Politik

Hitzewelle rollt auf Deutschland zu: Laut UNICEF sind 90 Prozent der Kinder Hitze ausgesetzt

Ein Kind kühlt sich bei 38 Grad am Brunnen auf dem Place de Comedie ab. Die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Europa und Zentralasien sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef häufigen Hitzewellen ausgesetzt, vom 19.07.2023. (Symbolbild) Bild: picture alliance/dpa/XinHua | Gao Jing

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Meteorologen erwarten in den kommenden Tagen eine sogenannte Hitzeglocke über Teilen Europas und Deutschlands. Im Westen und Südwesten sollen die Temperaturen deutlich über 30 Grad steigen, regional sind zum Wochenstart Werte nahe 40 Grad möglich. Zugleich wächst mit der Hitze auch die Gefahr schwerer Gewitter mit Starkregen und Hagel.Solche Extremwetterlagen können für Kinder besonders belastend sein, vor allem in Kitas und Schulen.

Wie schnell Hitze für Kinder zur Gefahr werden kann, zeigte sich bereits am 13. August 2025 in Nordrhein-Westfalen.Damals wurden Feuerwehr und Rettungsdienst zu einem Zeltplatz in Hückelhoven  gerufen. Zunächst waren nur wenige Kinder mit Kreislaufproblemen gemeldet worden, doch die Zahl der Betroffenen stieg schnell an. Am Ende wurden 63 Kinder und Jugendliche wegen Hitze-Symptomen medizinisch gesichtet. 14 von ihnen mussten in einem kühlen Bürgerhaus weiter versorgt werden, ein Kind kam zur Kontrolle in eine Kinderklinik.

Hitze, Fluten und verschmutzte Luft schränken schon heute Kinder in Deutschland ein. Laut einer UNICEF-Studie sind 99,7 Prozent aller Kinder in Deutschland erheblichen Klima- und Umweltrisiken ausgesetzt. Besonders Hitzewellen betreffen rund 12,9 Millionen Kinder unter 18 Jahren. Das entspricht etwa 91,5 Prozent aller Kinder im Land.

Fast alle Kinder sind Feinstaub ausgesetzt

Noch höher fällt die Belastung bei der Luftverschmutzung aus. Laut der für Deutschland ausgewerteten UNICEF-Daten sind rund 14,0 Millionen Kinder einer Belastung durch PM2,5-Luftverschmutzung ausgesetzt. Das sind 99,7 Prozent der Kinder unter 18 Jahren.

Der neue „Children's Climate Risk Report 2026" von UNICEF stellt Deutschland im weltweiten Vergleich zwar als ein Land mit vergleichsweise niedriger kindlicher Vulnerabilität dar, also mit relativ starken Gesundheits-, Bildungs- und Versorgungssystemen. Trotzdem sind Kinder auch hierzulande in großem Umfang Klima- und Umweltgefahren ausgesetzt.

 

Millionen Minderjährige leben mit mehreren Klimarisiken

Insgesamt leben nach den Daten rund 13,7 Millionen Kinder in Deutschland mit mindestens einem erfassten Risiko. Das entspricht 97,5 Prozent. Rund 9,3 Millionen Kinder sind mindestens zwei Risiken ausgesetzt, also etwa zwei Drittel aller Kinder. Mindestens drei Risiken betreffen in Deutschland rund 630.000 Kinder.

Besonders häufig überschneiden sich Hitze und Trockenheit. Die größte konkrete Risikokombination in Deutschland ist laut Datensatz „Dürre + Hitzewelle". Davon sind rund 8,4 Millionen Kinder betroffen, also knapp 60 Prozent aller Kinder unter 18 Jahren. Weitere 3,6 Millionen Kinder sind in der Auswertung allein Hitzewellen ausgesetzt. Dürren betreffen insgesamt rund 9,7 Millionen Kinder, das entspricht 68,9 Prozent.

Flutgefahren sind in Deutschland deutlich weniger flächendeckend als Hitze oder Luftverschmutzung, bleiben aber ein relevantes Risiko. Rund 757.000 Kinder sind laut UNICEF-Daten Flusshochwasser ausgesetzt, etwa 5,4 Prozent. Hinzu kommen rund 192.000 Kinder, die Küstenhochwasser ausgesetzt sind.

 

Weltweit wächst mehr als eine Milliarde Kinder mit mehreren Risiken auf

Im globalen Kontext stuft UNICEF die Situation als Kinder-Klimakrise ein. Mehr als eine Milliarde Kinder sind demnach mindestens drei überlappenden Klimarisiken ausgesetzt. Fast alle Kinder weltweit leben mit mindestens einem der untersuchten Risiken. Besonders verbreitet sind Dürren, Hitzewellen, extreme Hitze, Hochwasser, tropische Stürme, Feuer sowie Sand- und Staubstürme. Zusätzlich betrachtet UNICEF auch klimasensible Gesundheits- und Umweltgefahren wie Malaria und Luftverschmutzung.

Die Unterschiede zwischen Ländern sind groß. In ärmeren Staaten verschärfen schwache Gesundheits-, Bildungs- und Wasserversorgungssysteme die Folgen der Klimarisiken. Kinder sind dort nicht nur häufiger mehreren Gefahren gleichzeitig ausgesetzt, sondern haben oft auch weniger Schutz davor. UNICEF verweist deshalb darauf, dass Klimarisiken für Kinder nicht allein durch Wetterextreme entstehen. Entscheidend ist auch, ob Familien, Schulen, Krankenhäuser und Infrastruktur vorbereitet sind.

/news.de