Badezimmer-Revolution: Im Gespräch mit der Regionalmanagerin von X²O Badezimmer Deutschland
Badezimmer. Bild: AdobeStock / Photographee.eu
Erstellt von Felix Schneider
22.06.2026 06.47
Frau Herber, stellen wir Sie kurz vor: Welche Rolle haben Sie bei X²O, und was hat Sie eigentlich an einer Branche gereizt, die in vielen Köpfen immer noch nach Fliesenmuster und Katalogen aussieht?
Ich bin bei X²O als Regionalmanagerin verantwortlich und beschäftige mich täglich damit, unseren Kundinnen und Kunden ein außergewöhnliches Erlebnis rund um das Badezimmer zu bieten.
Was mich an dieser Branche besonders gereizt hat, ist, dass das Badezimmer oft unterschätzt wird. Viele denken dabei zunächst an schlichte Sanitärprodukte, dabei ist das Bad einer der persönlichsten Räume im ganzen Zuhause. Es ist ein Ort, an dem der Tag beginnt und endet, an dem Wohlbefinden, Komfort und Design aufeinandertreffen.
Genau das macht die Branche für mich so spannend: Wir verkaufen nicht einfach Produkte, sondern helfen Menschen dabei, einen Raum zu gestalten, der einen echten Einfluss auf ihre Lebensqualität hat. Gleichzeitig hat mich das Konzept von X²O überzeugt – mit einer starken Kundenorientierung und einem Serviceansatz, der weit über den klassischen Möbelhandel hinausgeht.
X²O wurde 2005 in Belgien gegründet und hat heute 61 Showrooms in vier Ländern. Wenn Sie jemandem in einem Satz erklären müssten, was X²O anders macht als andere Bad-Anbieter – wie würde dieser Satz lauten?
X²O macht den Badkauf durch Kundennähe, Transparenz und einen konsequenten Servicegedanken einfacher, persönlicher und verlässlicher.
Sie nennen sich selbst den „Robin Hood der Badezimmerbranche". Wo genau zieht X²O diese Linie zwischen sich und dem klassischen Sanitärhandel – und wem nehmen Sie da bildlich gesprochen etwas weg?
Bei X²O richten wir uns direkt an die Endkundinnen und Endkunden: Jeder kann ohne Termin und ohne Umwege bei uns einkaufen. Unsere Preise sind klar nachvollziehbar, und unsere Kundinnen und Kunden entscheiden selbst, welche Produkte sie kaufen und mit wem sie die Installation umsetzen möchten. Es gibt keine verpflichtenden Pakete aus Produkt und Montage und keine unangenehmen Überraschungen. Wir möchten, dass der Kunde die volle Transparenz und Entscheidungsfreiheit hat.
X²O wirkt im Auftritt spürbar lockerer als der typische deutsche Sanitärhandel – Du-Ansprache, eine gelbe Quietscheente als Maskottchen. Wie wichtig ist diese Tonalität für Ihren Erfolg in einem Markt, der traditionell eher formal kommuniziert?
Für uns ist diese persönliche Ansprache sehr wichtig. Die Umsetzung eines neuen Badezimmers ist für die meisten Menschen kein Alltagsthema. Viele beschäftigen sich nur ein- oder zweimal im Leben intensiver damit. Entsprechend ist das eigene Fachwissen oft begrenzt, gleichzeitig handelt es sich um eine bedeutende Investition.
Unser Ziel ist es deshalb, Hürden abzubauen, Vertrauen zu schaffen und den gesamten Prozess so verständlich und transparent wie möglich zu gestalten.
Eine forsa-Studie spricht von rund sieben Millionen sanierungsbedürftigen Bädern in Deutschland. Wer ist der Mensch, der heute zu Ihnen in den Showroom kommt – und was war sein Auslöser?
Den typischen Kunden gibt es eigentlich nicht. Zu uns kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Projekten – von der neuen Duschkabine über die Renovierung eines bestehenden Badezimmers bis hin zu drei Traumbädern im neuen Eigenheim. Die Ausgangssituationen sind unterschiedlich, aber meist steht ein konkretes Bedürfnis im Vordergrund.
