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Comeback des 9-Euro-Tickets?: Warum der Vorschlag der Linken und Grünen zum Scheitern verurteilt ist

Kehrt das 9-Euro-Ticket in Deutschland zurück? Bild: picture alliance/dpa | Robert Michael

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  • Politiker der Linken und Grünen wollen 9-Euro-Ticket wiedereinführen
  • Problem: Deutschlandticket existiert bereits und könnte Umsetzung erschweren
  • Politischer Wille für schnelles Comeback des 9-Euro-Tickets fehlt wohl
  • Es dürfte dieses Mal auch nicht nur eine kurzfristige Lösung sein

Infolge des Iran-Kriegs sind die Spritpreise auch hierzulande stark gestiegen. Ein ähnliches Dilemma gab es bereits vor vier Jahren, als Wladimir Putin seine Invasion gegen die Ukraine startete. Die Ampel-Regierung versuchte, Verbraucherinnen und Verbraucher damals unter anderem mit dem 9-Euro-Ticket zu entlasten, das zwischen Juni und August 2022 für drei Monate im öffentlichen Personennahverkehr genutzt werden konnte. Angesichts der aktuellen Situation fordern Politiker der Linken und Grünen nun ein Comeback der Fahrkarte. Die günstigere Nutzung von Bus und Bahn wäre auf jeden Fall wünschenswert. Doch eine Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets scheint zum Scheitern verurteilt.

Linke und Grüne fordern Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets

Zum Hintergrund: Linken-Chef Jan van Aken sprach sich im Frühstart von RTL und ntv nicht nur für das Comeback des 9-Euro-Tickets aus, sondern forderte zugleich die Einführung eines Ölpreisdeckels. "Also diese Mischung aus dem Ölpreisdeckel für die, die aufs Auto angewiesen sind, und dem 9-Euro-Ticket für die, die umsteigen können - ich glaube, das würde die Menschen entlasten." Dass auch die grüne Energieministerin Katrin Eder aus Rheinland-Pfalz für die Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets plädiert, nannte die Ex-Vorsitzende der Partei, Ricarda Lang, in einem neuen Instagram-Video "eine richtig geile Idee". Finanziert werden soll das Ticket laut dem Vorschlag der Landespolitikerin aus den Übergewinnen der Ölkonzerne.

Deutschlandticket könnte für Probleme bei dieser Idee sorgen

Das Problem: Während 2022 noch keine solche Fahrkarte existierte, gibt es mittlerweile das Deutschlandticket, mit dem ebenfalls für einen Festpreis im Monat der regionale Personennahverkehr im ganzen Land genutzt werden kann. Der Preis stieg dabei von ursprünglich49 Euro Anfang des Jahres auf mittlerweile 63 Euro an. Es ist nur als monatlich kündbares Abonnement erhältlich, viele Arbeitgeber gewähren Zuschüsse. Die Frage ist, was mit diesem Ticket passieren würde, falls tatsächlich das 9-Euro-Ticket wieder eingeführt wird. Müssten betroffene Kunden es auf jeden Fall kündigen, um an eine für sie noch deutlich günstigere Fahrkarte zu gelangen? Was würde geschehen, falls das 9-Euro-Ticket erneut nur für ein paar Monate gilt? Eventuelle Probleme oder Nachteile für Nutzer des Deutschlandtickets sollten auf jeden Fall vorab ausgeschlossen werden. Dass sich die Politik schnell auf unkomplizierte Regelungen einigt, ist fraglich. Schon zuletzt stritten sich Bund und Länder immer wieder über die Finanzierung des Deutschlandtickets.

Billige Fahrkarte für ganz Deutschland muss dauerhaft Bestand haben

Generell hätte die Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets wohl nur kurzfristig entlastende Wirkung, falls es nicht dauerhaft bleibt. Die Deutsche Bahn sowie regionale Verkehrsunternehmen haben in den vergangenen Jahren immer wieder die Preise erhöht. Die Politik sollte sich deshalb zunächst vor allem darum kümmern, dass dieser Trend nicht ununterbrochen weitergeht und die Kosten für Fahrkarten in Zukunft wieder deutlich gesenkt werden. Ein sinnvoller Vorschlag wäre in diesem Zusammenhang zum Beispiel, die Anzahl der Verkehrsbetriebe in Deutschland drastisch zu reduzieren, um Kosten zu sparen. Auch nach der Einführung des Deutschlandtickets gibt es immer noch einen riesigen Flickenteppich an unterschiedlichen Tarifzonen und Beförderungsbedingungen. Eine einheitliche Fahrkarte ist gut, muss jedoch dauerhaft auch für sozial benachteiligte Personen bezahlbar sein.

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