Ludwigshafen/Worms/Bad Kreuznach/Koblenz: Cooling-Areas und Bäume gegen Hitzestress in der Stadt
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Erstellt von Sarah Knauth
26.06.2026 03.37
Die Menschen in einigen rheinland-pfälzischen Städten haben besonders stark unter der Sommerhitze zu leiden. Vor allem die Großstädte Ludwigshafen und Worms schneiden im Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nicht gut ab. Aber auch Bad Kreuznach, Neuwied und Koblenz bekamen eine Rote Karte. Unisono gilt für die Städte zu viele versiegelte Flächen und zu wenig Grün, um schweißtreibende Temperaturen über 30 Grad gut auszuhalten.
Wie die Städte das schlechte Abschneiden begründen und wie sie der Hitze begegnen:
Gewerbeflächen in Ludwigshafen
Ein wesentlicher Grund ist in Ludwigshafen der hohe Anteil an Industrie- und Gewerbeflächen, wie die zweitgrößte Stadt im Bundesland mitteilte. Viele dieser Flächen müssten aus Gründen des Grundwasserschutzes versiegelt werden. Dies sei "weitgehend notwendig, um eine Belastung des Grundwassers durch Schadstoffe über Produktion, Lagerung und Transport zu vermeiden" und werde zudem durch das Wasserrecht vorgeschrieben.
Die gesamtstädtische Klimaanalyse zeige "eine deutliche Hitzebelastung in versiegelten und dicht bebauten Innenstadtbereichen". Betroffen seien auch ältere Stadtteile mit enger Bebauung. Ludwigshafen verfüge über "ein sehr enges Stadtgebiet".
Koblenz fehlt Platz für viel mehr Grün
Viele Straßen, Plätze, Parkflächen und zu wenig durchgehende Grünachsen - vor allem in der Innenstadt. So erläutert die Stadt Koblenz ihr Problem. Wenig verfügbare Flächen und eine ausufernde unterirdische Infrastruktur mit Rohren, Leitungen, Bauschutt/Kriegsschutt und in den Straßenraum hineinragenden Kellern erschwerten das Pflanzen neuer Bäume und die Entsiegelung bebauter Areale, teilte Stadt-Sprecher Andreas Egenolf mit. "Dazu kommt noch der erforderliche Wohnungsneubau gepaart mit dem Ziel, dies vor allem durch Nachverdichtung in der Innenstadt umzusetzen." Die größten Herausforderungen lägen aber im Bestand.
Worms kritisiert Erhebung und zählt Maßnahmen auf
Worms hat Kritik an der Methode der DUH und betont, die Stadt nehme mit ihrem Hitzeschutznetzwerk eine Vorreiterrolle bei der Förderung der Hitzekompetenz der Bürgerinnen und Bürger ein. Dabei gehe es um zielgruppenspezifische Informationen und Unterstützungsangebote. Als Beispiel nannte Stadt-Sprecher Carsten Schneider-Wiederkehr die Anwendung der HEAL-App, die für heiße Tage schattige Fußwege berechne.
Der vor einigen Jahren beschlossene Hitzeaktionsplan werde auch umgesetzt, dies brauche in einer historisch gewachsenen Stadt aber Zeit. Dazu gehöre auch der Aufbau eines Hitzeschutznetzwerks mit Einrichtungen aus Gesundheit, Pflege und Bildung, der Umsetzung von Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen sowie mehr attraktiver Aufenthaltsqualitäten im öffentlichen Raum.
Bäume und Grün in Bad Kreuznach
Die Flächenversiegelung spiele neben der geografischen Lage auch in Bad Kreuznach eine Rolle beim Thema Hitze, sagt Stadtsprecherin Isabel Gemperlein. "Um dem entgegenzuwirken, setzen wir auf Baumpflanzungen, Entsiegelungen und weitere Begrünungsmaßnahmen, gerade auch an Hitzehotspots." Dazu zählten etwa der Bahnhofsvorplatz, der Kornmarkt und die Nahe-Brücke.
Neuwied setzt auf Baummonitoring
Die Planung der Stadtbäume ist ein Schwerpunkt der Stadt Neuwied. Dabei geht es um die Neuanpflanzung klimaangepasster und zukunftsfähiger Sorten. "Zudem versuchen wir bei Sanierung und Neubau die Baumstandorte an die zukünftigen Bedingungen anzupassen", sagt Stadtsprecher Ulf Steffenfauseweh. Der Wurzelraum solle ausreichend groß sein und die natürliche Wasserversorgung werde verbessert.
Ein in Deutschland seltenes Baummonitoring gehöre auch dazu. "Jeder Baum wird als Polygon (Vieleck) dargestellt, und der Gesundheitszustand jedes Baumes lässt sich mittels Fernerkundungsdaten ableiten." Dieses Monitoring mache deutlich, wo es akuten Handlungsbedarf gebe und sei in Deutschland "fast einzigartig".
Mit rund 16.000 Bäumen sei die Stadt mit ihren etwa 67.000 Einwohnern verhältnismäßig grün. Seit Anfang 2023 hätten 180 Bäume gefällt werden müssen - rund 400 seien dafür gepflanzt worden.
Cooling-Areas in Koblenz
Die drittgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz hat einen umfassenden Maßnahmenkatalog für die Klimaanpassung aufgestellt. In den Bebauungsplänen sind etwa Dach- und Fassadenbegrünung sowie Anforderungen an Verschattung und klimaresistente Freiraumgestaltung aufgenommen worden. Dazu kommen Stadtteilkonzepte und klimaangepasste Veranstaltungen im Sommer mit mobilem Schatten, Verneblungsanlagen, Trinkwasser- und Sonnencremespendern.
In der Innenstadt im Bestand sollen öffentlich zugängliche kühle Orte (Cooling-Areas) helfen wie Kirchen, Brunnen und Kühlanlagen sowie Trinkwasserspender. Zugleich werden Hitze-Hotspots identifiziert und ein Aktionsplan aufgestellt, um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen.
Ludwigshafen setzt auf Bäume, Trinkbrunnen und Entsiegelung
Ludwigshafen entsiegelt, wo möglich und setzt auch bei Neubauten an. So müssten Bauherren im Innenbereich die an die Kanalisation angeschlossenen befestigten Flächen um mindestens 20 Prozent reduzieren - etwa durch Dachbegrünung, versickerungsfähige Beläge oder Versickerungsanlagen, heißt es bei der Stadt.
Dazu kommen Trinkbrunnen und zusätzliche schattenspendende Bäume. Die Stadt betont zugleich, dass Hitzevorsorge eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe" sei. Auch Privatleute könnten durch entsiegelte Vorgärten sowie begrünte Dächer und Fassaden zur Abkühlung beitragen.
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