Manche möchten ein in die Jahre gekommenes Bad modernisieren, andere wünschen sich mehr Komfort oder ein bestimmtes Wohngefühl. Oft entsteht die Inspiration auch im Alltag oder auf Reisen. Wer beispielsweise im Urlaub eine großzügige Walk-in-Dusche oder ein modernes Wellness-Ambiente erlebt hat, möchte dieses Gefühl später auch zu Hause genießen.
Am Ende geht es immer darum, ein Badezimmer zu schaffen, das besser zu den eigenen Bedürfnissen und zum individuellen Lebensstil passt.
Welche Rolle spielt Ihr Online-Shop neben den physischen Showrooms – ist der Showroom heute eher der Ort, an dem gekauft wird, oder eher der Ort, an dem entschieden wird?
Für uns gehört beides untrennbar zusammen. Wir verstehen uns als Omnichannel-Anbieter: Mit unseren Showrooms sind wir aktuell vor allem im Westen Deutschlands präsent, gleichzeitig erreichen wir über unseren Webshop Kundinnen und Kunden im gesamten Bundesgebiet. Unterstützt werden sie dabei jederzeit von unseren Teams in den Standorten, die telefonisch und per E-Mail erreichbar sind.
Gerade bei einem so persönlichen und beratungsintensiven Thema wie dem Badezimmer spielt der Showroom weiterhin eine sehr wichtige Rolle. Die meisten Kundinnen und Kunden möchten Produkte sehen, Materialien anfassen und sich persönlich beraten lassen, bevor sie eine Entscheidung treffen.
Gleichzeitig erwarten Kunden heute maximale Flexibilität – und dazu gehört, dass der gesamte Badkauf heute auch komplett digital und ohne Showroom-Besuch perfekt möglich ist. Unsere Website bietet dafür grenzenlose Möglichkeiten: Kundinnen und Kunden können alle Modelle und Farbvarianten online konfigurieren und ihr Traumbad sogar virtuell in 3D erleben. Ob jemand das Projekt bequem von zu Hause aus plant und direkt online kauft oder nur Änderungen im Showroom-Angebot vornimmt und im Laden bestellt: Der Kunde entscheidet selbst, wie und wo er sein Bad kauft.
Die Bauwirtschaft kommt aus einem schwierigen Jahr, gleichzeitig steigen die Genehmigungszahlen 2025 wieder. Wie lesen Sie diese Marktphase – und woran merken Sie in den Showrooms, ob die Stimmung tatsächlich dreht?
Natürlich beobachten wir diese Entwicklungen sehr genau. Gleichzeitig sehen wir, dass Menschen auch in unsicheren Zeiten weiterhin in ihr Zuhause investieren. Vielleicht sogar bewusster als früher.
Wir leben in einer Zeit, in der wir täglich mit Nachrichten über Krisen, Kriege, wirtschaftliche Unsicherheiten oder Umweltkatastrophen konfrontiert werden. Da gewinnt das eigene Zuhause als Rückzugsort zunehmend an Bedeutung. Viele Menschen möchten Räume schaffen, in denen sie abschalten, entspannen und neue Energie tanken können. Das Badezimmer spielt dabei eine besondere Rolle.
In unseren Showrooms merken wir, dass Kundinnen und Kunden sehr gezielt kommen. Sie beschäftigen sich intensiv mit ihren Projekten und legen großen Wert auf Qualität, Komfort und langfristige Lösungen. Der Wunsch, das eigene Zuhause lebenswerter zu gestalten, ist aus unserer Sicht ungebrochen.
Der deutsche Sanitärmarkt ist traditionell dreistufig aufgebaut: Hersteller, Großhandel, Handwerk. X²O verkauft direkt an den Endkunden. Wie reagiert das Handwerk auf Sie – und wie funktioniert die Zusammenarbeit am Ende doch, wenn ein Kunde sein Bad bei Ihnen kauft, aber jemanden braucht, der es einbaut?
Das ist eine berechtigte Frage, denn der deutsche Sanitärmarkt ist traditionell anders organisiert. Natürlich birgt jede Veränderung zunächst ein gewisses Konfliktpotenzial. Manche Handwerksbetriebe stehen neuen Strukturen anfangs skeptisch gegenüber – das können wir durchaus nachvollziehen. Schließlich tragen sie die Verantwortung für ihre Arbeit und müssen sicher sein, dass die Produkte, die sie verbauen, ihren Qualitätsansprüchen entsprechen.
