteuerte Alternativen zu Gehalt - beispielsweise in Form von Fahrkostenzuschüssen.

Zusatzleistungen wie diese sind für beide Seiten ein deutlich besserer Deal: Einerseits sind sie für den Arbeitgeber günstiger, andererseits lohnen sie sich im Hinblick auf die Rechnung zum Monatsende auch mehr für den Arbeitnehmer, für den etwa die Fahrtkosten gedeckt werden, die sonst vielleicht deutlich mehr zu Buche geschlagen hätten als 60 Euro.

Bessere Gehaltsstruktur macht den Unterschied

Nicht immer ist die einfachste Lösung - in diesem Fall eine einfache Erhöhung des Bruttogehalts - auch wirklich die beste Methode, um das Einkommen zu steigern. Stattdessen kann eine bessere Struktur und teilweise Übernahme der Kosten rechnerisch deutlich mehr bringen. Entsprechend sollten bei der nächsten Gehaltsverhandlung nicht nur das Gehalt selbst, sondern auch mögliche Boni besprochen werden.

Kleine Lohnsteigerungen mögen sich nach einem großen Erfolg anfühlen, doch wenn kaum etwas über bleibt, ist das ein schlechter Deal. Für Arbeitnehmer lohnt sich eine Gehaltserhöhung erst ab einer Höhe von mehr als 200 bis 300 Euro im Monat. Gleichzeitig sollten Arbeitnehmer bedenken, dass jeder Schritt auf dem Gehaltstreppchen nach oben lohnenswert für spätere Verhandlungen sein kann.

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