Mehrere Sendungen auf der Kippe: ARD-Sparhammer bedroht diese beliebten MDR-Formate
Bei einer Videokonferenz flossen Tränen, als MDR-Intendant Ralf Ludwig den Mitarbeitern das Aus für gleich zwei Sendungen verkündete. Bild: picture alliance/dpa | Jan Woitas
Erstellt von Claudia Löwe
08.05.2026 08.39
- Knallharter Sparkurs im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
- MDR vor radikalem Programmumbau - "MDR um zwei" soll gestrichen werden
- Verliert der Mitteldeutsche Rundfunk das ARD-"Mittagsmagazin"?
Der Mitteldeutsche Rundfunk steht Berichten zufolge vor einem tiefgreifenden Programmumbau. Nach Informationen von "Bild" soll das Nachmittagsmagazin "MDR um Zwei" zum Jahresende eingestellt werden – nach 13 Jahren auf Sendung.
MDR-Programmumbau steht bevor: "MDR um zwei" soll abgesetzt werden
Doch damit nicht genug: Auch das ARD-Mittagsmagazin, das erst vor einigen Jahren vom brandenburgischen RBB nach Leipzig geholt wurde, steht offenbar vor dem Aus beim MDR. Die Sendung soll an den Norddeutschen Rundfunk übergeben werden. Ein Mitarbeiter wird zitiert: "Wenn der NDR mitspielt, dann ist für das MiMa beim MDR schon im Sommer Schluss." Spätestens jedoch ende die Produktion am 31. Dezember 2026. Der Sender selbst hat die Streichungen noch nicht offiziell bestätigt, verweist aber auf notwendige Sparmaßnahmen aufgrund fehlender Mittel.
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk zum Sparen gezwungen: So reagieren die MDR-Mitarbeiter auf die Hiobsbotschaft
Die Hiobsbotschaft erreichte die Belegschaft am 7. Mai in einer Videokonferenz. MDR-Intendant Ralf Ludwig und Tim Herden, der das Landesfunkhaus in Magdeburg leitet, überbrachten die Nachricht persönlich. Für zahlreiche Beschäftigte kam die Ankündigung völlig unerwartet. Teilnehmende der Schalte schildern eine bedrückende Atmosphäre. Es herrschte Stille, viele reagierten mit Fassungslosigkeit – bei einigen flossen sogar Tränen. Die emotionale Reaktion zeigt, wie tief der Einschnitt die Mitarbeiter trifft. Pikant ist der Zeitpunkt der Bekanntgabe: Die offiziell zuständigen Kontrollgremien des Senders, darunter der Rundfunkrat, sollen erst am Freitag (08.05.2026) beziehungsweise am kommenden Montag (11.05.2026) über die Sparpläne in Kenntnis gesetzt werden, schreibt die "Mitteldeutsche Zeitung".
Rundfunkbeitrag nicht erhöht - MDR massiv unter Kostendruck
Hinter den drastischen Einschnitten steht enormer finanzieller Druck. Die von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs empfohlene Anhebung des Rundfunkbeitrags wurde Ende 2024 von den Bundesländern nicht umgesetzt. Seit Januar 2025 fehlen dem MDR dadurch erhebliche Mittel. Intern kursieren Zahlen von einem zusätzlichen Sparbedarf in zweistelliger Millionenhöhe. MDR-Intendant Ralf Ludwig hatte bereits vor Wochen angekündigt, dass die Einsparungen im Programm "spürbar" sein würden.
Sendersprecher Michael Naumann bestätigte gegenüber "DWDL" den Zusammenhang: "Die bislang durch die Bundesländer seit 1.1.2025 nicht erfolgte Umsetzung der Erhöhung des Rundfunkbeitrags bedeutet für den MDR eine umfangreiche Budget-Kürzung." Diese Situation zwinge den Sender zu "strategischen Entscheidungen", die sich unvermeidbar auf den Programmumfang auswirken würden.
MDR in Sachsen-Anhalt droht "MDR um zwei"-Sendung zu verlieren
Besonders hart treffen die Sparmaßnahmen das Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Dort wird "MDR um Zwei" produziert, das vor allem bei älteren Zuschauern beliebt war. Für den Standort ist es bereits der zweite schwere Einschnitt innerhalb weniger Jahre. Zuvor war bereits das Vormittagsformat "MDR um 11" gestrichen worden – ausgerechnet um Kapazitäten für das ARD-Mittagsmagazin freizumachen. Die damalige Übernahme der Sendung vom RBB galt als Prestigegewinn für Ostdeutschland. Nun räumt der MDR intern ein, sich damit übernommen zu haben. Offiziell spricht der Sender von "strategischen Entscheidungen", die notwendig seien, um die eigenen Stärken zu bewahren. Die Botschaft dahinter ist klar: Was nicht mehr finanzierbar ist, wird gestrichen.
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