Deshalb ist Vertrauen ein wichtiger Faktor. Viele Handwerker haben sich inzwischen intensiv mit unseren Produkten und auch den belgischen Marken auseinandergesetzt und positive Erfahrungen gesammelt. Mit diesen Betrieben arbeiten wir gerne zusammen und können sie unseren Kundinnen und Kunden bei Bedarf auch empfehlen.
Wir sehen unsere Rolle dabei nicht als Konkurrenz zum Handwerk. Im Gegenteil: Die Aufgaben verteilen sich lediglich anders. Während Handwerker früher oft viel Zeit in die Produktauswahl und die Begleitung im Großhandel investieren mussten, können sie sich heute stärker auf ihre eigentliche Kernkompetenz konzentrieren – die fachgerechte Umsetzung und die Betreuung weiterer Projekte.
Reden wir über Mannheim. Sie sind dort seit März 2026 mit Ihrem vierten deutschen Showroom vertreten, im Homepark Sandhofen, gleich neben IKEA. Was hat den Ausschlag für genau diesen Standort gegeben, und welche Rolle spielt die Region Rhein-Neckar in Ihren Plänen?
Natürlich haben wir den Standort nicht zufällig ausgewählt. Vor einer Entscheidung analysieren wir sehr genau, welche Regionen zu unserem Konzept passen und wo wir das größte Potenzial sehen. Für uns ist es aber ebenso wichtig, unterschiedliche Regionen und Kundengruppen kennenzulernen, unser Konzept weiterzuentwickeln und daraus zu lernen.
Die Rhein-Neckar-Region ist für uns besonders interessant, weil sie wirtschaftlich stark ist und gleichzeitig prozessual sehr gut zu unserer Struktur passt. Die Anbindung an Belgien und unser Zentrallager ermöglicht effiziente Abläufe und eine hohe Verfügbarkeit für unsere Kundinnen und Kunden.
Darüber hinaus glauben wir sehr an das Standort-Konzept von Fachmarkt- und Wohnstandorten, wie hier in Sandhofen. In Belgien und den Niederlanden haben wir mit vergleichbaren Standorten sehr gute Erfahrungen gemacht.
Für uns ist Mannheim deshalb nicht nur ein weiterer Standort, sondern ein wichtiger Schritt, um unsere Präsenz in Deutschland auszubauen und unser Konzept in einer neuen, spannenden Region weiterzuentwickeln.
Wenn ein Kunde an einem Samstagvormittag den Mannheimer Showroom betritt – wie ist eine typische Beratung bei Ihnen aufgebaut, und was unterscheidet sie von dem, was Kunden im klassischen Sanitär-Fachhandel erleben?
Der größte Unterschied ist, dass bei uns der Endkunde von Anfang an im Mittelpunkt steht. Im klassischen Modell läuft der Weg häufig über Handwerker, Großhandel und verschiedene Zwischenschritte. Viele Verbraucher haben dabei nur eingeschränkten Zugang zu Ausstellungen oder erhalten Preise nicht direkt und transparent.
Wer an einem Samstag unseren Showroom betritt, kann sich zunächst ganz unverbindlich umsehen und Inspiration sammeln. In der Beratung starten wir nicht mit Produkten, sondern mit den Bedürfnissen des Kunden: Wie wird das Bad genutzt? Wer nutzt es? Was soll sich verbessern? Geht es um mehr Komfort, mehr Stauraum, Barrierefreiheit oder vielleicht um ein bestimmtes Designgefühl?
Auf dieser Basis stellen wir gemeinsam die passende Lösung zusammen. Dabei können die Kundinnen und Kunden die Produkte direkt erleben und Materialien anfassen. Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Produkte zu verkaufen, sondern die Produktauswahl so gut wie möglich auf die individuellen Wünsche und Anforderungen abzustimmen.
Am Ende soll der Kunde den Showroom mit dem Gefühl verlassen, die richtige Entscheidung für sein Projekt getroffen zu haben.
Vor welcher Entscheidung stehen Kunden in der Beratung am häufigsten – und welche Annahme bringen Menschen mit, die Sie regelmäßig korrigieren müssen?
Oft geht es am Ende um die letzten Details. Gerade bei Designfragen oder den genauen Maßen ändern Kundinnen und Kunden im Laufe der Planung noch ihre Meinung. Bei uns ist das in der Regel kein Problem, denn Anpassungen können oft noch bis kurz vor der Auslieferung vorgenommen werden, ohne dass daraus zusätzlicher Aufwand entsteht.
Eng damit verbunden ist eine weitere Annahme, die wir häufig erleben: Viele Kunden gehen davon aus, dass die Lieferzeit mehrere Wochen bis Monate umfasst. Entsprechend überrascht sind viele, wenn sie erfahren, dass wir meistens bereits innerhalb von ein bis zwei Wochen liefern können.
Außerdem glauben viele Menschen, dass ein schönes Badezimmer automatisch ein sehr großes Budget voraussetzt. In der Beratung stellen wir jedoch immer wieder fest, dass sich mit einer guten Planung und der richtigen Produktauswahl für nahezu jedes Budget attraktive und hochwertige Lösungen finden lassen.
Wie viele Besuche und wie viel Zeit braucht ein Kunde bei X²O typischerweise, bis aus einer Idee ein gekauftes Bad wird – und an welchem Punkt fällt erfahrungsgemäß die Entscheidung?
Das hängt natürlich stark von der Größe und Komplexität des Projekts ab. Eine Badplanung dauert bei uns oft ein bis zwei Stunden, bei größeren Vorhaben auch deutlich länger. Schließlich geht es um viele Entscheidungen, die gut überlegt sein wollen.
Auch der Weg bis zum Kauf ist sehr unterschiedlich. Manche Kundinnen und Kunden entscheiden sich direkt im Anschluss an die Beratung, andere möchten Angebote vergleichen, mit ihrem Partner sprechen oder die Planung zunächst mit ihrem Handwerker abstimmen.
Unsere Erfahrung zeigt jedoch: Wenn die Beratung die Bedürfnisse des Kunden wirklich trifft, die Produktauswahl nachvollziehbar ist und sich der Kunde verstanden und gut aufgehoben fühlt, dann ist die Grundlage für eine Entscheidung gelegt. Ob diese direkt im Showroom oder einige Tage später erfolgt, spielt dabei oft eine untergeordnete Rolle.
Unser Ziel ist nicht, einen schnellen Abschluss zu erzwingen, sondern gemeinsam die passende Lösung zu finden.
Mannheim ist Ihr südlichster Standort. Wie geht es weiter – Süddeutschland, Österreich, Schweiz – und was muss erfüllt sein, damit Sie eine neue Region als reif für X²O betrachten?
Badezimmer werden zum Glück – fast – überall benötigt, und wir sehen, dass unser Konzept bei sehr unterschiedlichen Kundengruppen auf Interesse stößt.
Bei der Auswahl neuer Standorte betrachten wir verschiedene Faktoren. Neben dem Marktpotenzial spielen natürlich auch logistische und operative Aspekte eine wichtige Rolle. Wie bereits erwähnt, passen bestimmte Regionen aufgrund ihrer Anbindung an die Benelux-Länder und an unsere bestehenden Strukturen aktuell besonders gut zu unseren Abläufen. Das ermöglicht uns, unseren hohen Anspruch an Verfügbarkeit und Service zuverlässig sicherzustellen.
Eine letzte, persönliche Frage: Wenn Sie nach einem langen Tag selbst Ihr Bad betreten – was ist das Detail, an dem Sie merken, dass Sie zu Hause sind?
Da ich beruflich oft unterwegs bin und viele Hotelbäder sehe, freue ich mich jedes Mal auf mein eigenes Zuhause. Nach einem langen Tag unter einer warmen Dusche zu stehen und für einen Moment abzuschalten – ohne Termine, ohne E-Mails, ohne Nachrichten – das ist für mich der Augenblick, in dem der Arbeitstag endet und Zuhause beginnt.
sfx/news.de